Dieses Statement von Oliver Vietze, CEO und Chairman der Baumer Group, kann man in doppelter Hinsicht verstehen. Zum einen bezieht es sich auf die Produkte, andererseits auf die Kundenbeziehung. Was es damit auf sich hat und wie aus einer Idee ein erfolgreiches Produkt wird, erklärt Oliver Vietze in diesem Interview.
Oliver Vietze, CEO der Baumer Group, bei seinem Referat anlässlich des at-Technologietages Sensorik.
(Bild: Thomas Entzeroth)
Das folgende Interview vereinbarte ich mit Oliver Vietze anlässlich des at-Technologietages Sensorik nach seinem Referat zum Thema «Erfolgreich am Weltmarkt mit Spitzenprodukten aus der Schweiz – von der Idee zur Innovation». Zum einen kenne ich Baumer bereits seit den achtziger Jahren, damals war ich noch Applikations-Ingenieur. Zum anderen finde ich dieses Thema enorm spannend und will es den Leserinnen und Lesern der at – Aktuelle Technik, die am Event nicht teilnehmen konnten, nicht vorenthalten. Lesen Sie die spannenden Ausführungen von Oliver Vietze zu den Themen Innovation, Technologiefortschritt, Künstliche Intelligenz und der Entwicklung der Baumer Group über die letzten Jahrzehnte.
at – Aktuelle Technik: Herr Vietze, Sie übernahmen 2007 die Baumer Group als CEO von Ihrem Vater Helmut Vietze. Da Sie bereits vorher im Unternehmen tätig waren, hatten Sie seinerzeit bestimmt Vorstellungen und möglicherweise Visionen, wie Sie die Zukunft von Baumer gestalten möchten. Konnten Sie diese umsetzen?
Oliver Vietze: Lassen Sie mich dazu ganz kurz einige Eckpunkte zu meiner Vergangenheit ausführen. Nach meinem Studium an der ETH und der anschliessenden Promotion – damals noch beim Paul-Scherrer-Institut auf dem Gebiet der CMOS-Bild-Sensorik – war ich vorerst in Deutschland aktiv. Ich wollte nicht einfach als «der Sohn des Chefs» in die Annalen von Baumer eingehen. Ich erhielt die Chance, ein äusserst innovatives Start-up für digitale Kamerasysteme im Themenfeld der industriellen Bildverarbeitung mit einem Ingenieurteam in Radeberg bei Dresden aufzubauen. Noch heute bin ich stolz, mit dem damaligen Team zu den Pionieren für Vision-Systeme zu gehören. Dies einerseits durch meine Promotion, andererseits durch den Aufbau dieser Firma. Noch heute ist dieses Unternehmen, die Baumer Optronic GmbH, eine erfolgreiche Business Unit der Baumer Group.
Was nach der Übernahme der Führung der Baumer Group meine Visionen waren? An oberster Stelle stand für mich, dass unsere Werte unverändert bleiben: Partnerschaft, Präzision, Pionierhaftigkeit, unsere «drei Ps». Wir haben viele langjährige Kunden, die genau diese Werte an uns und unseren Produkten schätzen. Auch bei unseren Lieferanten legen wir Wert auf einen partnerschaftlichen Umgang. Das Präzise, das Genaue und die Zuverlässigkeit haben unsere Produkte und auch uns als Unternehmen immer ausgezeichnet. Und das dritte «P» steht bei Baumer für das Innovative, das Pionierhafte als Wert. Viele unserer Produkte sind in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden entstanden.
Verstehe ich das richtig, dass die Qualität und Präzision im Vordergrund stehen? Sind denn heute nicht auch die Erwartungen an eine gewisse Intelligenz im Sensor gestiegen? Sehen Sie auch Vorteile für diese Verlagerung der Intelligenz in die Sensorik?
O. Vietze: Ein Sensor muss zuverlässig funktionieren – 24/7 und das 365 Tage im Jahr. Umso wichtiger wird das, wenn Maschinen und Anlagen weitestgehend autonom arbeiten sollen. Sehen Sie, dank Miniaturisierung von Mikrocontrollern und der damit verbundenen Möglichkeit, mit Softwarealgorithmen die Signale gleich an der Quelle optimal zu konditionieren, können wir die primäre Sensorfunktion noch zuverlässiger und präziser machen. Diese Sensorintelligenz hilft uns zum Beispiel dabei, Störquellen zu identifizieren und auszuschalten: Wenn plötzlich die Maschinenbeleuchtung von einer klassischen Glühbirne auf LED umgerüstet wird – was eine Frequenzänderung von 60 Hertz auf viele Kilohertz bedeutet – unterstützt uns «Intelligenz» im Sensor, diese Fehlerquelle zu erkennen und die entsprechenden Anpassungen vorzunehmen, so dass der Sensor nicht gestört wird und weiterhin zuverlässig arbeitet.
