Stromversorgungen Die Spannung steigt

Redakteur: Andreas Leu

Bereits in den 1990er-Jahren wurde ein 42-V-Konsortium ins Leben gerufen. Aufgrund fehlender Standards konnte sich dieses jedoch nicht durchsetzen. Nun soll alles anders werden.

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(Bild: Schurter)

Strom wurde früher in Automobilen nur wenig benötigt. Sie liefen hauptsächlich mechanisch. Elektrische Fensterheber? Gab es nicht. Dafür musste eine manuell zu bedienende Kurbel herhalten. Heute ziehen ganze Heerscharen von elektrischen Verbrauchern wie Sitzheizung, Komfort- und Assistenzsysteme jede Menge Strom aus der Batterie. In einem 12-V-Bordnetz müs­sen somit immer höhere Ströme fliessen. Damit dieses Bordnetz nicht kapituliert, installieren Hersteller nun parallel ein zweites, stärkeres Netz im Auto mit 48 Volt Gleichspannung (48 VDC).

Gestern und heute

Das neue 48-VDC-System ersetzt nicht das bisherige mit 12 VDC. Es ergänzt es. Viele bewährte Komponenten im Fahrzeug können bestens mit 12 VDC betrieben werden, was einen kompletten Umstieg auf höhere Spannungen unnötig teuer machen würde. Nicht alle elektrischen Verbraucher werden also künftig auf die höhere Spannung umgerüstet. Der Hauptgrund liegt unter anderem an der Verfügbarkeit der Komponenten, die entweder ausschliesslich für 12 Volt ausgelegt oder aber als 48-VDC-Variante klar teurer sind. Zudem benötigen viele elektrische Verbraucher nur wenig Leistung und sind im 12-VDC-Bordnetz gut aufgehoben.

Insellösung vs. kombiniertes Netz

Die Integration von einem 48-VDC-Bordnetz kann durch zwei verschiedene Konzepte erreicht werden. Bei einer «Insellösung» kommt es durch den Einsatz von beispielsweise elektrischen Turboladern oder Wankstabilisatoren zu kurzzeitigem sehr hohem Leistungsbedarf, der vom 12-VDC-Netz nicht mehr gedeckt werden kann. Daher werden 48-VDC-Lithiumionen-­Akkus oder Superkondensatoren über einen unidirektionalen DC / DC-Wandler aus dem 12-VDC-Netz versorgt. Diese Lösung stellt die einfachste Umsetzung dar. Sie hat aber keinen Einfluss auf den Schadstoff­ausstoss oder den Kraftstoffverbrauch, da die Energie konventionell über eine Lichtmaschine zur Verfügung gestellt wird.

Beim sogenannten kombinierten Netz erfolgt im Gegensatz zur Insellösung der Energietransfer in umgekehrter Richtung. Ein uni- oder bidirektionaler DC / DC-Wandler versorgt die 12-VDC-Seite aus dem 48-VDC-Netz. Dieses ist mit dem Starter-Generator, einer geregelten elektrischen Maschine, verbunden und startet den Motor. Bei laufendem Verbrenner versorgt die elektrische Maschine das 48-VDC-Bordnetz.

Vertretbarer Aufwand

Die 48-VDC-Technologie lässt sich also mit vertretbarem Aufwand in die Architektur konventionell angetriebener Fahrzeuge integrieren und bietet Funktionen, die bis anhin nur bei Hochvolt-Hybridsystemen mit 300 bis 400 VDC zu finden sind. Dazu zählen etwa das Abschalten des Verbrennungsmotors während der Fahrt, ein sehr schneller Motorstart und eine effiziente Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation).

Auch an anderer Stelle hilft das stärkere Bordnetz mit 48 VDC beim Sparen. Diverse Nebenaggregate, die bis anhin in der Regel vom Motor unter Kraftstoffeinsatz angetrieben werden mussten, können so leichter elektrisch betrieben werden und dann nur noch bei Bedarf laufen. Dazu gehören die Servolenkung und die Kühlmittelpumpe.

Ein 48-VDC-Hybridsystem bietet somit hervorragende Möglichkeiten zur Verbrauchs- und CO₂-Reduktion bei überschaubaren Kosten.

Vorteile eines 48-VDC-Bordnetzes

Ein grundlegender Vorteil eines 48-VDC-Bordnetzes ist der geringere Verlust bei der Energieübertragung aufgrund kleinerer Ströme bei identischer Leistung. Daraus resultiert ein erhebliches Einsparpotenzial bei der Auslegung der elektrischen Leiterquerschnitte, was sich bei den Unmengen an verbauten Kabeln in modernen Fahrzeugen positiv auf das Gewicht niederschlägt.

