Schweizer Uhrmacherkunst im Bugatti Kleine Schrittmotoren für präzise Anzeigen im Cockpit

Quelle: Faulhaber 4 min Lesedauer

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Der neue Bugatti Tourbillon, der 2026 auf den Markt kommen soll, beeindruckt durch viele Superlative: Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit vom 445 km/h und beschleunigt von 0 auf 200 km/h in weniger als fünf Sekunden. Das Anzeigendisplay zeigt ein analoges Schweizer Uhrwerk. Dafür werden die elektronischen Signale des Bordcomputers von Schrittmoren übersetzt. Diese müssen hochpräzise arbeiten, im beengten Einbauraum des Clusters Platz finden und dabei sowohl mit hochsommerlichen als auch winterlichen Temperaturen zurechtkommen.

Das komplexe Uhrwerk für die analoge Anzeige besteht aus 600 Teilen, die von Grund auf neu entwickelt werden mussten. (Bild:  Bugatti Automobiles)
Das komplexe Uhrwerk für die analoge Anzeige besteht aus 600 Teilen, die von Grund auf neu entwickelt werden mussten.
(Bild: Bugatti Automobiles)

Das französische Wort «Tourbillon» bedeutet «Wirbelwind» und passt gut zu dem ungewöhnlichen Fahrzeug, dem neuen Bugatti Tourbillon. Zugleich ist der Name aber auch eine Anspielung auf eine gleichnamige Erfindung des französischen Uhrmachers Abraham Louis Breguet (1747 bis 1823). Der Tourbillon sorgt im Uhrwerk mit einer ebenso komplizierten wie filigranen Vorrichtung dafür, dass die Einwirkung der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit von Taschen- und Armbanduhren ausgeglichen wird. Heute werden diese feinmechanischen Wunderwerke überwiegend in La Chaux-de-Fonds gefertigt, unter anderem beim Uhrenhersteller Concepto. Valérien Jaquet, der die Manufaktur 2006 gründete, ist ein Bewunderer Breguets und selbst ein herausragender Uhrmacher. Er hat sein Unternehmen in weniger als zwei Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Uhrwerklieferanten für die grossen Marken gemacht. Neben den Tourbillons gehören heute Kaliber mit allen denkbaren Komplikationen zum Angebot des Unternehmens.

Komplexes Uhrwerk aus 600 Teilen

Als bei Bugatti die Idee einer mechanischen Analoganzeige für das neueste Fahrzeugmodell entstand, war Concepto als Technikpartner deshalb eine naheliegende Wahl. Das Auto hat zwar an der Mittelkonsole auch einen ausklappbaren digitalen Bildschirm mit den Funktionen, die man in einem modernen Fahrzeug erwartet, doch der Tacho im Blickfeld des Fahrers sollte etwas Aussergewöhnliches sein. «Bugatti wollte eine Anzeige, die nicht nur äusserlich einer Schweizer Armbanduhr der Luxusklasse ähnelt, sondern auch in ihrem Innenleben auf der gleichen Art von Mechanik beruht», erzählt Guillaume Tripet, der bei Concepto das Bugatti-Projekt leitet. «Aus dieser Idee ist das Konzept mit der grossen kreisförmigen Anzeige in der Mitte und zwei kleineren Satelliten links und rechts davon entstanden. Man erkennt darin die klassische Armbanduhr mit mehreren Komplikationen, nur dass hier statt Stoppuhr oder Mondphasenanzeige die zentralen Fahrzeugdaten zu sehen sind. Sichtbar ist auch die Mechanik hinter den Zeigern.»

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Das komplexe Uhrwerk besteht aus 600 Teilen, die von Grund auf neu entwickelt werden mussten. Zwar baut Concepto auch Tischuhren und hat deshalb grössere Kaliber im Portfolio, doch die Anzeige im Bugatti erfordert um bis zu 80 Prozent grössere Komponenten. Dafür mussten die Maschinen der Manufaktur erst angepasst werden, ohne dass die gewohnte Präzision der Fertigung leidet.

