Zollschock Die Schweiz braucht ein neues Bewusstsein für ihre Industrie

Von René Brugger 2 min Lesedauer

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Die Exportstärke der Schweiz ist auch ihr Wohlstandstreiber. Doch die Zölle der USA bedrohen den Export und damit auch den Wohlstand der Schweiz. Im folgenden Kommentar erklärt René Brugger, Präsident des SwissT.net-Verbands, warum die Schweiz ein neues Bewusstsein für ihre Industrie braucht.

Für die Schweizer Exportindustrie sind die Einfuhrzölle der USA von 39 Prozent eine extrem grosse Herausforderung.(Bild: ©  Creativa Images/Adobe Stock)
Für die Schweizer Exportindustrie sind die Einfuhrzölle der USA von 39 Prozent eine extrem grosse Herausforderung.
(Bild: © Creativa Images/Adobe Stock)

Die produzierende Schweizer Industrie erwirtschaftet mit einem Exportanteil von über 80 Prozent rund 18 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zählt man industrienahe Dienstleistungen wie Logistik, Finanzgeschäfte, Hotellerie, IT-Services, Energie und behördliche Leistungen hinzu, beträgt die direkte und indirekte Wertschöpfung wohl über 25 Prozent des BIP – das entspricht mehr als 230 Milliarden Franken jährlich.

Doch es geht um mehr als Zahlen: Diese Industrie ist das wirtschaftliche Rückgrat der Schweiz. Das Geld, das in der Exportwirtschaft verdient wird, fliesst nicht nur in die Unternehmen selbst, sondern direkt und indirekt in Infrastrukturen, soziale Sicherheit, Bildung, Innovation, Subventionen und ermöglicht überhaupt staatlichen Handlungsspielraum. Ob das Modell Schweiz als Exportnation Bestand hat, steht ausser Frage. Im Gegenteil: Es braucht ein geschärftes Bewusstsein dafür, mit welchen Stärken wir langfristig und nachhaltig Geld verdienen können – und daraus müssen politische Entscheide zu den Rahmenbedingungen konsequent abgeleitet werden.

Wir sprechen von einem Wirtschaftszweig, der nicht nur massiv zum Wohlstand beiträgt, sondern auch die Basis für eine tiefe Arbeitslosigkeit legt. Die Schweiz weist – auch dank ihrer industriellen Stärke – eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten Europas auf. Das duale Bildungssystem, kombiniert mit einer funktionierenden Sozialpartnerschaft und Instrumenten wie der Kurzarbeit, erlaubt eine beeindruckende Krisen-Resilienz. Diese Flexibilität ist ein Erfolgsfaktor – sie darf und soll weiter ausgebaut werden. Doch diese Erfolgsgeschichte ist kein Selbstläufer. Die Industrie braucht exzellente Rahmenbedingungen. Dazu zählen ein gut funktionierender Binnenmarkt, wenig Bürokratie und aus aktuellen Gründen eine Ausweitung der Bezugsdauer der Kurzarbeit auf 24 Monate. Besonders wichtig sind aber verlässliche und umfassende globale Handelsbeziehungen. Die rasche Ratifizierung der Bilateralen III mit der EU sowie der noch offenen fünf Freihandelsabkommen – ohne politische Blockaden und Umwege – ist von zentraler Bedeutung.

Ein zügiger Abschluss aller Abkommen stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer exportierenden Betriebe und sichert den Wohlstand unserer Nation.

Der jüngste Umgang der USA mit der Schweiz zeigt drastisch, wie schnell ein einseitiges Vorgehen unsere gesamte Wirtschaft treffen kann. Gerade deshalb brauchen wir hervorragende Beziehungen zu unseren Nachbarn und in die Welt die ohne Willkür auf eine regelbasierte Zusammenarbeit Wert legen.

Unsere Industrie verdient nicht nur Respekt für ihre hohe Wertschöpfung – sie braucht die politische Unterstützung, die ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

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