Interview mit Jessica Bethune, Vice Präsident Industrie- und Prozessautomation DACH bei Schneider Electric Das perfekte Zusammenspiel Mensch und Maschine

Von Anne Richter 8 min Lesedauer

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Schneider Electric ist ein wichtiger Vorreiter bei der Förderung der digitalen Transformation für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in Unternehmen. Im Interview berichtet Jessica Bethune, Vice Präsident Industrie- und Prozessautomation DACH bei Schneider Electric, was die Chancen und Möglichkeiten für Unternehmen sind, aber auch vor welchen Herausforderungen sie stehen.

Jessica Bethune (links), Vice Präsident Industrie- und Prozessautomation DACH bei Schneider Electric, im Gespräch mit Anne Richter, Chefredaktorin der at - aktuelle technik.(Bild:  Schneider Electric/ Gruppe C Photography)
Jessica Bethune (links), Vice Präsident Industrie- und Prozessautomation DACH bei Schneider Electric, im Gespräch mit Anne Richter, Chefredaktorin der at - aktuelle technik.
(Bild: Schneider Electric/ Gruppe C Photography)

at – aktuelle technik: Seit September 2023 sind Sie für den Industriebereich von Schneider Electric in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Was sind Ihre Hauptschwerpunkte?

Jessica Bethune: Automatisieren, modernisieren und Effizienz schaffen, das ist unser Kernthema – immer unter dem Fokus der Nachhaltigkeit und des nachhaltigen Wirtschaftens. Für mich geht es darum herauszufinden, was unsere Industrien brauchen, um in fünf, zehn oder 15 Jahren weiterhin wachsen zu können. Wie sie Geld sparen und Prozesse effizienter gestalten können, dass sie reinvestieren können, um für die zukünftigen Herausforderungen gut gewappnet zu sein.

Was bedeutet das konkret?

J. Bethune: Es gibt noch sehr viele Unternehmen und Infrastrukturen, die auf Steuerungssystemen laufen, die 20 oder sogar 30 Jahre alt sind. Diese Systeme müssen modernisiert werden. Sie müssen in die Lage gebracht werden, die Sprache der verschiedenen Infrastrukturen zu sprechen. Das nennen wir offene softwaredefinierte Automatisierung. EcoStruxure Automation Expert basiert z.B. auf einer offenen, modularen Softwarearchitektur, die es ermöglicht, dass Software und Hardware voneinander entkoppelt werden. Soft- und Hardware haben eine verschiedene Lebensdauer und verschiedene Wartungsintervalle. Durch die Entkopplung hat der Kunde die Macht, selbst zu entscheiden, wo und wie er modernisieren muss. Er kann Anlagen steuern, ohne von einem einzigen Hersteller abhängig zu sein. Damit kann er wesentlich agiler auf Veränderungen im Prozess reagieren, auf sich verändernde Energiepreise und auf andere Schwankungen.

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Oft ist vor allem für kleinere Unternehmen die Umsetzung eine Herausforderung. Inwieweit bietet Schneider Electric hier Unterstützung?

J. Bethune: Klassischerweise haben mittelständige Maschinenbauunternehmen keine grosse IT-Abteilung. Wir haben Kollegen aus dem Bereich Industrial Digital Transformation mit Erfahrung in der Industrie und mit Anwendungskompetenz. Die schauen sich zusammen mit den Kunden die Anlagen an. Sie machen Assessments mit den Kunden und beraten diesen anschliessend über die nächsten Schritte. In der Regel beginnt es mit einfachen Themen, z.B. mit der Fragestellung wie eine bestimmte Maschine weniger Energie verbraucht und effizienter arbeitet.

Seit etwa 15 Jahren sprechen wir über Industrie 4.0 und Digitalisierung. In der Realität gibt es noch sehr viel zu tun. Was sind für Unternehmen dabei die grössten Herausforderungen?

J. Bethune: Im Moment herrscht sehr viel Unsicherheit vor. Zwar sind sich die meisten Betriebe bewusst, dass sie etwas tun müssten. Aber es besteht eine Ungewissheit darüber, welche Auswirkungen die Digitalisierung haben kann. Es geht um solche Fragen wie: was passiert, wenn die Maschine an die Cloud angebunden wird und ob die Kunden das auch akzeptieren. Zusätzlich kommen externe Faktoren erschwerend hinzu: Lieferketten haben sich verändert, geopolitische und geowirtschaftliche Konstellationen sind volatil. Das verursacht sehr viel Sorge bei den Unternehmen. Aber ich bin auch der Meinung, dass wir den Mittelstand und die Industriebetriebe in der DACH-Region oft unterschätzen.

Wie meinen Sie das?

J. Bethune: Die Innovationskraft, der Wille und der wachsende Mut sind definitiv vorhanden. Ich habe in den letzten Monaten häufig eine Diskrepanz gesehen, zwischen der politischen, öffentlichen Diskussion, die von Verbänden und Grossunternehmen dominiert wird, und dem, was real in den KMU passiert. Das betrifft nach meiner Einschätzung den gesamten DACH-Raum. Da passiert richtig viel und bei den Unternehmen gibt es viel mehr Zuversicht, als in der öffentlichen Diskussion im Moment leider zu hören ist. Es gibt Ideen zur Energiespeicherung, um mit Preis- und Versorgungsschwankungen umzugehen oder zur Nutzung von Windkraft, um für den eigenen Betrieb Energie zu gewinnen.

Was ist für kleinere, produzierende Unternehmen der optimale Weg in die Digitalisierung? Gibt es den überhaupt?

J. Bethune: Die Unternehmen müssen sich selbst klar darüber werden, was sie wirklich brauchen – und zwar kurz-, mittel- und langfristig. Sie sollten unbedingt im Kleinen anfangen, aber auch in die Vernetzung gehen. Für mich persönlich ist das Thema Kreislaufwirtschaft entscheidend und die Schaffung eines Ecosystems um den eigenen Betrieb herum mit Zulieferern, Partnern und Kunden. Mittels digitaler Plattformen kann ein Netzwerk generiert werden, mit dem Ziel, zukünftige Bedarfe und Entwicklung der Märkte besser antizipieren zu können. Das wird in den nächsten Jahren das Fundament unseres Wachstums sein.

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