Produktentwicklung Erfolgsfaktoren für eine Produktentwicklung im 2021

Von Stefan Walker, Head of OEM Engineering

In vielen Branchen haben sich die Anforderungen an Produkte über die Jahre verändert. Damit einhergehend auch der Anspruch an die Entwicklungsabteilungen und den Entwickler selbst. Neben Technik und Knowhow spielt der Faktor Mensch weiterhin eine wichtige Rolle, Methoden und Kundenbeziehungen gehören zu weiteren Schlüsselfaktoren. Wir sind angekommen in der «Entwicklung 2021» – und die Reise geht weiter.

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Eine Auswahl an Referenzen von Steinel Solutions
Eine Auswahl an Referenzen von Steinel Solutions
(Bild: Steinel)

Entwicklungen werden immer fachspezifischer und komplexer. Was vor 20 Jahren mit einem einfachen Microcontroller und einer in sich geschlossenen Anwendung realisiert wurde, geht heute in Richtung komplexer Algorithmen und Konnektivität der Produkte. Mit der Weiterentwicklung der Embedded Systeme stehen performante Komponenten zur Verfügung, die ganzheitlich neue Möglichkeiten bieten. Dieser Trend zieht sich durch mannigfaltige Bereiche: Microcontroller, Sensorik, IoT, Power Management – um nur einige davon zu nennen. Auch die meisten unserer Kunden haben einen sehr technischen Fokus und beobachten diesen Trend. So entwickeln sich neue Möglichkeiten und Lösungsansätze, und damit neue Herausforderungen an die Entwicklung komplexer vernetzter Produkte.

Die Aspekte einer erfolgreichen Produktentwicklung

Mit der Verlagerung und Integration von mechanischen und elektromechanischen Funktionen in den Bereich der Elektronik verschiebt sich auch hier der Schwerpunkt der Aufgaben vom Konstrukteur hin zum Elektronikentwickler. Eine saubere Integration in mechanische Komponenten ist nach wie vor sehr entscheidend, da oftmals Platzverhältnisse und Integrationswünsche kundenseitig sehr streng definiert sind.

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Ein abgestimmtes Design zwischen Elektronik und Mechanik ist heutzutage elementar für den Erfolg eines Produktes. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Produzierbarkeit, und zwar in Bezug auf Design, Qualität und Herstellkosten des Produktes. Es ist unumgänglich, diese Überlegungen frühzeitig in ein Projekt miteinzubeziehen und diese gesamtheitlichen Anforderungspunkte bereits im Konzept zu berücksichtigen. So kann die Basis für ein erfolgreiches Produkt geschaffen werden.

Das Setup der Steinel Solutions mit dem One-Stop-Shop-Gedanken – vom Konzept, über die Entwicklung bis zur Serienfertigung und den After-Sales-Services, alles aus einer Hand – unterstützt diese Herangehensweise bestens, denn die Schnittstellen sind reduziert, die Kommunikationswege kurz und die Experten für alle Bereiche arbeiten inhouse, optimal sogar im selben Büro. Dies vereinfacht die Entwicklungsarbeit und bietet den Kunden deutliche Vorteile gegenüber deren Mitbewerbern. Das Ganze wird abgerundet durch eine firmeninterne Möglichkeit im Bereich des Betriebs- und Prüfmittelbaus sowie der kompletten Kette der Werkzeugbeschaffung.

Die Schlüsselfaktoren Mensch, Zusammen­arbeit und Kundenbeziehung

Doch nicht nur die Kunden, deren Produkte und folglich die Entwicklungsprojekte werden komplexer, sondern es verändern sich auch die Anforderungen an den Entwickler selbst. Ein Elektronikentwickler, der früher als Generalist sehr flexibel in vielen Projekten eingesetzt werden konnte, hat sich über die Jahre zu einem Spezialisten weiterentwickelt. Neben seinem Generalisten-Wissen deckt er einen ganz spezifischen technischen Aspekt als Fachspezialist ab. Eine derartige Mitarbeiterentwicklung erfolgt nicht von heute auf morgen – sie will mit den Markttrends, Kundenbedürfnissen und Zukunftsvisionen des Unternehmens einhergehen. Auf jeden Fall muss sich dies auch immer mit den persönlichen Interessen eines Mitarbeiters decken.

Nur, wenn Zeit und Interesse vorhanden ist, kann der Change vom Generalisten zum Spezialisten erfolgreich umgesetzt werden. Je heterogener ein Entwicklungsteam aufgestellt ist, desto flexibler ist sein Einsatzgebiet. Gleichzeitig muss in einem erfolg­reichen Entwicklungsunternehmen dem Wunsch nach einer Stellvertreterregelung und Backup des Knowhows Rechnung getragen werden können. Je grösser und fokussierter ein Entwicklungsteam zusammengestellt ist, desto einfacher lässt sich dies bewerkstelligen.

