Patentiertes Bergaufwärtsfahren Meisterwerk der Konstruktion: Die Entwicklung des Skilifts

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler Lesedauer: 5 min

Der Skilift ist ein Meisterwerk der Konstruktion. In Davos nahm vor 99 Jahren der erste Bügel-Skilift weltweit den Betrieb auf. Aber es gab Vorgänger-Liftsysteme wie zum Beispiel die «Transporteinrichtung zum Ermöglichen des Bergaufwärtsfahrens mit Schlitten und Schneeschuhen» im Schwarzwald.

Für lungenkranke Kurgäste: Der erste Skilift wurde von einem Landwirt im Schwarzwald entwickelt und mit Wasserkraft angetrieben.
Für lungenkranke Kurgäste: Der erste Skilift wurde von einem Landwirt im Schwarzwald entwickelt und mit Wasserkraft angetrieben.
(Bild: gefunden auf: www.schwarzwald-tourismus.info/Gemeinde Eisenbach)

Der Märzwinter hat uns fest im Griff und traditionell endet die Wintersportzeit zu Ostern – Grund genug, einen Blick auf die Entwicklung von Skiliften zu werfen: Denn bevor der erste Bügel-Skilift vor 99 Jahren seinen Betrieb in Davos aufnahm, war Skifahren eine weit sportlichere Angelegenheit – schliesslich musste der Berg vor der Abfahrt erst mühsam erklommen werden. So hatten Skilehrer in Davos einmal errechnet, dass ihre Schüler pro Unterrichtsstunde gerade einmal sechs Minuten mit Skifahren verbrachten, die restlichen 54 Minuten stiegen sie den Berg wieder hinauf.

Lungenkranken den Aufstieg ersparen

Wenn auch der Lift in Davos als erster Bügel-Skilift der Welt bezeichnet wird, so gab es doch schon Vorgänger-Liftsysteme: Genau genommen wurde der erste Skilift im Schwarzwald entwickelt und in Betrieb genommen. Von einem Landwirt, der den Gästen seines Kurhauses im Schneckenhof, die häufig an Lungenerkrankungen litten, das Leben erleichtern wollte.

Schon vorher hatte Robert Winterhalder (Anmerkung der Redaktion: die Patentschrift 44626 lautet auf «Robert Winterhalde», auf der Website www.schwarzwaldfuehrer.de allerdings wird der Familienname mit Winterhalder angegeben) ein Seilzugsystem von seiner Mühle zum Hof gebaut, mit dem er den Transport von Getreide und Mehl dank Wasserkraft vereinfachte.

Für die Gäste seines Kurhauses tüftelte er dann an einem Zugseil für seinen Schlittenhügel, das er auch über das Mühlrad mit Wasserkraft betrieb. Am 14. Februar 1908 war es soweit – Robert Winterhalder nahm er seinen Lift in Betrieb: Die Tageskarte kostete 1 Mark und berechtigte zu 10 Fahrten und zur Benutzung eines Spezialrodels oder von Schneeschuhen.

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Wie der erste Skilift konstruiert war:

  • Auf der Achse des Wasserrades sass das Kammrad, das früher über zwei Kegelräder das zum Hang gelagerte Treibrad des Lifts bewegte.
  • Die Bergstation mit dem Läuferrad lag etwa 32 m höher und 280 m von der Talstation entfernt.
  • Um die beiden Räder spannte sich – über fünf Holzmasten geführt – ein Endlosseil, an dem mit Zangen die Aufzugsvorrichtungen für die Benutzer des Lifts festgeklemmt waren.
  • Die Zangen waren so ausgebildet, dass sie ein ununterbrochenes Umlaufen des Seiles gestatteten.
  • Um sich vom Lift ziehen zu lassen, hielten die Ski- und Schlittenfahrer sich an einem Handgriff aus Holz fest.

Winterhalder nannte seine Konstruktion «Transporteinrichtung zum Ermöglichen des Bergaufwärtsfahrens mit Schlitten und Schneeschuhen» und liess sie patentieren.

Transporteinrichtung zum Ermöglichen des Bergaufwärtsfahrens mit Schlitten und Schneeschuhen, gekennzeichnet durch ein längs einer Fahrbahn beweglich angeordnetes Transportseil und durch Zangen, deren eine durch ein Zugorgan verbundene Hebelarme durch eine Feder gegeneinander gezogen werden, so, dass die anderen, mit Klemmbacken zum Erfassen des Transportseiles versehenen Hebelarme das Seil zwischen sich festklemmen.

Auszug aus der Patentschrift 44626

Insgesamt hat er fünf Auslandspatente und drei «Reichsgebrauchsmuster» in den Jahren 1907 und 1909 eintragen lassen. 1910, zur internationalen Wintersportausstellung in Triberg, baute Winterhalder den ersten mit Eisenträgern versehenen und mit einem 15-PS-Elektromotor angetriebenen Lift, für den er vom Badischen Grossherzog mit der goldenen Ausstellungsmedaille ausgezeichnet wurde. Dieser Lift lief über eine Strecke von 550 m bei einem Höhenunterschied von 85 m. Er konnte 32 Personen gleichzeitig befördern.

