Knapp Hundert Besucher und ein starkes inhaltliches Programm, vollgepackt mit spannenden Vorträgen und interessanten Ausstellern – das ist das Fazit des at-Technologietags Automation. Besonders inspirierend war die Keynote von Oliver Ouboter, dem Gründer von Microlino.
Wer kann das schon? Oliver Ouboter hat seinen Microlino direkt am Veranstaltungsort vor dem Eingang zur Messe Luzern parkiert.
(Bild: Thomas Entzeroth)
«Mehr Mut zur Imperfektion», mit diesem Aufruf beendete Oliver Ouboter, COO und Mitgründer des Microlino, seinen Keynote-Vortrag am Schluss des at-Technologietags Automation, der am 30. Oktober 2025 in Luzern stattfand. O. Ouboter berichtete in einem bewegenden Vortrag «Vom PR-Gag zum Cityflitzer – der Microlino als Schweizer Antwort auf Tesla» über die Erfolgsgeschichte des Microlinos. Denn die Geschichte des Microlinos ist eben nicht eine glatte Marketing-Geschichte, sondern besteht aus Höhen und Tiefen, vielen Ideen und Herzblut, Rückschlägen, Rechtsstreiten und schlussendlich einer steilen Lernkurve. Ohne das grosse Engagement und der erwähnten Mut zur Imperfektion, würde der Microlino so wie es ihn heute gibt, nicht auf unseren Strassen zu sehen sein. Der Microlino ist ein elektrisch angetriebenes Stadtfahrzeug – ausgelegt für zwei Personen und drei Kasten Bier. Es schliesst grössenmässig die Lücke zwischen Motorrad und Auto und ist so klein, dass drei davon in eine normal grosse Parklücke passen. Die Passagiere können dadurch auch bequem über die Fronttür zum Trottoir hin aussteigen.
Neben der Keynote gab es ein sehr vielseitiges und hochkarätiges Vortragsprogramm. Von Smart Factory über Themen zur Künstlichen Intelligenz (KI) bis hin zur Cybersecurity und mobile Robotik wurden wichtige Impulse zu den gegenwärtigen Trends in der Automatisation gesetzt. Prof. Markus C. Krack, Professor für Smart Factory, VR-Leitung Supply Chain & Production Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz, hat die Besucher in einer Reise durch die Welt der intelligenten Produktion geführt. Der Fokus lag darin, wie Smart-Factory-Architekturen, wie z.B. IoT-Plattformen die Rolle der ISA 95 Automationspyramide übernehmen, Silos aufbrechen, Datalakes und standardisierte Protokolle wie OPC UA nutzen. Es ging um die verschiedenen Levels der Automatisierung, um flexible Systemarchitekturen und Kostenvorteile, die dadurch entstehen sowie um den Nutzen von Large Language Models in der Produktion.
Wie durch Smart Services die Wertschöpfung auf eine neue Stufe gebracht werden kann, darum handelte der Vortrag von Dr. sc. ETH Jürg Meierhofer, Schwerpunktleiter Smart Services and Operations an der ZHAW School of Engineering. Im Fokus stand, wie durch Smart Services der Kundennutzen erhöht und gleichzeitig ein unternehmerischer Mehrwert erzeugt wird. Denn häufig stehen dem Nutzen unverhältnismässig hohe Kosten gegenüber. Es wurden Wege aufgezeigt, um den Wert zu messen, zu steigern und als Basis für ein serviceorientiertes Geschäftsmodell zu nutzen.
Mit Künstlicher Intelligenz Mehrwert schaffen
Momentan wird in der Öffentlichkeit sehr viel über KI gesprochen, doch noch gibt es nicht sehr viele konkrete Anwendungen in der Industrie die einen Mehrwert bringen. Über den Einsatz von KI in der industriellen Fertigung zur Herstellung von Nanocellulose hat Teresa Alberts, CEO der ITficient AG, referiert. Nanocellulose aus Holz ist eine grüne Alternative, scheiterte bisher aber an hohen Produktionskosten. Mit dem Projekt KIck-Bio will das Technikum Laubholz eine vollautomatische Pilotanlage samt ihrem digitalem Zwilling für die Herstellung von Nanocellulose aufbauen durch KI optimieren und so die Herstellung effizient und skalierbar machen. Herausforderung war, den Prozess zu verstehen und zu wissen, was die wichtigen Parameter sind, was der Use Case und was der Mehrwert ist.
Auch Dr. Daniel Knüttel, Head of Intelligent Production Systems der Inspire AG, hat sich mit dem Einsatz von KI beschäftigt und hat zwei Use Case zur Implementierung von KI in der Automatisierung und Qualitätskontrolle vorgestellt. Ein Anwendungsfall ging um automatisierte Analyse und Informationsgewinnung aus technischen Dokumenten und deren Herausforderungen. Im zweiten Anwendungsfall ging es um die Verbesserung der Messkapazität im Bereich der automatisierten Qualitätskontrolle. In beiden Fällen konnte die Effizienz signifikant gesteigert werden.
