Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 Wie Betreiber Bestandsmaschinen zukunftsfähig machen

Von Leuze 4 min Lesedauer

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Ab Mitte Januar 2027 gilt die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Im Interview erklärt Matthias Bristle, Produktmanager Safety Solutions bei Leuze, wie Betreiber Bestandsmaschinen sicher und normkonform halten – und welche Rolle intelligente Safety Solutions dabei spielen.

Matthias Bristle, Product Manager Safety Solutions & Services bei Leuze electronic in Owen: «Sicherheit endet nicht mit dem Projektabschluss – sie beginnt dort und muss im laufenden Betrieb aktiv gelebt werden.» (Bild:  Leuze)
Matthias Bristle, Product Manager Safety Solutions & Services bei Leuze electronic in Owen: «Sicherheit endet nicht mit dem Projektabschluss – sie beginnt dort und muss im laufenden Betrieb aktiv gelebt werden.»
(Bild: Leuze)

at-aktuelle technik: Was bedeutet die neue Maschinenverordnung für Betreiber von Bestandsmaschinen?

Matthias Bristle: Die gute Nachricht: Das übergeordnete Ziel bleibt unverändert – Maschinen müssen sicher betrieben werden. Neu ist jedoch, dass die Maschinenverordnung die Anforderungen an Risikobeurteilung, Nachweisführung und Dokumentation wesentlich präziser adressiert als die bisherige Maschinenrichtlinie. Genau hier kommen unsere Safety Dienstleistungen und Solutions ins Spiel: Sie sind individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und Applikationen zugeschnitten und sorgen für einen sicheren und rechtskonformen Betrieb. Uns ist wichtig, dass Unternehmen bei diesen Aufgaben nicht allein gelassen werden. Deshalb unterstützen wir mit umfassenden Services – von der Analyse über die Entwicklung und Integration bis zur Validierung und Dokumentation.

Wo liegen in der Praxis die grössten Herausforderungen für Anlagenbetreiber, wenn Maschinen modernisiert werden müssen?

Matthias Bristle: Die Anpassung von Bestandsanlagen an neue Normen und Vorgaben ist oft eine echte Herausforderung. Häufig fehlt bereits die Transparenz darüber, welchen tatsächlichen Sicherheitsstatus der eigene Maschinenpark hat. Hinzu kommen komplexe Produktionsprozesse, Unsicherheiten über die Grenzen klassischer Sicherheitskonzepte und der ständige Zeitdruck im Tagesgeschäft. Deshalb empfehlen wir grundsätzlich einen strukturierten, methodischen Ansatz, der alle relevanten Aspekte berücksichtigt und die Umsetzung planbar macht. Entscheidend ist: Es reicht nicht aus, einfach eine Sicherheitseinrichtung zu kaufen. Man muss sie auch richtig auswählen, korrekt integrieren und ihre Wirksamkeit nachweislich validieren. Nur so entsteht am Ende eine wirklich sichere Lösung, die Mitarbeiter schützt.

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Wie sieht das konkret aus, wenn Leuze bei der Nachrüstung und Validierung unterstützt?

Matthias Bristle: Wir bieten unseren Kunden einen ganzheitlichen Service – angefangen bei Safety Checks vor Ort, über normkonforme Risikobeurteilungen bis hin zu Engineering und Validierung. Unsere Expertinnen und Experten begleiten den Prozess von Anfang bis Ende: von der ersten Analyse über die Entwicklung individueller Sicherheitslösungen bis zur rechtssicheren Dokumentation und regelmässigen Inspektionen. So entsteht ein durchgängiger Sicherheitsprozess, der alle Anforderungen abdeckt und Betreiber wirklich entlastet. Am Ende geht es darum, dass sich die Sicherheitskonzepte an die individuellen Gegebenheiten vor Ort anpassen und eben nicht umgekehrt.

Wie lässt sich denn sicherstellen, dass die getroffenen Sicherheitsmassnahmen auch langfristig wirksam bleiben?

Matthias Bristle: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn nicht der wichtigste. Sicherheit endet nicht mit dem Projektabschluss – sie beginnt dort und muss im laufenden Betrieb aktiv gelebt werden. Stellen Sie sich vor, Sie verlassen mit Ihrem Auto das Werk oder die Werkstatt. In diesem Moment ist das Fahrzeug technisch einwandfrei, alles ist geprüft und korrekt eingestellt. Aber damit ist es nicht dauerhaft sicher. Schon nach wenigen Kilometern können sich Schrauben leicht lösen, Bremsen verschleissen oder der Reifendruck verändern. Wenn man das nicht regelmässig kontrolliert, steigt das Risiko mit jeder Fahrt – für einen selbst und für alle Verkehrsteilnehmer in der Umgebung. Genau deshalb sind regelmässige Hauptuntersuchungen durch zertifizierte Stellen verpflichtend. Genauso verhält es sich mit Maschinen: Auch, wenn sie zu Beginn perfekt eingerichtet und geprüft sind, ändern sich im Betrieb ständig die Rahmenbedingungen – Prozesse, Belastungen, Nutzungsverhalten oder Umgebungsfaktoren. Ohne regelmässige Kontrolle, Anpassung und Wartung verliert selbst die beste Sicherheitslösung im Laufe der Zeit an Wirksamkeit. Sicherheit ist also kein einmaliger Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Betreiber erhalten dazu klare Vorgaben für Prüfintervalle und können sich darauf verlassen, dass das Schutzniveau über den gesamten Lebenszyklus stabil bleibt. So erspart man sich unangenehme Überraschungen bei der nächsten Betriebsbegehung.

Anlagen werden immer komplexer. Wie beeinflusst das die Sicherheitskonzepte in der industriellen Automatisierung?

Matthias Bristle: Das stimmt, die Anforderungen steigen. Klassische Schutzkonzepte wie Muting stossen mittlerweile bei vielen Applikationen an ihre Grenzen, zum Beispiel in Verpackungslinien mit häufig wechselnden Formaten oder bei der Absicherung von Roboterzellen an Übergabestationen mit fahrerlosen Transportsystemen: Wir setzen hier auf leistungsfähige Lösungen, die das Schutzfeld von Sicherheitslaserscannern softwaregestützt dynamisch anpassen, sodass auch bei veränderten Gegebenheiten eine lückenlose Überwachung ohne Materialflussunterbrechung erreicht wird. Solche Lösungen erfüllen höchste Sicherheitsanforderungen, ermöglichen einen produktiven, manipulationssicheren und normkonformen Betrieb und sind das Ergebnis aus jahrelanger Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen der Maschinensicherheit.

Und welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit mit einem externen Safety-Partner wie Leuze?

Matthias Bristle: Ich bin überzeugt, dass es in vielen Fällen effizienter ist, auf das Wissen von neutralen Safety-Experten zurückzugreifen, statt viel Zeit und Ressourcen aufzuwenden, um das erforderliche Fachwissen kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten. Unsere Fachleute bringen umfassendes Know-how zur aktuellen Normenlage, gesetzlichen Vorgaben und branchenspezifischen Herausforderungen ein. Das lässt sich dann normensicher umsetzen und in einer rechtssicheren Dokumentation festhalten. Wer Projektrisiken reduzieren, Stillstände minimieren und nachhaltige Sicherheit möchte, ist mit einem erfahrenen Partner wie Leuze gut beraten.

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