Seit mittlerweile fünf Jahren verstärkt der ausgewiesene B2B-Experte Ralf Bühler das Team von Conrad Electronic. Unter seiner Leitung ist dem Familienunternehmen mit 100-jähriger Geschichte die Transformation vom klassischen Technikhändler zur Beschaffungsplattform gelungen – heute mit klarem Fokus auf Geschäftskunden. Was hat sich im Unternehmen verändert, welche Vorteile bietet die Conrad Sourcing Platform beschaffenden Unternehmen und wo geht die Reise hin? Darüber spricht Ralf Bühler im Interview.
Von Wernberg in die Welt: Rund 50 000 Pakete verlassen im Schnitt pro Tag das Conrad Logistikzentrum.
(Bild: Conrad Electronic)
at - aktuelle technik: Herr Bühler, starten wir mit dem wohl relevantesten Change der letzten Jahre: Conrads Transformation zur B2B-Beschaffungsplattform. Was ist ausschlaggebend für die Entscheidung dafür gewesen?
Ralf Bühler: Dass wir uns an Geschäftskunden wenden, ist keine völlig neue Entscheidung. Bereits seit 1998 gibt es das Geschäftsfeld Conrad Business Supplies, um verstärkt Unternehmen anzusprechen. Ausserdem lassen sich seit einigen Jahren die Veränderungen im Privatkundengeschäft beobachten. Damit meine ich beispielsweise den Trend, verstärkt online einzukaufen, was mit einem grösseren Preisdruck einhergeht. Bei Conrad hat man diese Entwicklung früh erkannt und so haben wir uns bereits 2017 entschlossen, unsere Strategie zu ändern. Der erste entscheidende Schritt war es, für unsere deutschen B2B-Kunden einen eigenen kuratierten Online-Marktplatz zu etablieren und ihnen so einen echten Mehrwert in der Beschaffung zu bieten.
2023 hat Conrad sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Was sind die Geheimnisse, um so lange am Markt zu bestehen?
R. Bühler: Veränderungsbereitschaft und ein unerschütterliches Zutrauen in den Wandel der Technik zeichnen Conrad seit mehr als 100 Jahren aus. Die Welt dreht sich immer schneller und auch die Kundenbedürfnisse verändern sich. Schon unser Firmengründer Max Conrad hatte den Anspruch, Kund*innen echten Mehrwert zu bieten, ihnen zuzuhören und danach zu handeln. Los ging es mit Radio-Bauteilen. Als in den 30er-Jahren das öffentliche Fernsehen in Deutschland Premiere feierte bot Conrad das nötige Zubehör für Fernseh-Bausätze an – inklusive dem Handbuch «Fernsehen von A bis Z». 1976 wurde die erste EDV-Anlage eingeführt, was dazu führte, dass Conrad statt bislang 150 ab da täglich mehr als 1000 Pakete versenden konnte. 1997 war Conrad als eines der ersten Technikunternehmen in Deutschland mit einem eigenen Online-Shop im World Wide Web vertreten. 2004 und 2014 folgten dann die Erweiterungen des Conrad-Logistikzentrums, von dem aus heute täglich rund 50 000 Pakete verschickt werden. Bereits seit Mitte der 80er-Jahre baut Conrad ausserdem seine internationale Geschäftstätigkeit aus. Heute ist Conrad in 17 Ländern Europas am Markt vertreten, seit 1998 auch in der Schweiz. Geschäftskunden haben hier nicht nur die Möglichkeit, ihren technischen Bedarf über den Conrad Webshop oder eine elektronische Einkaufsanbindung zu decken. Es besteht auch die Möglichkeit der persönlichen Betreuung durch unser Schweizer Aussendienst-Team.
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Nochmal zurück zur Conrad Sourcing Platform in ihrer heutigen Form: Was zeichnet eine umfassende Plattformökonomie aus und was haben Unternehmen davon?
R. Bühler: Wir wollen mehr sein als einfach nur Händler. Die Conrad Sourcing Platform verstehen wir als Netzwerk aus Menschen, digitalen Lösungen, Services und Partnern, um Unternehmen alle Teile des Erfolgs für die Deckung ihres technischen Bedarfs zu liefern. Dazu gehört natürlich ein gleichermassen breites wie tiefes und qualitativ hochwertiges Sortiment. Ein weiterer Baustein sind massgeschneiderte E-Procurement-Lösungen, um zu verschlanken und Zeit und Geld im Einkaufsprozess zu sparen. Und wir bieten kundenzentrierte Services: Werden beispielsweise Produkte benötigt, die nicht auf unserer Plattform zu finden sind, macht sich das Team unseres Beschaffungsservice weltweit auf die Suche nach dem gewünschten Artikel. Und wir haben Services, die den Einsatz der bei uns angebotenen Produkte noch einfacher machen. Dabei bleibt es den Kunden überlassen, ob sie «nur» ein Messgerät kalibrieren, ein Kabel konfektionieren, Grossvolumengeschäfte realisieren oder sich von Conrad eine Turn-Key-Lösung liefern lassen möchten.