Schrittmotoren als Übersetzer zwischen Elektronik und Mechanik

Eine weitere Herausforderung war die Verbindung der analogen Mechanik mit der digitalen Elektronik des Bordcomputers und den elektrischen Motoren. Denn die Werte von Fahrzeugantrieb, Tank und Batterie werden von elektronischen Sensoren ermittelt und an den zentralen Rechner des Autos geleitet. Damit sie auf einer mechanischen Anzeige erscheinen können, wird also ein «Übersetzer» benötigt. Diese Funktion übernehmen acht Schrittmotoren von Faulhaber, die ebenfalls in La Chaux-de-Fonds hergestellt werden. Sie bewegen die Zeiger, indem sie die elektronischen Signale unmittelbar in präzise abgezählte Motorschritte verwandeln.

Die punktgenaue Umsetzung von Steuersignalen in hochpräzise Bewegungen gehört zu den Stärken aller Schrittmotoren von Faulhaber. Hier kamen zu dieser grundlegenden Anforderung weitere Vorgaben und mit ihnen hohe Hürden bei der Motorauswahl hinzu. Die elektromechanische Anzeige sitzt fast freischwebend auf der Lenksäule und hat nur eine geringe Tiefe. In diesem beschränkten Bauraum mussten neben der aufwendigen Mechanik acht Schrittmotoren Platz finden. Man entschied sich für die Typen AM0820 und AM1020 mit 8 beziehungsweise 10 Millimeter Durchmesser. Beide punkten neben kompakten Abmessungen durch hohe Leistungsdichte bei geringem Stromverbrauch. Sie können anspruchsvolle Positionieraufgaben mit besonders hoher Genauigkeit ausführen, beschleunigen sehr schnell und erreichen ihre volle Leistung praktisch ohne Verzögerung. Ausserdem halten sie ihre Position auch bei abgeschaltetem Strom und können ohne Encoder präzise gesteuert werden.

Jeder der Motoren bewegt einen der Zeiger, deshalb sind vier im linken Satelliten mit seinen drei Anzeigeelementen untergebracht. Sie sind über ein Schneckengetriebe mit den Zeigern verbunden, während die anderen vier Motoren ein komplexeres, durch Saphirglas sichtbares Getriebe haben. Letzteres wurde von Faulhaber eigens für diese Anwendung entwickelt, ebenso wie die Motorsteuerung, die die Messsignale in die Bewegung der Zeiger oder das Halten einer stabilen Stellung bei unverändertem Wert übersetzt.

Zuverlässig bei Hitze und Eiseskälte

«Die Anzeige muss jederzeit gut zu erkennen sein, daher sind im Cluster zahlreiche LED integriert», erläutert Guillaume Tripet. «Ausserdem ist er in seiner exponierten Position der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. In seinem Inneren wird es also richtig warm, zumal der knappe Raum nur eine Lüfteröffnung zulässt. Ausserdem müssen die Motoren ihre Arbeit aber auch gleich nach dem Starten an einem kalten Wintertag verrichten können. Sie müssen verzögerungsfrei hochfahren und im Verhältnis zu ihren kleinen Abmessungen sehr grosse Lasten bewältigen, und das über lange Zeit und ohne Leistungseinbusse.»

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Die Faulhaber-Motoren für den Bugatti Tourbillon arbeiten in einen Temperaturbereich von minus 30 bis plus 120 Grad. Auch bei Präzision und Reaktionszeit erfüllen sie alle Anforderungen der Concepto-Ingenieure. Die geforderte Leistung könnten vergleichbare Produkte ohnehin nur bei grösserem Volumen erbringen. In der Vorserie haben die Antriebe bereits bewiesen, dass sie ihre Aufgaben im Cluster einwandfrei erfüllen und auch in den Prüfreihen wie etwa beim Vibrationstest gut bestehen. Guillaume Tripet: «Wir sind jetzt dabei, das System zu perfektionieren, damit der neueste Hypersportwagen pünktlich zum Launch mit dieser aussergewöhnlichen Anzeige ausgeliefert werden kann.»

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