Interview mit Franco Schmid, GF Datatec Schweiz «Der Trend geht zu integrierter Messtechnik»

Von Anne Richter Anne Richter 8 min Lesedauer

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Datatec ist ein international aufgestellter Distributor für Mess- und Prüftechnik. Seit 2022 ist Datatec auch in der Schweiz aktiv. Im Interview berichtet Franco Schmid, Geschäftsführer Datatec Schweiz AG, über die Entwicklungen in der Mess- und Prüftechnik und die Situation am Schweizer Markt.

Franco Schmid, Geschäftsführer Datatec Schweiz AG. Datatec – ein international aufgestellter Distributor für Mess- und Prüftechnik ist seit 2022 auch in der Schweiz aktiv. (Bild:  Anne Richter, VCG)
Franco Schmid, Geschäftsführer Datatec Schweiz AG. Datatec – ein international aufgestellter Distributor für Mess- und Prüftechnik ist seit 2022 auch in der Schweiz aktiv.
(Bild: Anne Richter, VCG)

at – Aktuelle Technik: Datatec ist ein neuer Name am Schweizer Markt. Was waren die Beweggründe, in die Schweiz zu kommen?

Franco Schmid: Im Jahr 2022 hat Datatec die ehemalige Mesatec übernommen, bei der ich seit 2010 Geschäftsführer und Inhaber war. Datatec und Mesatec sind im selben Gebiet tätig, ungefähr die Hälfte der Mesatec-Marken waren auch Marken der Datatec Deutschland. Deshalb war für mich Datatec immer auf Platz 1 für eventuelle Kooperationen. Gleichzeitig wollte sich Datatec international ausrichten. Internationalität bietet viele Vorteile: einen grösseren Markt, bessere Betreuung unserer Kunden, da sich viele von ihnen ebenfalls europäisch aufstellen, bessere Bedingungen gegenüber den Herstellern oder auch die Möglichkeit, ein zentrales Lager zu bewirtschaften. Das war die Motivation von Datatec, international zu gehen und Beteiligungen an Firmen in Schweden, Finnland, Spanien, Österreich und in der Schweiz einzugehen. Schlussendlich wurde die Mesatec im August 2022 an Datatec verkauft, die ehemalige Mesatec gehört jetzt zu 100 Prozent zu Datatec Deutschland.

Was unterscheidet denn die Datatec Schweiz von der Mesatec?

F. Schmid: Das Geschäftsfeld ist gleich geblieben, beide Firmen sind auf dem Gebiet Mess- und Prüftechnik aktiv. Aber wir haben seit dem Verkauf viele Marken durch Datatec neu hinzubekommen. Traditionsmarken wie ZES-Zimmer oder Eaton behalten wir aber weiterhin im Portfolio. Ein signifikanter Vorteil für uns ist der Zugang zum zentralen Datatec-Lager in Deutschland, welches wir für gemeinsame Marken nutzen. Dies ermöglicht uns, die Lieferzeiten sowie die Reaktionszeiten erheblich zu verkürzen – ein grosser Gewinn sowohl für uns als auch für unsere Kunden.

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Für welche Marken haben Sie neu die Vertretung in der Schweiz?

F. Schmid: Durch die Zusammenarbeit mit Datatec konnten wir unser Portfolio um die Produkte von National Instruments erweitern, die auf integrierte Messtechnik spezialisiert sind. Diese Ergänzung eröffnet uns viele Cross-Selling-Möglichkeiten, da Kunden, die National-Instruments-Produkte benötigen, oft auch Netzgeräte, Leistungsmessgeräte oder Netzsimulatoren nachfragen, die wir ebenfalls anbieten. Zusätzlich haben wir weitere neue Marken wie Chauvin Arnoux, Gossen Metrawatt, NHR, Pendulum, Rohde & Schwarz, Softing, SPS und Teledyne FLIR aufgenommen. Diese Marken verstärken unser Angebot signifikant und ermöglichen es uns, eine breite Palette an technologischen Bedürfnissen zu bedienen.

Datatec hat sich auf Mess- und Prüftechnik spezialisiert. Das ist ein sehr grosses Gebiet. Wo liegt hier der Fokus?

F. Schmid: Historisch haben wir unser Wachstum insbesondere durch Prüfanlagen für Produktionslinien erreicht. Besonders stark sind wir im Bereich Power – also bei Strom und Leistung – mit Produkten wie Netzgeräten, Quellen und Netzsimulatoren. Auch im Bereich der Wartung und Instandhaltung elektrischer Installationen verfügen wir über umfangreiche Expertise. Wir verkaufen zwar keine Produktionsanlagen direkt, bieten jedoch die dazugehörigen Prüfinstrumente und Messgeräte an. Unser Einsatzgebiet erstreckt sich über alle Industriebranchen, egal ob es sich um Produktionsanlagen für Kaffeemaschinen, Sensoren oder andere Produkte handelt.