Alle reden von IO-Link. So einfach sind IO-Link-Systeme aber dann wohl doch nicht in der Handhabung. Haben Sie das Gefühl, dass Schnittstellen wie IO-Link das Wartungspersonal überfordern? Wie viele Kunden nutzen denn die Möglichkeiten im Hinblick auf Predictive Maintenance?
O. Vietze: IO-Link ist eine coole Sache. Man kann mit dem Sensor kommunizieren, ihn optimal für die Anwendung parametrieren und natürlich auch weitere Daten auslesen. Unser Portfolio ist fast komplett mit IO-Link-Varianten ausgestattet, und wir bieten selbst bei einfachen Induktivsensoren viele zusätzliche Funktionen und Daten wie zum Beispiel Schaltfrequenzen, die Sensortemperatur oder Betriebsdauern etc. an, beispielsweise für Predictive Maintenance. Tatsächlich sehen wir aber heute noch wenige Kunden, die diese Daten auch wirklich nutzen, da die Komplexität solcher Systeme doch erheblich steigt. Es gibt noch viele Kunden, die das einfache Voltmeter bei der Inbetriebnahme und im Wartungsfall verwenden, was natürlich bei digitalen Schnittstellen nicht mehr geht. Häufig wird IO-Link in einem Atemzug verwendet im Zusammenhang mit Predictive Maintenance. Aber das ist zu kurz gehüpft.
Wie sieht denn der sinnvolle Einsatz von IO-Link aus?
O. Vietze: Durch die Möglichkeit, mittels IO-Link mit dem Sensor zu kommunizieren, kann dieser optimal auf die jeweiligen Aufgaben in der Maschine parametriert werden. Das ist gerade in flexiblen Produktionsanlagen mit kleinen Losgrössen und häufigem Umrüsten ein grosser Vorteil (Stichwort Losgrösse 1). Weiter sehen wir eine erhebliche Zeiteinsparung in der Entwicklung und Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen unter Nutzung von IO-Link-Sensoren.
Diese erweiterten Möglichkeiten erhöhen natürlich erst einmal die Komplexität. Als Hilfestellung für das Engineering haben wir deshalb die Software Baumer Sensor Suite für den PC entwickelt. Dieses Softwaretool ermöglicht die einfache Parametrierung auch von komplexen Sensoren. Mit einem USB-C-IO-Link-Master kann der Sensor ohne weiteres Netzteil mit dem PC verbunden werden. Damit sehen die Ingenieure unserer Kunden, was der Sensor sieht. Erstens können sie damit einfach am Schreibtisch oder im Labor testen, ob sich der Sensor für die Aufgabe eignet.
Stand: 08.12.2025
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Zweitens unterstützt sie das Tool bei der Inbetriebnahme an der Maschine. Die Baumer Sensor Suite liefert ihm alle Informationen zur Inbetriebnahme und stellt sie grafisch dar. Das Tool unterstützt nicht nur Baumer-Sensoren, sondern die allermeisten IO-Link-Sensoren am Weltmarkt. Wir haben das Produkt vor zwei Jahren gelauncht und heute bereits 6000 Nutzer – mit stetigen Zuwachsraten.
Können Sie unseren Lesern ein paar technologische Milestones und Leuchtturmprojekte in der Geschichte von Baumer nennen, die in gewissem Sinne bahnbrechend waren oder das Unternehmen entscheidend weitergebracht haben?