Silodenken überwinden für ein Service-Ökosystem
Datensilos ade: Gerd Bart, CEO der Transaction-Network GmbH & Co. KG, hat gezeigt, wie Maschinenbauer und Betreiber mit einem offenen Service-Ökosystem Lieferfähigkeit, Verfügbarkeit und Effizienz auf ein neues Niveau heben können und dies ohne IT-Grossprojekt, aber mit maximaler Wirkung. Als Praxisbeispiel stellte er ein Projekt von United Grinding vor. In einem Transformationsprozess konnte der Hersteller von Präzisionsschleifmaschinen, das Silodenken mit den einzelnen Marken und ihren unterschiedlichen Historien aufbrechen und mit Core eine gemeinsame, markenübergreifende Plattform schaffen.
Cyberrisiken betreffen auch KMU
Resiliente Cybersecurity-Architekuren sind in der heutigen Zeit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Roger Hiestand, Geschäftsführer von BREVIT, hat anhand von Use Cases gezeigt, wie resiliente Security-Architekturen, Strategien und Managed Services in Produktionsbetrieben praxisnah umgesetzt werden können. Dabei ist der grösste Hemmschuh zumeist das Mindset. «Wir sind gut aufgestellt – um das Thema IT-Sicherheit kümmert sich unser IT-Dienstleister.» und «Wir sind zu klein, bei uns gibt es nichts Interessantes zu holen.» sind die gängigen Denkmuster. Das Referat hat gezeigt – keine Firma ist zu klein oder unbedeutend. KMU sind denselben Cyberrisiken ausgesetzt wie Grossunternehmen – ihr Schutz muss daher ebenso systematisch und hochwertig sein.
Stand: 08.12.2025
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Moderne Aktuatorenkonzepte für mobile Robotik
Mobile Robotik muss zuverlässig sein bei überschaubaren Kosten. Alles unter der Prämisse vom Paradigmenwechsel zum reinforcment learning: Mehr Sensoren werden integriert, Inhärente Möglichkeit zur Steuerung mit Noise und Öffnung für Drittanbieter. Antriebssysteme müssen so ausgelegt sein, einerseits günstig und skalierbar zu sein aber auch explosive Bewegungen darstellen zu können. Moderne Steuerungsansätze ermöglichen weniger komplexe, kostengünstigere Designs, ohne Leistungseinbussen. Der Vortrag von Alessandro Forino, Head of Robotic Drive Systems bei maxon, hat neue Aktuatorkonzepte mit Fokus auf Planetengetriebe, Compliance und Backdrivability vorgestellt. Gezeigt wurde, wie robuste, dynamische und wirtschaftlich skalierbare Lösungen die nächste Generation mobiler Robotersysteme ermöglichen.
In einem Forschungsprojekt der Hochschule Luzern haben Forschende ein neuartiges Sensorsystem entwickelt, dass die Aufbereitung von Stahlschrott in Echtzeit überwacht und die Grundlage für Optimierungen liefert. Darüber hat Prof. Dr. Simon Züst, Professor für Nachhaltige Fertigungstechnik und Gruppenleiter, Mitbegründer der Züst Engineering AG, berichtet. Im Stahlrecycling entscheidet die Sortenreinheit über den Wert und die Einsatzmöglichkeiten von Recyclingmaterialien. Je höher die Qualität des aufbereiteten Stahlschrotts, desto besser lassen sich RC-Materialien in hochwertige Anwendungen integrieren und Primärrohstoffe einsparen.
Die Vorträge wurden von einer Fachausstellung verschiedener Unternehmen der Branche begleitet. Branchenspezialisten wie Sigmatek, TTI, Ringspann, datatec, testo, Tox, FMA und Wittenstein haben ihre Produkte und Lösungen zur Automation vorgestellt. In den Pausen gab es zusätzlich genügend Zeit zum Networking und zum Erfahrungsaustausch.
Zufriedene Besucher
De Besucher waren begeistert von der Qualität der Vorträge und der Möglichkeit zum Netzwerken. So berichtet Tommy Gmünder, Business Development Manager Embedded Systems bei der Elma Electronic AG: «Beim at-Technologietag Automation spürt man das Engagement und das Herzblut der Leute zur Branche. Es sind fachlich fundierte Entscheidungsträger vor Ort und ich konnte sehr gute Gespräche führen.» Auch Vanessa Scheuber, Co-Head of Marketing der Fabrimex Systems AG ist sehr zufrieden vor allem mit dem Vortragsprogramm: «In den Vorträgen sind spannende Ansätze vorgestellt worden, um den Kunden auch in Zukunft gerecht zu werden. Die werden wir intern auch prüfen. Uns bewegt die Frage, welche Kompetenzen wir intern aufbauen und welche wir mit Partner umsetzen wollen.»