Wie schätzen Sie den Schweizer Markt ein? Und wie ist Datatec diesbezüglich aufgestellt?

F. Schmid: Der Schweizer Markt ist sehr anspruchsvoll und zu dem Markt in Deutschland in vielerlei Hinsicht verschieden. In Deutschland gibt es viele grosse Unternehmen, die zum Beispiel für die Automobilindustrie arbeiten. In der Schweiz gibt es diese Grossindustrie so nicht. Wir haben sehr viele kleine Firmen, die Weltmarktführer in einer ganz speziellen Nische sind. Zwar wird das reife Produkt häufig nicht in der Schweiz, sondern im Ausland gefertigt, aber die Entwicklung findet in der Schweiz statt. Das sind Hightech-Kunden mit High-End-Anwendungen. Diese Kunden brauchen komplexe Lösungen. Wir bieten genau die Produkte für diese Anforderungen. Daher ist für uns die Nähe zu den Kunden essenziell und wir investieren in ein starkes Aussendienst-­Team, welches die Sprache unserer Kunden spricht und die Kunden bei ihren messtechnischen Herausforderungen entsprechend unterstützen kann. Unsere Verkäufer sind keine reinen Verkäufer, sie haben einen entsprechenden beruflichen Hintergrund und sie bieten Beratungsdienstleistungen an – vor dem Kauf und auch nach dem Kauf. Ausserdem können wir auf das gesamte Datatec-Know-how zurückgreifen.

Wie stellt Datatec das Know-how der Mitarbeiter sicher?

F. Schmid: Unsere Mitarbeiter verfügen grundsätzlich über eine solide technische Ausbildung. Darüber hinaus nehmen wir regelmässig an Schulungen teil, die von den Herstellern angeboten werden, um unser Fach- und Produktwissen kontinuierlich zu erweitern. Bei zusätzlichem Bedarf erhalten wir Unterstützung, sei es vom Mutterhaus in Deutschland oder direkt von den Herstellern. Unsere Aussendienstmitarbeiter sind über die ganze Schweiz verteilt, stehen in engem Kundenkontakt und tauschen sich regelmässig über aktuelle Marktentwicklungen aus.

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Welche Strategie verfolgt Datatec, um neue Hersteller und Partner zu gewinnen?

F. Schmid: Unsere Strategie zielt darauf ab, kontinuierlich neue, starke Lieferanten zu identifizieren, um unser Portfolio zu erweitern und den Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden. Dabei sind für uns zwei Hauptkriterien ausschlaggebend: das Marktpotenzial in der Schweiz und die Kompatibilität mit unseren bestehenden Partnerschaften. Bei der Auswahl potenzieller neuer Lieferanten achten wir darauf, zu grosse Überschneidungen im Portfolio zu vermeiden, um unsere Angebotsvielfalt zu optimieren.

Was bedeutet das praktisch?

F. Schmid: Praktisch bedeutet das, dass wir stets die Marktentwicklungen beobachten und den aktuellen Trends folgen. Zum Beispiel waren vor etwa zehn Jahren Netzsimulatoren in der Forschung sehr gefragt. In den letzten zwei bis drei Jahren konzentrierte sich das Interesse verstärkt auf die Energiespeicherung, insbesondere auf Technologien wie Brennstoffzellen und Batterien. Hochschulen, grössere Unternehmen und Start-ups haben in diesen Bereichen zunehmend investiert. Wir sind diesen Trends gegenüber sehr aufmerksam und passen unsere Strategien entsprechend an, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Wo sehen Sie die momentanen Trends?

F. Schmid: Derzeit liegt ein starker Trend auf der Energiespeicherung, unabhängig von der Energiequelle. In diesem Bereich wird intensiv geforscht und es gibt zahlreiche Entwicklungen; die Landschaft verändert sich ständig. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf Batterien und neuen Werkstoffen, sondern auch auf der Kommunikation zwischen Energiequellen und Speichern, welche essenziell für die Stabilität des Gesamtsystems ist. Zudem wird auf dem Gebiet des Wasserstoffs viel geforscht, insbesondere zur Verbesserung des Wirkungsgrades von Brennstoffzellen. Unsere Rolle umfasst die Bereitstellung von u. a. Messinstrumenten, Spannungsquellen und Umwandlern, um diese Prozesse zu unterstützen. Wir decken den gesamten Messprozess ab und bieten die nötigen Geräte an, um Produktionslinien für Wasserstofftechnologien oder Brennstoffzellen entwickeln zu können.