Ungenügende Ausbildung lässt Winterhalders Pläne platzen

Ja, lieber Schneckenwirt, wir leben in einer Doktor-Zeit, von einem, der nicht Doktor ist, kann doch nichts Gutes kommen. Die von Gott gegebene Intelligenz oder die Praxis machens nicht, der Titel macht die Blinden sehend.

Karlsruher Hofrat

Ermutigt durch den Erfolg reiften in Robert Winterhalder Pläne, einen weiteren Skilift am Seebuck zu bauen (er fand keinen Interessenten) und einen kleineren Aufzug für Skispringer und Zuschauer an der Max-Egon-Schanze im Fahler Loch zu schaffen.

Doch es kam nicht soweit – ein Hofrat aus Karlsruhe nahm Robert Winterhalder alle Illusionen, in dem er feststellte: «Die ganze Sache ist gut, aber es fehlt der Hintergrund. Sie sollten Doktor, Ingenieur oder wenigstens Techniker sein. Ja, lieber Schneckenwirt, wir leben in einer Doktor-Zeit, von einem, der nicht Doktor ist, kann doch nichts Gutes kommen. Die von Gott gegebene Intelligenz oder die Praxis machens nicht, der Titel macht die Blinden sehend.»

Der Kriegsausbruch beendete den Pioniergeist und die unternehmerischen Erfindungsaktivitäten Robert Winterhalders gänzlich: Die Kurgäste blieben weg, die Eisenteile des Skilifts wurden für die Waffenproduktion eingeschmolzen, 1920 schliesslich baute Winterhalder auch die Holzmasten ab. Nach dem Krieg baute er den Lift nicht mehr auf, er stirbt 1932.

Wie es mit den Skiliften weiter ging

1908 wurde am Bödele in Vorarlberg ebenfalls eine liftartige Aufstiegshilfe in Betrieb genommen. Dabei handelte es sich im Prinzip um eine motorgetriebene Seilwinde, die einen Schlitten zog. Vorrichtungen dieser Art blieben besonders in der Schweiz noch einige Jahrzehnte in Gebrauch, ist zu lesen.

Beide Konzepte setzen sich letztlich nicht durch.

In Davos tüftelte ein skibegeisterter Ingenieur an einem effizienten, leicht benutzbaren Transportgerät. Der US-amerikanische Maschinenbauingenieur Ernst Gustav Constam aus Zürich meldete 1930 eine «Schleppseilbahn mit Seilgehängen für Skiläufer» zum Patent an. Es sollte aber noch vier Jahre dauern, bis sein Lift tatsächlich gebaut wurde. Der Hotelier Leonhard Fopp finanziert den Bau der Anlage durch die Leipziger Seilbahn-Fabrik Adolf Bleichert & Co auf seinem Hang am Bolgen in Davos. Am 23. Dezember 1934 wurde der Lift erstmals getestet, am nächsten Tag eröffnete er den Betrieb.

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  • Der Bolgen-Lift war der erste Bügellift der Welt.
  • Er war 270 m lang und überwand mit fünf Stützen eine Höhendifferenz von 60 m.
  • Angetrieben wurde er von einem 24 PS starken Elektromotor.
  • Seine Bügel waren anfangs J-förmig und konnten nur eine Person transportieren. Dennoch transportierte er bereits in der ersten Saison 70.000 Skifahrer.

Der Skilehrer Jack Ettinger machte schliesslich den Verbesserungsvorschlag, die J-Bügel durch T- oder Anker-förmige Bügel zu ersetzen, die zwei Personen gleichzeitig transportieren konnten. Constam setzte diesen Vorschlag sofort in die Tat um. So erhielt der Bügellift seine bis heute übliche Form.

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Es gab im Laufe der Zeit noch etliche weitere Ideen zu Schleppliften, etwa den Skilift mit einer keulenartigen Haltevorrichtung, den «Slalom-Skilift», einen leicht abbaubaren Skilift oder den «Rucksack mit Skilift». Aber letztlich hatte der T-Lift am Bolgen den unverändert gültigen Standard gesetzt.

Ernst Gustav Constam erhielt bald Aufträge für viele weitere Lifte in der Schweiz und im Alpenraum. 1940 ging er in die USA, wo er 80 Lifte gebaut haben soll. Constam meldete noch weitere Patente rund um Seilbahnen an, darunter das «Verfahren zum Betrieb einer Luftseilbahn für den Personentransport», die Grundlage des Ski-Sesselliftes, das bis heute weitgehend gleich geblieben ist.

Während er damit heute als Erfinder des modernen Skiliftsystems gilt, gerät Robert Winterhalder fast in Vergessenheit – obwohl bis heute Skilifte nach seinem Prinzip gebaut werden.

Quellen: www.schwarzwaldfuehrer.de, www.skilift-nostalgie.ch, www.dpma.de, www.hochschwarzwald.de

Dieser Artikel ist zuerst auf unserem Partnerportal der Konstruktionspraxis erschienen.

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