Bis zu 800 Personen pro Stunde lassen sich von der neuen, weltweit steilsten Seilbahn von der Station Stechelberg nach Mürren transportieren. Nebst den Tourist:innen sollen auch deren Gepäck in den autofreien Ort gebracht werden. Damit dieser Transport reibungslos funktioniert, können nach Bedarf Container direkt an die Seilbahn-Kabinen befestigt werden. Für die Automatisierungslösung des Anhäng-Prozesses zeichnet das Automatisierungs-Unternehmen Bürki Electric verantwortlich. Teil des Bedienkonzepts ist dabei das mobile Safety-Bedienpanel von Sigmatek.
Mit einer maximalen Neigung von 159,4 % gilt die neue Seilbahn von Stechelberg nach Mürren als die steilste Seilbahn der Welt.
(Bild: Schilthornbahn AG)
Das Schilthorn (2970 m ü. M.) im Berner Oberland mit seinem beliebten Panoramarestaurant Piz Gloria gehört beinahe schon zu den Must’s für in- und ausländische Tourist:innen. Bei schönem Wetter und guter Sicht lässt sich hier bei einem Mittagessen oder Snack die Alpenwelt, allen voran die majestätische Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau, wunderbar bestaunen. Um die Gäste zu verpflegen, müssen Lebensmittel sowie Getränke auf den Gipfel spediert werden. Vornehmlich ausländische Urlauber haben zudem Gepäck dabei, um bei Zwischenstation im autofreien Mürren zu übernachten. Dieser Transport geschieht mit speziell konzipierten Containern, die an die Seilbahn-Kabinen bis Mürren angehängt werden. Die Esswaren und Getränke werden anschliessend auf zwei Funifor-Seilbahnen umgeladen und via der Station Birg auf den Gipfel gebracht.
Im Rahmen des Projekts ‘Schilthornbahn 20XX’ wurde im Dezember 2024 die neue Seilbahnverbindung Stechelberg – Mürren in Betrieb genommen. Diese Sektion beherbergt die steilste Pendelbahn der Welt mit einer maximalen Steigung von 159,4 %. Die Bahn überwindet 775 Höhenmeter auf einer Strecke von 1.194 Metern in weniger als vier Minuten. Teil dieses Projekts war eine Güterlogistik, für dessen Konstruktion die Derap AG verantwortlich war. Sie beauftragte für die Konzeption und Ausführung der Automatisierungslösung das Unternehmen Bürki Electric AG mit Sitz in Steffisburg, ein Systempartner der Sigmatek Schweiz. Bürki Electric übernahm das komplette Engineering von der Planung über das Erstellen des Schemas, Schaltschrankbaus, der Programmierung bis hin zur Inbetriebnahme.
«Ein Container für die Schilthornbahn verfügt über ein Eigengewicht von ca. 950 kg und kann maximal 2'500 kg Güter transportieren.» erklärt Marcel Duppenthaler von der Schilthornbahn. «In der Regel erhalten wir diese bereits gewogen und angeschrieben, ansonsten haben wir auch selbst Waagen, damit das Maximalgewicht nicht überschritten wird. Der gesamte Prozess mit Befüllen und Andocken des Containers dauert nur wenige Minuten, was unsere Anforderungen erfüllt.»
Wie funktioniert nun der Anhänge-Prozess eines Containers an die Kabine? Dazu gibt Marcel Pecka als verantwortlicher Projektleiter von Bürki Electric Auskunft: «Realisiert wird die Automatisierung mit einer Siemens-Steuerung, da wir hier das grösste Know-how besitzen. Das mobile Bedienpanel von Sigmatek verwendet das Logistikpersonal für die sichere Bedienung des Ablaufs. Der grosse Vorteil des Panels liegt darin, dass es über alle geforderten Sicherheitsfunktionen verfügt und über WLAN mit der Steuerung verbunden ist. So kann sich die Bedienperson ungehindert im Raum unter der Kabine bewegen und die Prozesse steuern.»
Insgesamt sind in der massiven Mechanik für das Andocken sieben Servoachsen verbaut: je eine für den Hub und die Drehbewegung des Containers, den Längsantrieb, zwei um das Teleskop unter die Kabine auszufahren sowie für die Kabinenzentrierung Längsausschub und die Kabinenzentrierung Klemmbacken. Alle fahren eine Punkt-zu-Punkt-Bewegung, bis auf die Teleskopantriebe, die als Linearbewegung miteinander synchronisiert sind. Für die Verriegelung des Containers an der Kabine sind Elektrozylinder installiert.
Sichere und komfortable Bedienung des Prozesses
«Die gesamte Bedienung des Anhänge-Prozesses der Container wird in einem teilautomatischen Modus über das mobile WLAN-Bedienpanel von Sigmatek gesteuert» führt Marcel Pecka aus. «Es verfügt über alle geforderten Sicherheitselemente und -funktionen wie Not-Halt, Zustimmtaster und Schlüsselschalter. Nur mit Betätigung des Zustimmtaster lassen sich die einzelnen Prozessschritte durch das Bedienpersonal ausführen, was aus dem Aspekt der Sicherheit enorm wichtig ist. Der Schlüsselschalter wird für die Aktivierung des Servicemodus verwendet, bei dem alle Achsen in einem Jogbetrieb einzeln bewegt werden können oder sich über die eingegebene Absolut-Position anfahren lassen.»
Für die Anbindung des Wireless-Panels an die übergeordnete Systemsteuerung verbaute Bürki Electric im Schaltschrank die Safety Relais-Ausgangskarten SRO 021 von Sigmatek und verknüpfte sie zweikanalig mit der SPS. Für die Visualisierung wurde die mobile Bedieneinheit über VNC (Virtual Network Computing) mit dem lokalen Panel verbunden. Sigmatek bietet dafür ein vorgefertigtes Softwaremodul an. «Für diese Anbindung gab es allerdings anfangs Probleme mit der Parametereingabe» erinnert sich Marcel Pecka. «Sigmatek Schweiz unterstützte uns gemeinsam mit dem Mutterhaus rasch und unkompliziert. Das Tastatur-Template wurde anwendungsspezifisch angepasst, um die Eingaben durchführen zu können. Seither funktioniert das gesamte System einwandfrei.»
Stand: 08.12.2025
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Mobiles Safety-Panel praktisch konkurrenzlos
«Natürlich hätten wir gerne die gesamte Anlage mit unserer Automatisierungslösung ausgerüstet und wir haben auch alle Komponenten wie Steuerung, Visualisierung sowie die Antriebe verfügbar. Aber so sind nun mal die Vorgaben» bedauert Stephan Mack, verantwortlich für den Vertrieb Mittel- und Westschweiz bei Sigmatek. «Wir konnten bei diesem Projekt beweisen, dass wir auch bei solchen Anwendungen Hand bieten, um eine einwandfreie Funktion für die Anlage zu gewährleisten. Das ist gerade bei derartig sicherheitskritischen Projekten, wie dieses für die Schilthornbahn, elementar. Unsere mobilen WLAN-Bedienpanels sind oftmals ein ‘Türöffner’ bei Neukunden, da kaum etwas Vergleichbares zu diesem Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Markt existiert.»