Sie sprechen vor allem von der Entwicklung. Was ist mit der Produktion?

F. Schmid: Prinzipiell haben Sie natürlich recht, wir bedienen mit unseren Produkten ebenfalls die Produktion oder Prüffelder. Allerdings ist die gross angelegte Produktion, sowohl traditioneller als auch zukunftsfähiger Produkte wie Batterien, in der Schweiz nahezu vollständig zurückgegangen. Mit nur wenigen Ausnahmen findet die Fertigung dieser Produkte fast ausschliesslich im Ausland statt.

Wie gehen Sie denn vor, wenn es um eine Industrialisierung der Produkte geht und in der Schweiz nicht mehr produziert wird?

F. Schmid: Das ist ein komplett anderes Business. Beispielsweise, wenn eine Produktionsanlage in Polen errichtet wird, sind primär die lokalen Ländervertretungen involviert. Ein besonders interessantes Geschäftsmodell für uns besteht darin, dass wir in der Schweiz Produktionslinien aufbauen und einrichten, um sie anschliessend an ihren endgültigen Standort zu verlagern, also zu exportieren. Dieses Modell wird von vielen Firmen in der Schweiz praktiziert.

Die letzten Jahre waren für die gesamte Industrie eine grosse Herausforderung. Wie stark hat es Datatec betroffen?

F. Schmid: Die vergangenen Jahre waren durch zwei bedeutende Ereignisse geprägt: zum einen die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank im Jahr 2015 und zum anderen die Covid-Pandemie. Die Pandemie hat unseren Umsatz überraschenderweise nicht stark beeinträchtigt. Unsere Lieferanten konnten fast durchgängig liefern, wobei unser gut ausgestattetes Lager eine wesentliche Unterstützung bot. Die grössere Herausforderung stellte die Situation im Jahr 2015 dar, die schwerwiegende Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Schweiz hatte. Dies verstärkte den bereits bestehenden Trend, dass Schweizer Unternehmen zwar in der Schweiz entwickeln, die Produktion jedoch ins Ausland verlagern. Heute befindet sich die industrielle Produktion in der Schweiz auf einem eher niedrigen Niveau. Viele Betriebe haben ihre Produktionsstätten nach Ost­europa oder auch nach Asien, China und Nordafrika verlegt. Für uns bleibt es essenziell, dass Forschung und Entwicklung in der Schweiz verankert bleiben. Die starke Forschungslandschaft, die viele Start-ups hervorbringt, muss geschützt werden, um zu verhindern, dass zunehmend auch Entwicklungsarbeit ins Ausland verlagert wird. Mit Instituten wie der EPFL und der ETH verfügen wir über führende Hochschulen, die entscheidend für den Erhalt der Schweiz als innovativen Standort sind. Diese Institutionen und die von ihnen ausgehenden Unternehmen sind für unser Land von immenser Bedeutung.

Auch die jetzige geopolitische Situation mit dem Krieg in der Ukraine, Handelsboykotten und anderen Konflikten stellt viele vor grosse Herausforderungen. Was bedeutet das für Datatec und die Kunden?

F. Schmid: Unsere Geschäftstätigkeiten sind von diesen Herausforderungen nur geringfügig betroffen. Wir beliefern hauptsächlich Kunden in der Schweiz, und die meisten unserer Messgeräte und Instrumente verbleiben hier. Unsere Kunden, die Produktionsanlagen in der Schweiz errichten und dann ins Ausland verlagern, exportieren vornehmlich nach Ost- und Südeuropa. Abgesehen von einer Ausnahme haben wir keine Kunden, die in geopolitisch problematische Länder liefern. Auch indirekte Auswirkungen auf unser Geschäft sind minimal.

Zum Abschluss eine Frage in die Zukunft. In welche Richtung wird sich die Mess­technik weiterentwickeln?

F. Schmid: In der Vergangenheit hatte jeder Ingenieur eine Sammlung an einzelnen Mess­instrumenten. Heute jedoch sehen wir einen Trend hin zu integrierten Messtechniken, wobei immer komplexere Systeme entwickelt werden, die untereinander kommunizieren können. Diese Systeme speichern und verarbeiten Daten zunehmend in der Cloud. Dieser Trend wird sich weiter verstärken. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass sich Trends schnell ändern können, vor allem durch politische oder geopolitische Entwicklungen, die neue technische und marktspezifische Richtungen vorantreiben können. Es ist daher entscheidend, dass wir agil bleiben und schnell auf solche Veränderungen reagieren können, um unsere Technologien und Strategien entsprechend anzupassen.

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