O. Vietze: Der erste Meilenstein geht zurück auf das Jahr 1967 mit der «Erfindung» unseres My-Com-Schalters. Es handelt sich dabei um einen mechanischen Endschalter, der über einen grossen Temperaturbereich reproduzierbar auf einen 1 µm präzise schaltet. Er ist heute noch ein einzigartiges Produkt, und der Umsatz wächst noch immer. Dieser Schalter ermöglicht in unerreichter Präzision eine günstige und extrem robuste, ultrapräzise Referenzpunkt-Detektion und ist selbst mehr als 50 Jahre nach Marktstart für zahlreiche Anwendungen gefragt. Dieses Produkt hat zu Beginn der 70er-Jahre das finanzielle Fundament für Baumer gelegt, worauf dann die Investitionen in die elektronische Sensorik folgten. Der My-Com ist bis heute sinnbildlich für unser Baumer-Credo «innovativ, kompakt und präzis».
Anfang der siebziger Jahre kam die Elektronik ins Spiel. Von da an gehören wir zu den Pionieren auf dem Gebiet der elektronischen Sensoren. Wir begannen mit Positionssensoren wie Induktiv- und Kapazitivsensoren. Erst die Elektronik erlaubte das berührungslose Schalten. Anschliessend folgten optische Sensoren und Ultraschall-Sensoren. Bereits früh ergänzt wurde das Portfolio für die Fabrikautomation durch Drehgeber und Komponenten für die Bildverarbeitung. Vor 15 Jahren folgte der Einstieg in die Prozess-Sensorik. Heute verfügt Baumer über eines der leistungsfähigsten und innovativsten Sensor-Portfolios auf dem Weltmarkt. Uns zeichnet vor allen die Leistungsbreite an Sensortechnologien aus. Bis auf einige wenige Produkte entwickeln wir alles im Haus und können daher auch innovative neue Produkte auf den Markt bringen.
Unsere Innovationskraft wird uns auch von Kunden und selbst von den Marktbegleitern attestiert. Aktuell wieder gut sichtbar durch die Preise, die wir für unsere Innovationen erhalten. Allein auf der SPS 2023 durften wir zwei Awards entgegennehmen: den ersten Platz des «AutomationsBest Award» für den Füllstandssensor PLP70 sowie den zweiten Platz des «inspect Award» für das einzigartige Kühlkonzept der Kameraserie CX.XC. Besonders freuen wir uns über den jüngsten Award für unseren neuartigen «Bubble Sensor» PAD20 zur Gasblasenerkennung in Rohrleitungssystemen: den International FoodTec Award der DLG in Silber. Im Lebensmittelbereich bieten wir Kunden mit unserem innovativen, leistungsstarken Portfolio hohen Mehrwert.
Anlässlich des letztjährigen Sensoriktags der at – Aktuelle Technik hielten Sie ein spannendes Referat zum Thema «Von der Idee zur Innovation». Sie machten darin folgende Kernaussage: «Innovationen kann man planen». Sind Ideen und Innovation nicht auch stark mit Kreativität verbunden? Wie motivieren Sie die Mitarbeitenden bei Baumer, nebst dem Tagesgeschäft auch noch kreativ zu sein? Wie ist die Ideen- und Innovationskultur im Unternehmen gewachsen und wie wird sie von den Mitarbeitenden verinnerlicht?
O. Vietze: Am Anfang stehen ja immer Ideen für Neues. In meinem Vortrag führte ich aus, dass bei Baumer eine Idee und eine Innovation nicht das Gleiche sind. Eine Innovation wird in unserem Verständnis nur dann ein Produkt, wenn es sich auch über die Jahre monetarisieren lässt, sprich Gewinne abwirft. Sonst war es eine «dumme, umgesetzte Idee». Innovation ist auch nicht mit einer Revolution zu verwechseln und schon gar nicht mit einer Erfindung. Erfindungen entstehen in vielen Fällen rein zufällig. Und genau das ist der Unterschied: Innovationen sind planbar.
Wie komme ich nun von einer Idee am Ende zu einer Innovation? Grundsätzlich verstehen wir unter Innovation nicht nur das Entwickeln neuer Produkte, sondern auch die Weiterentwicklung unserer Geschäftsprozesse im Sinne der Unternehmensexzellenz. Wir sprechen hier von Systeminnovation. Beides ist gleich wichtig, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Und hier bin ich der Meinung, dass sich das planen lässt. Das war auch meine Kernaussage anlässlich des Vortrags. Am Anfang lassen wir alle Ideen für Neues einfach mal zu. Anschliessend gibt es einen strukturierten Prozess, bei dem diverse interdisziplinäre Teams, sogenannte «Innovation-Circles», gemeinsam ausloten, ob aus einer Idee tatsächlich eine Innovation entstehen könnte. An diesen Meetings werden jeden Montag die Ideen klassifiziert von «hoch spannend» bis hin zu «schauen wir mal» oder sogar «da glauben wir nicht daran». Anschliessend wird eine Analyse durchgeführt, bei der wir versuchen, das Produkt möglichst konkret zu beschreiben. Dann «testen» wir den Markt und besprechen die Einsatzmöglichkeiten und Features mit strategischen Kunden, um zu schauen, ob unsere Ideen auch ankommen. Diese Systematik bilden wir in den Prozessen ab.
