Was für Sportler die Olympischen Spiele sind, sind für junge Berufsleute die WorldSkills. Berufsmeisterschaften ermöglichen jungen Talenten einmalige Erfahrungen und liefern wichtige Impulse für unser Bildungssystem.
Auf der Sindex 2021 bereiteten sich die Lernenden für die WordSkills in Shanghai vor.
(Bild: Bernexpo)
Im kommenden Jahr finden in China nicht nur die Olympischen Winterspiele statt (4.–20. Februar 2022), rund ein halbes Jahr später gehen in Shanghai auch die WorldSkills (12.–17. Oktober 2022) über die Bühne. Bei beiden Anlässen sind Skills gefragt. Spannung und grosse Emotionen sind garantiert.
Für Chinas Führung ist klar: Sie wollen mit den beiden Grossanlässen neue Impulse setzen. Dank der Winterspiele sollen sich rund 300 Millionen Menschen der chinesischen Mittelklasse neu für Wintersport begeistern. Die WorldSkills sollen ihrerseits die duale Bildung in China weiterbringen und so die Wirtschaft stärken.
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In der Schweiz ist der Wintersport bereits beliebt und das duale Bildungssystem bereits auf einem hohen Niveau. Stellt sich also die Frage: Wieso soll die Schweiz da überhaupt mitmachen? Vieles spricht dafür, sich dennoch für Skills-Wettbewerbe zu engagieren.
Sportsgeist bringt Wirtschaft und Gesellschaft weiter
Die Schweiz ist ein sportliches Land. 75 Prozent der Bevölkerung treiben mindestens einmal pro Woche Sport, von klein auf sind viele in Vereinen aktiv und nehmen regelmässig an Wettbewerben teil. Dies hat nicht nur eine positive Wirkung auf die allgemeine Gesundheit, sondern bringt auch wünschenswerte soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Effekte mit sich.
Als exportorientiertes Land spielt die Schweiz permanent in einem internationalen Wettbewerb mit und generiert ihren Wohlstand zu grossen Teilen auf internationalen Märkten. Eine sportliche, wettbewerbsorientierte Grundhaltung kann da nur dienlich sein. Gefragt sind immer wieder individuelle Leistungsbereitschaft, aber auch Teamgeist.
An internationalen Meisterschaften nehmen die besten jungen Berufsleute zwar oft als Einzelathleten teil. Dennoch ist auch hier Teamwork gefragt. Erst durch das gemeinsame Engagement von Ausbildungsbetrieben, Experten, Psychologen, Verbänden sowie der Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld sind Spitzenleistungen überhaupt erst möglich.
Bei den beiden von Swissmem betreuten Disziplinen Automatiker/in und Industrie 4.0 ist es gar noch ausgeprägter. Hier treten Nachwuchstalente in Zweierteams gegeneinander an und sind daher auf ein perfektes Zusammenspiel angewiesen.
Das Leitbild des olympischen Sports basiert auf den Komponenten Leistung, Fairness und gegenseitige Achtung. Dies sind Grundsätze, die auch in der Geschäftswelt ihre zentrale Bedeutung haben. Im Rahmen von Berufsmeisterschaften können sie optimal trainiert werden.
Das Bildungssystem wird herausgefordert
Das schweizerische duale Berufsbildungssystem mit seiner hohen Flexibilität und Durchlässigkeit beruht auf einer hohen Kooperationsbereitschaft zwischen Unternehmen, Bund und Kantonen sowie Organisationen der Arbeitswelt.
Doch führt dieser gemeinsame Effort letztlich auch zu den nötigen Qualitätsstandards? Betrachtet man die Resultate an internationalen Meisterschaften, so lautet die Antwort klar: Ja.
In der Vergangenheit hat sich die Schweiz an WorldSkills stets in den ersten drei Rängen platziert und dabei meist als beste europäische Nation abgeschlossen.
Die Erfolge der Schweizer Berufsathletinnen und –athleten beruhen auf einem Einsatz, der weit über das normale Ausbildungsprogramm hinausgeht. Dennoch: Den Grossteil ihrer Kompetenzen erwerben sich Schweizer Medaillengewinnerinnen und -gewinner im Rahmen ihrer normalen beruflichen Grundbildung.