Das 48-VDC-Bordnetz ermöglicht auch eine wirtschaftliche Energierückgewinnung und Speicherung während der Bremsvorgänge (Rekuperation). Hierbei arbeitet die elektrische Maschine als Generator. Bei hohem Drehmoment- und / oder Leistungsbedarf kann dieses System aber ebenso den Verbrennungsmotor unterstützen, indem die elektrische Maschine in umgekehrter Richtung als Elektromotor versorgt aus dem 48-VDC-Akku arbeitet. Dieser Vorgang wird auch als «Booster» bezeichnet. Durch eine vollständige Entkopplung des Verbrennungsmotors vom Bordnetz kann dieser sogar während der Fahrt komplett abgeschaltet werden. Im Gegensatz zum konventionellen Leerlauf entstehen beim sogenannten Segeln ­keinerlei Verluste im Verbrennungsmotor. Hierdurch kann eine deutliche Kraftstoffeinsparung erzielt werden.

Nachteile und Herausforderungen

Da das gängige 12-VDC-Bordnetz weitgehend bis 60 VDC, der sogenannten Selv-Spannung (Safety Extra Low Voltage), spezifiziert ist, lassen sich viele Kabel- und Steckkomponenten unter Berücksichtigung der Luft- und Kriechstrecken übernehmen. An lastführenden Trennstellen steigt jedoch die Gefahr von Lichtbögen, aufgrund dessen ein Öffnen des Kontaktes unter Last verhindert werden muss. Unter Umständen ist auch eine Lichtbogenerkennung erforderlich. Selbst eine Elektrolyse beim Eintritt von elektrolythaltiger Flüssigkeit kann problematisch werden, was einen entsprechenden Schutz vor Feuchtigkeit notwendig macht.

Neue Komponenten nötig

Die Anhebung des Bordnetzes auf 48 VDC erfordert einige neue elektrische Komponenten. Im Gegensatz zum 12-VDC-Generator müssen die 48-VDC-Maschinen zusätzlich als elektrischer Motor fungieren. Zu unterscheiden sind hier verschiedene synchrone sowie asynchrone elektrische Maschinen. Sowohl Drehmoment, Wirkungsgrad als auch Leistungsdichte variieren in Abhängigkeit der Ein- und Ausgangsparameter, sodass in der Praxis vermutlich verschiedene Konzepte Anwendung finden.

Der Inverter, ein bidirektionaler Wechselrichter, wandelt im Generatorbetrieb der elektrischen Maschine die Wechselspannung in Gleichspannung und umgekehrt im Falle einer Anwendung als Elektromotor die Gleichspannung in Wechselspannung.

DC / DC-Wandler bilden die Schnittstelle zwischen 12- und 48-VDC-Bordnetz. In der Regel arbeitet der DC / DC-Wandler als Abwärtswandler und lädt die 12-VDC-Batterie. Ausnahmen bilden der Einsatz im Fahrzeug mit oben genannter Inseltopologie und ein Starten des Motors bei extrem niedrigen Temperaturen.

In einem kombinierten 12 / 48-VDC-Bordnetz empfiehlt sich zwischen den beiden Spannungsebenen ein bidirektionaler DC / DC-Wandler, da Lithium­ionen-Batterien nicht kaltstartfähig sind. Deshalb ist eine Fremdstarthilfe in Form einer kleinen Starterbatterie im 12-VDC-Bordnetz praktisch obligatorisch. In diesem Fall arbeitet der Wandler als Aufwärtswandler.

Last but not least: Der 48-VDC-Akku benötigt für einen sicheren Betrieb ein Batteriemanagementsystem. Dieses sorgt für ein Angleichen der Einzelzell­spannun­gen, überwacht die Temperatur und den Ladezustand und übernimmt die Kommunikation mit den Steuergeräten.

EMV nimmt an Bedeutung zu

Aufgrund dieser geballten Ladung an Elektronik und der erhöhten Leistungen muss auch dem Thema EMV grösste Beachtung zukommen. Die Leistungsdichte und die Anzahl involvierter Systeme werden immer grösser, und die daraus entstehenden Probleme elektromagnetischer Art sind vorprogrammiert. Dies gilt sowohl für die Emissionen einzelner Baugruppen als auch für die Immissionen durch andere. Die korrekte Funktion aller Komponenten hat einen essenziellen Einfluss auf die Sicherheit. Nicht nur auf jene der Fahrzeuginsassen, sondern auch auf jene anderer Verkehrsteilnehmer.

IATF 16949: Erfahrener Partner

Schurter ist zertifiziert nach IATF 16949 und bedient eine Vielzahl von Kunden mit Sicherungen, welche nach AEC-Q200 für verschiedenste Applikationen (Battery Management, Klimaregelung, motornahe Elektronik für Diesel / Benziner u. v. m.) geprüft wurden. Abermillionen von Sicherungen zum Schutz vor Überstrom und Übertemperatur sind weltweit im Einsatz. Die enge Vernetzung mit internationalen Automotive-Organisationen und der Industrie selbst machen Schurter zum kompetenten Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Absicherung von Elektronik im Automobilbau. Darüber hinaus verfügt Schurter über ein Kompetenzzentrum für EMV-Lösungen, das für industrielle und medizinische Anwendungen seit Jahrzehnten massgeschneiderte Lösungen entwickelt.

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