Interview mit Heiko Häsler von Fruitcore Robotics Horst ermöglicht einen einfachen Einstieg in die Automatisierung

Autor Silvano Böni

Fruitcore Robotics ist noch ein Newcomer in der Szene und konnte dennoch mit ihrem Roboter Horst schon so manche Akzente setzen. Wir sprachen mit Heiko Häsler, COO Schweiz und Österreich, über den hiesigen Markt, die Vorteile von Horst und über die Trends in der Branche.

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Mit HorstFX steht Anwendern eine schnelle und einfache Benutzeroberfläche für den Roboter zur Verfügung.
Mit HorstFX steht Anwendern eine schnelle und einfache Benutzeroberfläche für den Roboter zur Verfügung.
(Bild: Alexander Stertzik)

Fruitcore ist ein noch junges Unternehmen und muss mit der Corona-Pandemie bereits früh in der Unternehmensgeschichte mit einer der schwierigsten Situationen seit Jahren zurechtkommen. Wie sind Sie bislang durch diese herausfordernde Zeit gekommen?

Heiko Häsler: Flexibilität gehört zu unserem Tagesgeschäft, deshalb konnten wir unsere internen Abläufe und unsere Organisation sehr schnell umstellen. Auch die Strukturen für Video- und Webkonferenzen waren bereits vorhanden. Die neuen Wege der digitalen Kontaktaufnahme haben gut funktioniert, auch wenn es nicht einfach ist, Industrieroboter mal eben schnell per Videocall zu erklären oder Unsicherheiten beim Kunden auszuräumen. Der persönliche Austausch hat eben eine ganz andere Qualität als Besprechungen übers Internet. Deshalb war es für uns auch extrem schmerzlich, dass Messen und Events ausgefallen sind. Wir konnten auch Interessenten und Kunden nicht mehr besuchen, um die Aufgabenstellungen aufzunehmen. Dies ist natürlich für ein junges Unternehmen, das seinen Kundenstamm noch ausbauen muss, sehr bitter! Doch im Grossen und Ganzen sind wir bislang ohne grosse Einschnitte durch die Krise gekommen. Wir haben die Chance genutzt, um unsere internen Prozesse nachhaltig zu digitalisieren und so als junges, ambitioniertes Technologieunternehmen weiter zu wachsen.

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Das Buch unterstützt KMU schrittweise bei der Einführung von Robotersystemen – von der Konzeption und Planung bis hin zur Integration. Dabei werden nicht nur die wichtigsten Grundlagen der Robotertechnik erläutert, sondern auch praktische Methoden vorgestellt, mit denen geprüft werden kann, ob sich Produkte oder Prozesse durch Robotik automatisieren lassen.

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Der Robotikmarkt ist hart umkämpft, die Anzahl der Mitbewerber gross. Wie kam es überhaupt dazu, mit Fruitcore in diese Branche einzusteigen?

Heiko Häsler: Unser CEO Jens Riegger wechselte nach seinem Maschinenbaustudium in Karlsruhe nach Konstanz an die HTWG (Hochschule Konstanz Technik Wirtschaft und Gestaltung). Dort tüftelte er im Anschluss an ein Roboter-Forschungsprojekt im Kunststofflabor in seiner Freizeit weiter am Thema, zusammen mit befreundeten Maschinenbau-Absolventen. Dabei setzten sie sich auch mit dem Robotermarkt auseinander und stellten fest, dass es kaum leistungsfähige Roboter zu einem günstigen Preis gab. Zudem waren die erhältlichen nicht einfach zu bedienen. Diese Lücke wollte das Gründer-Team füllen und begann mit der Entwicklung von Horst.

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Sie preisen Ihre Roboter als effizient und preiswert an. Wie differenziert man sich noch von den anderen Roboter-Herstellern?

Heiko Häsler: In der frühen Marktbetrachtungsphase haben wir den Bedarf vieler Anwender nach einem Robotersystem wie Horst ausgemacht, das den USP eines klassischen Industrieroboters mit dem eines Cobots vereint – zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis, mit kinderleichter Bedienung und ohne Qualitäts- und Leistungsverluste, am besten Made in Germany. Das zieht sich bis heute durch und zeigt auch, warum wir so schnell wachsen konnten. Ganz wichtig ist für uns zudem der persönliche und direkte Austausch mit unseren Kunden. Dadurch wissen wir, was sie benötigen und können sehr schnell und flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Wir sehen uns hier als Schnellboot zwischen den grossen Tankern.