Diese Verankerung im allgemeinen Bildungssystem ist in anderen Ländern oft weit weniger ausgeprägt. In vielen Spitzennationen bereiten sich Nachwuchstalente oft in mehrjährigen Camps sehr spezifisch auf die Wettbewerbe vor und sind daher vom normalen Bildungssystem des spezifischen Landes weitgehend entkoppelt.
Ein direkter Vergleich der Bildungssysteme via Berufsmeisterschaften ist daher nicht möglich. Für die Schweiz sind die guten Resultate an internationalen Meisterschaften jedoch eine wichtige Bestätigung, dass unser Bildungssystem die Grundlagen für Weltklasseleistungen schafft.
Der Leistungsvergleich, den internationale Meisterschaften ermöglichen, liefert Experten, Betrieben, Verbänden und letztlich dem ganzen Bildungssystem immer wieder wichtige Impulse für die Ausbildungspraxis.
Stand: 08.12.2025
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Fragt man Teilnehmer von internationalen Meisterschaften, wie sie von den WorldSkills profitiert haben, so hört man neben den fachlichen Aspekten immer wieder die folgenden Stichworte: Konzentrationsfähigkeit, Stressresistenz, Improvisationsvermögen und Selbstmanagement. Auch viele Jahre nach den Meisterschaften können sie im beruflichen Alltag noch auf Fähigkeiten zurückgreifen, die sie im Rahmen der Meisterschaften trainieren und weiterentwickeln konnten. Von diesen Lerneffekten profitieren nicht nur jungen Talente, die den Weg bis ganz an die Spitze gegangen sind, sondern auch alle, die an Qualifikationswettbewerben teilgenommen haben.
Hinzu kommen natürliche intensive Emotionen, wie sie oft nur in der Sportwelt erlebt werden können. Die Hochs und Tiefs während eines Wettbewerbs, die grandiose Stimmung auf der grossen Bühne und letztlich der Stolz, das Beste gegeben und etwas ganz Besonderes erreicht zu haben, graben sich tief in die Erinnerungen ein. So erstaunt es denn auch nicht, dass die meisten Athleten auch nach ihrer Teilnahme noch mit den Meisterschaften verbunden bleiben und nationale wie zum Teil auch internationale Kontakte weiter pflegen.
Die erfolgreiche Teilnahme von Berufsathleten an Meisterschaften strahlt zudem oft über die individuelle Erfahrungswelt hinaus. So wirken ehemalige Lernende beispielsweise als Botschafter für ihre Ausbildungsbetriebe und ihren Beruf. Ihr persönliches Erfolgserlebnis kann ganze Teams mitziehen und neue Akzente im Unternehmen setzen.
Eine öffentliche Plattform für die duale Bildung
Auch wenn die Ähnlichkeiten zwischen der Welt der Sport- und jene der Berufsmeisterschaften gross sind, bei einem Punkt liegen sie doch noch relativ weit auseinander: bei der öffentlichen Wahrnehmung.
Das Verhältnis konnte in den vergangenen Jahren zwar etwas verbessert werden. Die Organisation von zentralen Meisterschaften unter dem Dach von SwissSkills, die koordinierte Vermarktung der Verbände sowie Medienpartnerschaften haben die mediale Wahrnehmung zweifellos verbessert. Dennoch besteht in diesem Bereich noch weiteres Potenzial.
Die Wandlungsfähigkeit, die Leistungskraft und die übergreifende Bedeutung der dualen Bildung für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz sind nur schwer aufzuzeigen. Grossanlässe wie die SwissSkills 2022 öffnen jedoch ein Fenster zur Vielfalt der dualen Bildungswelt und lassen erahnen, was in vielen Ausbildungsbetrieben täglich geleistet wird.
Berufsmeisterschaften sind Plattformen, welche Berufe erlebbar machen und Schülerinnen und Schülern oft die Augen für ihre eigenen Talente und mögliche Zukunftswege öffnen. Ich lade Sie daher herzlich ein, die nächsten zentralen Meisterschaften – die SwissSkills 2022 – zu besuchen.