Entwicklungsresultate sind immer auch geprägt von der Leistungsfähigkeit und dem Wirken eines Teams. Neben der fachlichen Kompetenz eines Entwicklungsteams muss auch der Faktor Mensch funktionieren und aufeinander eingelernt werden.

Steinel Solutions verfolgt diesen Ansatz mit mehreren interdisziplinären Entwicklungsteams sehr erfolgreich. In den Teams entstehen eine Eigendynamik und eingespielte Prozesse, da sich die Mitarbeiter fast blind verstehen und gegenseitig vertrauen. Mit interdisziplinär wird im Tätigkeitsbereich der Bogen gespannt über die Entwicklungsbereiche Hardware, Firmware, PCB-Design und Mechanik. Damit ist ein Team vollständig mit allen Fachabteilungen besetzt und kann eigenverantwortlich in derselben Besetzung Projekt um Projekt realisieren. Das Zusammenspiel, der persönliche Zusammenhalt und die Eigenheiten der unterschiedlichen Charaktere in einem Team wachsen zusammen und ergänzen sich über die Zeit immer besser. Dieser Teamaufbau ist ideal für die Entwicklung und Lancierung eines neuen Produktes, wie die Erfahrung aus mehreren erfolgreichen Projekten zeigt.

Auch gegenüber den Kunden tritt Steinel mit immer demselben Gesicht auf. Im Bereich der OEM-Entwicklung ist dies überaus wichtig, da jeder Kunde etwas andere Eigenheiten mit sich bringt. Seien dies interne Prozesse beim Kunden, branchenspezifisches Wissen, Erfahrungen aus bereits umgesetzten Produkten bis hin zu zertifizierungsrelevanten technischen Aspekten. Auch hier entsteht über die Zeit eine eingespielte Zusammenarbeit und damit eine partnerschaftliche Kunden-Lieferanten-Beziehung auf Stufe Sales, Projektmanagement, Serienbetreuung und After Sales. Diese bringt wiederum viele Vorteile mit sich, wie beispielsweise die effiziente Abarbeitung von Anfragen oder Änderungen.

Scrumban als optimale Methode im Projektmanagement

Im Bereich Methodik, wie ein Projekt gemanagt wird, hat sich in den letzten Jahren ein Trend in Richtung Agilität und Flexibilität gezeigt. Die Kunden von Steinel befinden sich in einem volatilen Umfeld, in dem Time-to-Market ein wichtiger Faktor ist. Der klassische Ansatz eines durchspezifizierten Konzeptes bei Projektstart ist nicht zeitgemäss und deckt sich nicht mehr mit den Markt- und Kundenerwartungen. Es werden agile Methoden gefordert und auch benötigt, um aktiv auf Veränderungen reagieren zu können. Denn je komplexer ein Entwicklungsprojekt und Produkt ist, desto grösser die Anzahl Änderungen und desto länger seine Umsetzungsdauer. Zudem möchte der Kunde aktiv in den Produktentstehungsprozess eingebunden werden. Nun stellt sich die Frage, ob agiles Projektmanagement tatsächlich ein Modell der Zukunft ist, wie vielerorts proklamiert wird. Scrum klingt modern und dynamisch, und Kaban trägt eher einen produktionslastigen Beigeschmack – doch ist der Entscheid so einfach?

Steinel entwickelt in seinem Bereich keine reinen Software-Produkte und es hat sich eine Mischfunktion mit Faktoren aus beiden Ansätzen als die optimale Lösung herausgestellt – ein so genanntes «Scrumban». Die Teams visualisieren die aktuellen Tasks und den Backlog und gleichen sich in regelmässigen Meetings ab. Die Vorteile dabei sind, dass gleichzeitig der Overhead von Scrum in seiner Reinform reduziert wurde, projektspezifische Eigenheiten und Rollen lassen sich flexibel abbilden und ein Scrumban-Board kann auf ein Projekt massgeschneidert werden. Der Einbezug von Kunden und allfälliger Fachspezialisten aus dem Steinel-Konzern oder von externen Partnern ist einfach und an die Anforderungen des Projektes abgestimmt.

Die Reise geht weiter

Es tönt einfach, aber die «Entwicklung» der Entwicklung braucht Zeit und stellt immer wieder eine Herausforderung dar, ist sie doch schnell, unaufhaltsam und beinhaltet viele Aspekte. Die Basis für kontinuierliche Optimierung bildet ein ständiger Abgleich, intern wie auch extern, sowie die Beobachtung von Trends und Technologien. Nur so können Aus- und Weiterbildungen sowie Spezialisierungen in Angriff genommen oder Prozesse und Abläufe verfeinert werden. Eine Vision haben, «gross» denken und manchmal als Unternehmen ein Risiko nehmen, um am Ball zu bleiben. Steinel ist bei der Entwicklung 2021 angekommen.

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