Physical AI in der Automobilproduktion Humanoider Roboter aus der Schweiz hilft deutscher Autoindustrie

Von Anne Richter 3 min Lesedauer

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Aeon, humanoider Roboter aus Zürich, wird seit Ende 2025 im BMW-Werk in Leipzig in der Batteriemontage und Komponentenfertigung eingesetzt. Das Pilotprojekt zielt darauf ab, die praktische Anwendbarkeit von humanoiden Robotern in der europäischen Automobilproduktion zu evaluieren.

Der humanoide Roboter Aeon bei BMW im Werk in Leipzig.(Bild:  BMW)
Der humanoide Roboter Aeon bei BMW im Werk in Leipzig.
(Bild: BMW)

Er trägt Autoteile, überreicht sie an Werksmitarbeiter, hilft in der Montage und in der Logistik und für ein Foto posen kann er auch – Aeon, Humanoider Roboter aus der Zürcher Roboterschmiede von Hexagon Robotics. Er ist mit Räder ausgestattet, ist 1,65m gross, wiegt 60 kg und kann sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,5 m/s fortbewegen. Aeon ist Bestandteil eines Pilotprojektes im BMW-Werk in Leipzig. Ziel des Projekts ist es, humanoide Robotik in die bestehende Serienproduktion von Fahrzeugen zu integrieren und weitere Anwendungsmöglichkeiten in der Batterie- und Komponentenfertigung zu erproben. Der Roboter verfügt über Sensoren zur Hinderniserkennung und kann autonom monotone Aufgaben bewältigen.

«Die Digitalisierung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktion – hier in Europa und weltweit. Das Zusammenspiel von ingenieurtechnischem Know-how und künstlicher Intelligenz eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Produktion», sagte Milan Nedeljković, Mitglied des Vorstands der BMW AG, zuständig für Produktion. Arnaud Robert, Präsident von Hexagon Robotics freut sich über diese Möglichkeiten: «Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit der BMW Group, um den Einsatz humanoider Roboter in realen Umgebungen voranzutreiben.»

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Dieses Pilotprojekt reiht sich in eine globale Entwicklung ein: Im vergangenen Jahr hat die BMW Group in ihrem Werk in Spartanburg in den Vereinigten Staaten erfolgreich ein Pilotprojekt mit humanoiden Robotern durchgeführt. Die aus diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden genutzt, um Anwendungen im Bereich Physical AI weiterzuentwickeln und zu skalieren. Jetzt bringt die BMW Group mit dem Pilotprojekt in Leipzig Physical AI zum ersten Mal nach Europa. Nach einer ersten theoretischen Evaluierungsphase und erfolgreichen Labortests fand im Dezember 2025 ein erster Testbetrieb im BMW Group Werk Leipzig statt. Ein weiterer Testbetrieb ist ab April 2026 geplant, um die vollständige Integration für die eigentliche Pilotphase ab Sommer 2026 sicherzustellen.

Der Einsatz in Leipzig konzentriert sich auf die Erprobung einer multifunktionalen Anwendung des Roboters. Er basiert auf dem Design von Aeon, dessen menschenähnlicher Körper die flexible Anbringung einer Vielzahl von Hand- und Greifelementen oder Scan-Werkzeugen ermöglicht und einen dynamischen Einsatz auf Rädern erlaubt. Während der Testphase und später in der Pilotphase wird der Roboter bei der Montage von Hochvoltbatterien und in der Komponentenfertigung eingesetzt.

Einheitliches IT- und Datenmodell im Produktionssystem

Künstliche Intelligenz ist bereits ein fester Bestandteil des Produktionssystems der BMW Group. Von der virtuellen Fabrik mit digitalen Zwillingen und KI-gestützten Qualitätskontrollen bis hin zur Intralogistik mit autonomen Transportlösungen kommen intelligente Systeme in fast allen Produktionsschritten zum Einsatz.

Voraussetzung für den effektiven Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion ist ein einheitliches IT- und Datenmodell, das sich über das gesamte Produktionssystem erstreckt. Die BMW Group hat isolierte Datensilos in ihrem Produktionssystem konsequent in eine einheitliche Datenplattform umgewandelt, sodass alle Daten konsistent, standardisiert und jederzeit verfügbar sind. Dies ermöglicht es digitalen KI-Agenten, zunehmend anspruchsvolle Aufgaben autonom und in komplexen Umgebungen zu übernehmen, während sie kontinuierlich lernen und für weitere Anwendungsbereiche verfügbar werden. Die Einführung intelligenter und autonomer Entscheidungsagenten markiert einen Paradigmenwechsel in der Produktion. In Kombination mit Robotern bilden diese digitalen KI-Agenten die sogenannte Physical AI.

«Unser Ziel ist es, technologisch führend zu sein und neue Technologien frühzeitig in die Produktion zu integrieren. Pilotprojekte helfen uns dabei, den Einsatz von Physical AI – also lernfähigen, KI-gestützten Robotern – unter realen industriellen Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln», sagte Michael Nikolaides, Senior Vice President Production Network, Supply Chain Management bei der BMW Group.

Humanoide Robotik ergänzt die bestehende Automatisierung

Die BMW Group baut ihr Automatisierungsportfolio strategisch um die Bereiche «Physical AI» und humanoide Robotik aus. Humanoide Roboter werden als wertschöpfende Ergänzung zur bestehenden Automatisierung angesehen. Insbesondere bei monotonen, ergonomisch anspruchsvollen oder sicherheitskritischen Aufgaben zeigen sie grosses Potenzial. Ziel ist es, die Mitarbeiter zu entlasten und die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.

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