Sie haben gerade das Thema E-Procurement angesprochen. Welche Rolle spielen Digitalisierung und Automatisierung in der modernen Beschaffung?
R. Bühler: Der technische Bedarf von Firmen wird heutzutage immer grösser. Gleichzeitig werden die Beschaffungsprozesse immer komplexer. Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Beschaffung von C-Teilen deutlich digitaler zu gestalten, um damit Versorgungssicherheit zu stärken, Komplexität auf Prozessebene zu reduzieren und im weitesten Sinne auch Ressourcen zu schonen. E-Procurement kann hierbei ideal unterstützen. Mit unserer Lösung «ProcurePlus» verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Ausgaben für die indirekte Beschaffung um bis zu 30% zu reduzieren, Lieferanten zu konsolidieren und so Beschaffung deutlich effizienter zu machen.
Sprechen Sie damit ausschliesslich Grosskunden oder auch kleinere Unternehmen an und wie wird das Angebot angenommen?
R. Bühler: Entscheidend für die Akzeptanz auf Kundenseite ist es, anbindungsoffene Lösungen anzubieten. Als Plattform ist es unsere Aufgabe, eine Vielzahl an Schnittstellen zur Verfügung stellen, um uns passgenau in die Warenwirtschaftssysteme unserer Kunden zu integrieren. Wir wollen Unternehmen befähigen, Produkte direkt in den von ihnen genutzten, internen Tools zu suchen und zu selektieren, im Idealfall vollautomatisch. Per EDI und API können Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Rechnungen direkt zwischen den Systemen ausgetauscht und ohne manuellen Aufwand weiterverarbeitet werden. Und auch kleinere Firmen können gemeinsam mit uns E-Procurement realisieren, indem sie kostenfrei unsere browserbasierte Lösung Conrad Smart Procure nutzen.
Welche Rolle kann Conrad mit seinen Lösungen und Services für die Elektronikbranche spielen und wie werden Entwickler unterstützt?
R. Bühler: Gerade mit Blick auf Entwicklungsprozesse sind neben einem spezifischen Produktsortiment in erster Linie Schnelligkeit und Lieferfähigkeit gefragt. Gerade wenn es darum geht, auch ungeplante Bedarfe zu decken, weil beispielsweise eine Komponente angepasst werden muss oder fehlt, ist Conrad ein zuverlässiger Partner. Auf unserer Plattform bieten wir ein grosses Sortiment an. Dennoch kann es vorkommen, dass dies nicht immer ausreicht, weil Kundenanforderungen immer spezieller werden. Seit Anfang Februar gehört deshalb der Distributor Electronic Direct und damit ein Spezialist für die Sonderbeschaffung elektronischer Bauteile zur Conrad-Gruppe. Ausserdem kooperieren wir mit der CAD-Content-Plattform TraceParts. Dort werden konstruktionsrelevante Daten und Dateien von Produkten aus dem Conrad-Sortiment bereitgestellt und gleichzeitig wird der Kauf der gewünschten Produkte ermöglicht, um auch in diesem Punkt die Beschaffung für unsere Kunden so reibungslos wie möglich zu gestalten.
Stand: 08.12.2025
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Welche Rolle bemisst Conrad den Lieferketten? Wie kann die Verfügbarkeit garantiert werden?
R. Bühler: Viele Unternehmen haben die Absicherung ihrer Lieferketten ganz oben auf der Agenda. Im Sinne einer hohen Lieferfähigkeit und zuverlässigen Supply Chain handeln wir entsprechend vorausschauend: Unser Lieferantennetzwerk ist über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Dementsprechend dürfen wir auf verlässliche und partnerschaftliche Beziehungen vertrauen. In enger Kooperation mit unseren Lieferanten kümmert sich unser Einkauf frühzeitig darum, die Warenverfügbarkeit für unsere Kunden sicherzustellen. Aufgrund unserer guten Kontakte zu unseren Lieferanten bekommen wir häufig auch limitierte Ware priorisiert. Ausserdem können unsere Kunden individuelle Termin- und Abrufaufträge vereinbaren, um ihre Lieferungen vorausschauend zu planen und bedarfsgerecht abrufen zu können.