Seit rund 40 Jahren zeigt Dr. Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter der J. Schmalz GmbH wie sich mit guten Ideen und Beständigkeit unterschiedliche Herausforderungen bewältigen lassen. Doch Technologie alleine reicht nicht aus: Von der Politik fordert er zukunftsfähige Ansätze, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu bewahren. Indirekt betrifft es auch die Schweiz, für die Deutschland der wichtigste Handelspartner ist.
Dr. Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter der J. Schmalz GmbH: «Der Trend geht ganz klar zu mehr integrierter Intelligenz und Flexibilität. Betreiber benötigen nur noch eine einzige Lösung, die sich modular erweitern und anpassen lässt.»
(Bild: Schmalz)
at: Herr Dr. Schmalz, die wirtschaftliche Lage ist derzeit sehr herausfordernd. Wie ist die Stimmung bei Schmalz?
Dr. Kurt Schmalz: Mit einem Wort: durchwachsen. Das erste Halbjahr lief für uns deutlich besser als erwartet. Doch seit dem Sommer hat sich unsere Auftragslage abgekühlt. Ob sich dieser Trend fortsetzt oder ob wir die Rezession hinter uns lassen können, ist derzeit noch nicht absehbar. Die weltweite Konjunktur liefert widersprüchliche Signale. Welches richtungsweisend ist, werden erst die nächsten Monate zeigen. Unternehmen in unserem Branchenumfeld haben bereits aufgrund der schlechten Auftragslage Schliesstage verordnet. Dank unseres flexiblen Arbeitszeitmodells sind wir davon zum Glück noch nicht betroffen. Der grosse Vorteil von Schmalz ist das breite Portfolio, mit dem wir in sehr vielen Branchen aktiv sind. Dadurch schaffen wir einen Ausgleich. Und als Familienunternehmen können wir uns an die jeweiligen Marktbedingungen einfacher anpassen.
Ihr Unternehmen ist mit den Segmenten Vakuum-Automation, Handhabung und Energiespeicher breit aufgestellt. Wie entwickeln sich die einzelnen Sparten?
K. Schmalz: Unser Portfolio in der Robotik und Automation wächst stetig, der Trend geht ganz klar zu mehr integrierter Intelligenz und Flexibilität. Betreiber benötigen nur noch eine einzige Lösung, die sich modular erweitern und anpassen lässt, um vielfältige Anforderungen zu erfüllen. Im Bereich Handhabungssysteme punkten wir durch Ergonomie und Arbeitsschutz. Das ist insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels wichtig: Mit unseren Produkten bewegen Anwender schwere Lasten mühelos mittels Vakuum. Und mit unserem jüngsten Geschäftsfeld, den Energiespeichern, sind wir gerade eine Partnerschaft mit VoltStorage eingegangen. Für deren Gewerbespeicher steuern wir unsere Stacks bei – das ergibt ein perfektes Duo für regenerative Energieerzeugung und -speicherung mit Redox-Flow-Batterien.
Die Wirtschaft erlebt derzeit wechselhafte Marktsituationen. Welche Veränderungen in der politischen Landschaft wünschen Sie sich, um die Herausforderungen besser anzugehen?
K. Schmalz: Wir benötigen mehr Initiativen, um die Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen und Investitionen in Zukunftstechnologien zu fördern. Dazu gehören auch ein Bürokratieabbau und eine Absenkung der Stromsteuer. Das Steuersystem muss innovations- und investitionsfreundlicher werden, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu steigern. Nur über mehr Wachstum lässt sich der Staatshaushalt nachhaltig konsolidieren. Die Politik muss erneuerbare Energien noch stärker fördern, um die Klimaschutzziele zu erreichen und den Unternehmen ausreichende Mengen an bezahlbarer Energie zur Verfügung zu stellen. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Werte, die Schmalz sehr wichtig sind.
Neben hohen Energiepreisen belastet der Fachkräftemangel das Geschäftsleben. Wie gehen Sie damit um?
K. Schmalz: Das sind Probleme, die viele Unternehmen in unserer Branche betreffen. Die hohen Energiepreise haben Auswirkungen auf die Herstellungskosten. Um am Ende wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es Konzepte, die die Effizienz in der Fertigung steigern. In unserem Portfolio befinden sich Lösungen, die Produktionsprozesse optimieren und Ressourcen nachhaltiger einsetzen. Den Mangel an Fachkräften müssen sowohl wir als auch unsere Kunden ausgleichen. Wo Personal ohnehin knapp ist, wird es umso wichtiger, auf die Gesundheit der vorhandenen Mitarbeitenden zu achten. Unsere ergonomischen Handhabungs-Produkte sind daher darauf ausgerichtet, die Arbeitskräfte zu ergänzen und körperlich zu entlasten. Dazu fördert die Personalnot auch den Trend zur Automatisierung. Mit unseren Automatisierungs-Lösungen helfen wir Kunden dabei, aus der Not eine Tugend zu machen.
K. Schmalz: Innovative Lösungen zu entwickeln, ist seit jeher unser Anspruch. Wir haben ein grosses Team aus Entwicklerinnen und Entwicklern und arbeiten zudem eng mit Hochschulen zusammen. So verknüpfen wir zum Beispiel am Campus Schwarzwald Theorie mit Praxis. Die Studierenden forschen direkt an und mit unseren Maschinen. Unser Ziel ist es, die Technologieregion Schwarzwald voranzubringen, kluge Köpfe in die Gegend zu holen und zu halten. Die Zukunft gehört smarten, flexiblen und intelligenten Vakuum-Produkten, die zugleich effizient und nachhaltig sind. Genau dafür benötigen wir viel Know-how und frische Ideen.
Stand: 08.12.2025
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Intelligenz im Vakuum – klingt spannend. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von KI in Ihrer Branche?
K. Schmalz: Künstliche Intelligenz wird die Zukunft der Automatisierung gestalten. Selbstlernende Systeme ermöglichen nicht nur eine präzisere und effizientere Steuerung unserer Lösungen, sondern bieten auch die Chance, sich an veränderte Produktionsanforderungen anzupassen. Zudem schafft KI neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Smarte Technologien werden eine Schlüsselrolle dabei spielen, die aktuellen Herausforderungen – von den hohen Kosten über holprige Lieferwege bis hin zum Fachkräftemangel – zu meistern.