Digitale Plattformen als Epizentren von Industrie 4.0

Redakteur: Silvano Böni

Im Zug der Digitalisierung im Industrie­sektor dringen seit ein paar Jahren in rasch steigender Zahl digitale Platt­formen in den Markt, deren Menge an Transaktionen massiv zunimmt.

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(Bild: Adobe Stock)

Das Potenzial der sogenannten Platt­form­ökonomie ist riesig. Denn digitale Platt­formen können unlimitiert wachsen (Skalierbarkeit). Und je mehr Unternehmen darauf aktiv werden, desto grösser wird die Attraktivität der Plattform (Netzwerk­effekt). Das Prinzip von digitalen Plattformen ist einfach: Sie führen Anbieter und Abnehmer von Gütern und Services zusammen (Matchmaking).

In der Industrie sind zwei Plattformkategorien relevant: erstens digitale Marktplätze für den Handel von industriellen Gütern und zweitens digitale Plattformen, die Services zur Sammlung und Auswertung von Daten zur Verfügung stellen. Da solche Plattformen Maschinen und Anlagen miteinander vernetzen, folgen sie den Prinzipien des Internet of Things. Sie werden daher IoT-Plattformen genannt.

Vereinfachter Handel mitindustriellen Gütern

Unternehmen, die auf der B2B-Plattform «Wer liefert was» präsent sind, profitieren von einer optimalen Online-Sichtbarkeit. Es ist möglich, für die angebotenen indus­triellen Güter sowohl allgemeine Produktbezeichnungen und Produktkategorien als auch konkrete Einzelprodukte inklusive Produktinformationen, Produktbilder, Preisangaben, Lieferfristen und andere Detailinformationen zu hinterlegen. Komplexe Hightech-Lösungen lassen sich idealerweise mit Video- und 3D-Animationen visualisieren. Auf dem Unternehmensprofil gibt es die Möglichkeit zur direkten Kontakt­aufnahme (Erstanfrage). Über die Partnerplattform Europages kann das Profil in bis zu 26 Sprachen sowohl europaweit als auch in China, den USA und im Maghreb angezeigt werden. Durch effizientes Suchmaschinenmarketing wird es auch auf allgemeinen Suchmaschinen gefunden.

Plattform-Services für Maschinen­hersteller und Fabrikbetreiber

In Verbindung mit IoT-Technologie bieten digitale Plattformen die Möglichkeit, Ma­schinen und Anlagen zu vernetzen und digitale Services zu nutzen. Damit können neue Services günstiger und leichter eingesetzt werden. Im Industriebereich gibt es einerseits Plattform-Services, die sich an Hersteller von Industriemaschinen richten, und andererseits solche, die sich an die Fabrikbetreiber richten. Maschinenhersteller können aufgrund von Plattformdaten die Anforderungen der Maschinennutzer besser verstehen und ihr Angebot entsprechend anpassen. Services, die für einzelne Kunden entwickelt werden, sind überdies sofort auch für andere Nutzer verfügbar.

Typische Beispiele für IoT-Plattformen sind Axoom, Adamos und Mindsphere. Axoom wurde vom Maschinenbauer Trumpf gegründet. Die Plattform verwaltet die ­Produktion mit markeneigenen und -fremden Maschinen vom Auftragseingang über Materialbeschaffung und Produktion bis hin zur Logistik im und ausserhalb des Betriebs. ADAMOS (ADAptive Manufacturing Open Solutions) verbindet modernste IT-­Technologie und Branchenwissen. Sie versetzt Maschinenbauer in die Lage, ihren Kunden mit geringem Aufwand erprobte Lösungen für die digital vernetzte Produktion anzubieten. Mindsphere von Siemens soll als Cloud-Plattform zentraler Baustein von IoT-Betriebssystemen sein und es ermöglichen, Anlagen auf Basis von ­Produktionsdatenanalysen zu verbessern. Ausserdem dient die Plattform als Grundlage für Anwendungen und datenbasierte Services von Siemens und Drittanbietern, zum Beispiel für vorausschauende Wartung, Energiedaten-Management oder Ressour­cenoptimierung.

Plattformökonomie bringt Unternehmen unter Zugzwang

Digitale Plattformen sorgen in der Industrie für einen komplizierteren und dynamischeren Wettbewerb. Es ist daher von elementarer Bedeutung, dass Unternehmen eine individuelle Plattformstrategie entwickeln. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie Plattformen selbst aufbauen und betreiben. Für viele Unternehmen wird eine reine Nutzerrolle zunächst am sinnvollsten sein. Sie können zum Beispiel einen B2B-­Marktplatz wie «Wer liefert was» für den Handel von industriellen Gütern nutzen. Die Verlierer der digitalen Transformation werden jene sein, die zu lange auf ein tradi­tionelles Geschäftsmodell fokussiert sind und zu langsam auf die neuen Entwicklungen reagieren.

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