In den vergangenen Monaten wurden immer mehr Schweizer Unternehmen als Systempartner von Fruitcore aufgenommen. Der Schweizer Markt scheint wichtig für Fruitcore zu sein …

Heiko Häsler: Der Schweizer Markt bietet ein hohes Automatisierungspotenzial, das durch die dortigen Lohnkosten nochmal verstärkt wird. Mit Horst bieten wir genau das richtige Produkt für preissensitive Anwender, die wir über unsere Zertifizierten Systempartner erreichen. Die Nähe spielt hier eine wichtige Rolle: Alle unsere Zertifizierten Systempartner kennen sich bestens mit CE-konformen Automatisierungslösungen aus. Sie haben alle einen Horst im Haus, den sie dem Interessenten jederzeit live präsentieren können. Ebenso einfach ist es für sie, sich vor Ort die Aufgabenstellung anzuschauen und geeignete Lösungen vorzuschlagen.

Die Schweiz ist ein Land voller KMU, sehen Sie da einen besonderen Vorteil für den Einsatz Ihrer Roboter?

Heiko Häsler: Wenn ich bei meinen Touren durch die Schweiz fahre, bin ich immer wieder positiv überrascht, wie viele KMU es dort gibt. Horst wurde von Anfang an genau für diese Zielgruppe entwickelt. Sprich, Horst ermöglicht einen einfachen Einstieg in die Automatisierung, weil er sich schnell und einfach installieren, programmieren und einsetzen lässt. Das sind die Schlüsselfaktoren, damit gerade kleinere Unternehmen einen Roboter effizient nutzen können. Besonders die intuitive Bedienbarkeit von Horst ist hier ein ganz grosses Plus, das sich bei hoher Variantenvielfalt und kleinen Losgrössen auszahlt. Zudem lässt sich unser System als Plug-&-Play-Lösung problemlos in die Produktionsabläufe integrieren. Der Anwender kann damit ganz unterschiedliche Prozesse sehr einfach umsetzen. Das kann zum Beispiel das Be- und Entladen von Maschinen sein, das Stapeln, Sortieren und Verpacken von Produkten, das Handling von Dreh-, Fräs- und Stanzteilen oder Pick-&- Place-Aufgaben bei Kleinteilen, etwa in der Pharma- oder Medizintechnik.

Wie stehen Sie zu der immer wiederkehrenden Aussage, dass Roboter den Menschen ihre Jobs wegnehmen werden?

Heiko Häsler: Meiner Meinung nach hat sich das Bild, das bestimmt viele Menschen noch vor zehn oder fünfzehn Jahren hatten, stark verändert. Im Zuge des Fachkräftemangels und der Globalisierung sind Automatisierung und Robotik die grosse Chance, in Hochlohnländern mittel- und langfristig überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben. Anwender können den Roboter für einfache, monotone, anstrengende, gesundheitsschädliche oder gefährliche Tätigkeiten einsetzen. So entlasten sie ihre Mitarbeiter und bekommen sie für andere, qualifiziertere Aufgaben frei. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und die Motivation des Einzelnen.

Was können Roboter denn besser als Menschen? Und woran scheitern sie noch?

Heiko Häsler: Nüchtern betrachtet hat der Roboter bei der Kontinuität klar die Nase vorn. Er kann rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche arbeiten – bei gleichbleibender Qualität und Prozesssicherheit. Unterm Strich steigt dadurch natürlich auch die Wirtschaftlichkeit, und die Investition amortisiert sich schon nach kurzer Zeit. Denn unser kleinster Roboter, Horst600, ist schon für unter 10 000 Euro erhältlich. Aber: Alle Aufgaben, die «Fingerspitzengefühl» erfordern, erledigt der Mensch einfach immer noch besser. Das kann zum Beispiel bei der Handhabung von biegeschlaffen Teilen wie Kabeln der Fall sein. Wobei sich auch hier einige neue Trends und auch künftige Lösungen am Markt abzeichnen. Es bleibt spannend.

In den letzten Jahren drehte sich im Robotikbereich vieles um die Cobots. Welche sonstigen Trends sehen Sie noch?

Heiko Häsler: Generell ist die Robotik ein Wachstumsmarkt und Horst bedient hier eine sehr grosse Schnittmenge. Damit ein Roboter für ein solches Unternehmen interessant wird, muss er erschwinglich sein und sich einfach und flexibel einsetzen lassen. Die Vereinfachung der Programmierung und Bedienung zeigt sich als ein wichtiger Trend im Robotikbereich. Daneben machen Sensorik und Konnektivität Roboter immer intelligenter und digitaler. Ein aktuelles Thema ist es, den Roboter mit Augen zu versehen. Der «Griff in die Kiste» (Bin-Picking) ist ein Beispiel dafür, und das ist mit Horst bereits möglich. Ebenso bieten wir mit unserer IoT-​Plattform HorstCosmos schon heute ein zentrales Element der digitalen und vernetzten Produktion: eine Roboterumgebung, über die der Nutzer beispielsweise seine Roboter verwalten kann, die Prozessproduktivität darstellen und die Taktzeit seiner Anlage optimieren kann sowie die neuesten Updates der Steuerungssoftware HorstFX erhält.

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