Woher kommen die Ideen und Inspirationen?
O. Vietze: Ideen für gute Produkte entstehen selten im Labor. Unsere wichtigste Quelle für Neues sind Gespräche mit dem Kunden. Dafür muss man allerdings sehr gut zuhören. Häufig sucht der Kunde einen spezifischen Sensor. Oft führt aber erst die Diskussion der Frage «Welche Information brauchen Sie eigentlich in der Maschine?» zu einer besseren Lösung.
Dank unserer Leistungsbreite können wir oft bereits aus unserem Standardportfolio eine sehr gute Lösung bieten. Häufig entstehen aber genau in diesem engen Austausch mit dem Kunden Ideen für neue Produkte.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
O. Vietze: Nehmen wir den oben erwähnten «Bubble Sensor» PAD20, der seinen Ursprung im Lebensmittelbereich hat. Das Kundengespräch begann mit einer Problemstellung rund die Reinigung von Rohrleitungssystemen, die mit Sensorik überwacht werden sollten. Schliesslich kamen wir darauf, dass auch Luftblasen im Leitungssystem ein grosses Problem sind.
Aus dieser Bemerkung entstand unser «Bubble Sensor» PAD20. Diese mehrfach ausgezeichnete Innovation ist eine Revolution in der Prozessautomatisierung. Sie schützt Pumpen vor dem Trockenlaufen, verhindert Energieverschwendung in Heiz- und Kühlsystemen und erhöht die Lebensmittelsicherheit sowie Produktionseffizienz.
Auch bei der künstlichen Intelligenz spielen Sensoren eine zentrale Rolle. Wie stark beschäftigt sich Baumer mit diesem Thema? Werden bereits Komponenten und Tools angeboten, beziehungsweise schon in Projekten eingesetzt?
O. Vietze: Künstliche Intelligenz ist derzeit ein grosser Hype und auch bis zu einem gewissen Grad ein Buzzword. Viele Algorithmen und Theorien zu KI sind ja seit Jahrzehnten bekannt. Nur war damals die Rechenleistung nicht vorhanden, um solche Algorithmen zu verarbeiten. Diese enorme Rechenleistung für KI-Systeme ist auch heute die Limitierung in kleinen Sensoren, insbesondere bei «Deep-Learning»-Anwendungen und neuronalen Netzwerken. Noch ist in kleinen Sensoren vieles nicht machbar. Bis KI-Algorithmen in kleinen smarten Sensoren im grossen Stil eingesetzt werden, dürfte noch einige Zeit vergehen.
Ist die Zuverlässigkeit demzufolge ein kritisches Thema im Zusammenhang mit KI?
O. Vietze: Dazu muss man auch verstehen, dass nicht alles mit KI gelöst werden kann. Deep-Learning-Algorithmen sind nicht deterministisch. Sprich: Man weiss nicht genau, wie das Ergebnis aussehen wird. Die Resultate sind mit einer Wahrscheinlichkeit gewichtet. Wahrscheinlichkeiten von 95 Prozent gelten bereits als sehr gut. In der Automatisierungstechnik aber erwarten unsere Kunden 100 Prozent. Stellen sie sich nur vor, eine Maschine hätte 5 Prozent Ausschuss, weil der Sensor eine falsche Information geliefert hat.
Bei der Bildverarbeitung sieht es etwas anders aus. Dort ist KI auch bei Baumer bereits seit Jahren im Einsatz, zum Beispiel bei der Erkennung von Qualitätsfehlern in der Möbelindustrie. Das Thema KI finde ich hoch spannend und ich bin überzeugt, dass sie die Welt nachhaltig verändern wird. Und sie wird auch Verwendung in der Automatisierungstechnik finden, jedoch nicht die Lösung aller Probleme sein.