Interview mit Michael Staudinger, GF Endress+Hauser Schweiz

Digitalisierung ist eine Chance und Herausforderung zugleich.

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Informationen zum Global Forum

Das Endress+Hauser Global Forum 2026 (14-16. April 2026, Messe Basel) bringt internationale Entscheidungsträger/-innen der Prozessindustrie zusammen, um die Zukunft der Branche aktiv zu gestalten. Unter dem Motto «Driving sustainable transformation together» diskutiert Endress+Hauser gemeinsam mit Kunden und Partnern Strategien für den Umgang mit Unsicherheit, die Nutzung von Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil, zirkuläre Ansätze, den praxisnahen Einsatz von KI sowie die Bedeutung starker Partnerschaften. Inspirierende Keynotes und praxisorientierte Insight Sessions fördern Austausch, Vernetzung und konkrete Lösungsansätze. Das Global Forum wurde anlässlich des 70 jährigen Jubiläums von Endress+Hauser im Jahr 2023 ins Leben gerufen und findet 2026 bereits zum zweiten Mal statt.

Endress+Hauser entwickelt sich zum Serviceanbieter

Endress+Hauser entwickelt sich also auch zum Serviceanbieter?

M. Staudinger: Grosse Firmen können dem Fachkräftemangel ganz anders begegnen. Sie finden die Fachkräfte auf dem Markt und stellen sie ein. Aber ein KMU, das solch eine Fachkraft vielleicht nur 20 Prozent gebrauchen kann, hat diese Möglichkeiten nicht. Hier liegt unsere Chance. Wir können diesen Unternehmen unsere Expertise in einer Partnerschaft anbieten. Das ist für uns ein überproportionales Wachstumsfeld.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Implementierung von smarten Sensoren und vernetzten Geräten in komplexe Produktionsumgebungen?

M. Staudinger: Diese Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Auf dem Papier mag zwar alles immer sehr gut passen. Aber im Detail funktionieren die verschiedenen Geräte im Gesamtsystem nicht immer so, wie es der Betreiber einer Anlage möchte. Häufig fehlen die Standards, um ein Gerät wirklich problemlos in ein System zu integrieren. Ohne Harmonisierung entstehen Silos von Anlagenteilen, die zwar für sich allein sehr gut funktionieren, aber nicht im Gesamtsystem.

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Es braucht Spezialisten, die den Betreibern helfen, ihre Systeme zu harmonisieren. Auch dabei unterstützen wir unsere Kunden mit unserem Know-how. Langfristig versuchen wir, in den entsprechenden Gremien auf einheitliche Standards einzuwirken. Ziel ist es, dass die Messgeräte verschiedener Hersteller miteinander funktionieren.

Wie sehen Sie den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen auf die Optimierung von Mess- und Steuerungssystemen?

M. Staudinger: Hier sehe ich zwei Ebenen. Einmal direkt am Messgerät, wo es die KI schafft, viel höhere Datenvolumen zu analysieren und auch Optimierungsvorschläge zu bringen. Sie liefert die Entscheidungsbasis, ob ein Gerät beispielsweise ausgetauscht oder kalibriert werden muss. Viel Potential sehe ich auch auf der Prozessebene, auf der sehr grosse Datenmengen bewältigt werden müssen. Dabei geht es in Richtung Selbstoptimierung von ganzen Prozessen.

Welche Rolle spielt IT/OT-Konvergenz bei der Digitalisierung?

M. Staudinger: Unsere Feldgeräte werden immer mehr mit Intelligenz ausgerüstet. Sie sind mit einer Internet- oder Kommunikationsverbindung ausgestattet, die viel mehr Potenz hat, aber auch viel höhere Anforderungen an die Cybersecurity stellt. Niemand von aussen darf auf die Prozesse zugreifen können, um beispielsweise Messwerte abzugreifen oder zu manipulieren. Für uns bedeutet das, dass die Feldgeräte nicht nur mehr Daten liefern und intelligenter werden, sondern auch entsprechend höhere Anforderungen an die Datensicherheit erfüllen müssen.

Security ist ein wichtiger Aspekt, der durch die Digitalisierung eine neue Dimension erhält. Wie geht Endress+Hauser damit um?

M. Staudinger: Hier haben wir eine sehr grosse Verantwortung. Bestimmte Security-Aspekte müssen schon bei der Entwicklung der Messgeräte beachtet werden. Dafür gibt es spezielle Entwicklungsumgebungen. Ausserdem gestalten wir Normen für die einzelnen Prozessschritte mit unseren Cybersecurity-Experten mit. Aufgrund der langen Investitionszyklen ist es besonders wichtig, unsere Kunden schon frühzeitig auf allfällige Änderungen in Bezug auf Cybersecurity hinzuweisen. Ausserdem ermöglichen wir dem Kunden, mit Netilion ein cloudbasiertes Industrial-IoT-Ökosystem zu nutzen, welches besonders hohe Anforderungen an die Cybersecurity erfüllt. Die Kundendaten sind so einerseits geschützt, andererseits für den Kunden jederzeit verfügbar.

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