Interview mit Michael Staudinger, GF Endress+Hauser Schweiz

Digitalisierung ist eine Chance und Herausforderung zugleich.

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Ethernet-APL für effiziente Vernetzung

Ethernet-APL spielt eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung. Welche Vorteile bringt es für die Prozessindustrie?

M. Staudinger: Ethernet-APL ermöglicht es, ganze Anlagen sehr effizient zu vernetzen. Sämtliche Messgeräte sind daran angebunden. Die Daten können über weite Distanzen hinweg mit einer vernünftigen Kapazität zum Prozessleitsystem geleitet werden. Ausserdem erfüllt Ethernet-APL Anforderungen für Bereiche mit Explosionsgefahr. Für uns bedeutet das, neue Geräte anschlussfähig für Ethernet-APL zu entwickeln. Ausserdem müssen die Geräte für den Einbau in bestehende Anlagen auch eine gewisse Rückwärtskompatibilität gewährleisten.

In der Prozessindustrie besteht ein riesiges Potential für mehr Nachhaltigkeit. Endress+Hauser sieht sich als Vorreiter bei der Dekarbonisierung. Was sind die wichtigsten Ansatzpunkte?

M. Staudinger: Ob wir jetzt wirklich Vorreiter sind, weiss ich nicht. Aber wir spielen in der Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. In der Prozessindustrie geht Nachhaltigkeit sehr stark mit dem Ressourcenverbrauch zusammen.

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Um effizient mit Ressourcen umzugehen, muss eine Transparenz in Form von Messungen geschaffen werden. Ausserdem gibt es Medien wie z.B. Wasser, die nicht direkt für ein Produkt gebraucht werden, aber für den Prozess wichtig sind. Wir wollen mit unseren Produkten dazu beitragen, den Wasserverbrauch zu reduzieren und auch die Wiederaufbereitung zu optimieren.

Mit welchen Lösungen kann Endress+Hauser die Kunden bei mehr Nachhaltigkeit unterstützen?

M. Staudinger: Für viele unserer Kunden ist beispielsweise der Wasserverbrauch ein Nebenprozess. Die Unternehmen haben häufig nicht das Geld und vor allem nicht die Ressourcen sich damit zu beschäftigen. Sie sind froh, wenn sie von Partnern wie Endress+Hauser unterstützt werden. Ausserdem ermöglichen unsere Lösung mehr Transparenz. Beispielsweise kam ein Kunde von uns in den Verdacht, für ein Forellensterben in der benachbarten Zuchtanlage verantwortlich zu sein. Aufgrund der Messungen konnte er nachweisen, dass sein Abwasser nicht über die Norm verschmutzt war. Wir liefern nicht nur eine einfache Anlage zur Wasseraufbereitung, sondern ein ganzes System mit regelmässigen Messdaten. Auf Knopfdruck konnte der Kunde aufzeigen, dass das Wasser, das er wieder in den Kreislauf zugeführt hat, die Vorschriften erfüllt hat.

Wie wichtig ist für die Entwicklung innovativer Lösungen die Zusammenarbeit mit anderen Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen?

M. Staudinger: Wir sind stetig im Kontakt zu Firmen, die neue Technologien haben. Das führt auch immer wieder zu Akquisitionen. Ziel ist es, neue Technologien an den Markt zu bringen. Dazu kommen Kooperationen mit Hochschulen oder anderen Organisationen, mit denen wir Projekte lancieren. So versuchen wir, neue Technologien zu entwickeln und diese in unsere Produkte einfliessen zu lassen. Auf unserem Global Forum im April in Basel werden wir beispielsweise die verschiedenen Partner und Kunden zum Thema Nachhaltigkeit und Digitale Transformation zusammenbringen.

Welche Partnerschaften sind für Endress+Hauser von strategischer Bedeutung?

M. Staudinger: Ein Beispiel dafür ist die strategische Partnerschaft mit Sick. Uns haben im Bereich Gasmessung Produkte und Technologien gefehlt. Die Sick-Produkte passen perfekt in unser Portfolio. Hinzu kommen Allianzen, bei denen es darum geht, neue Standarte zu schaffen, wie z.B. bei Ethernet APL. Das sind Partnerschaften bei denen sowohl Kunden als auch Mitbewerber dabei sind. Ausserdem haben wir Kooperationen mit Hochschulen, um neueste Technologien zu entwickeln.

In unserem Innovation Hub in Freiburg sind Tochterunternehmen aus dem universitären Umfeld angesiedelt, die alle Freiheiten zur Forschung haben ohne Zwang für sofortige Rentabilität. Eine weitere Kooperation besteht mit der Eawag, Wasserforschungsinstitut der ETH. Wir stellen der Eawag Messgeräte zur Verfügung, wenn sie neue Verfahren entwickeln und analysieren, wie das Wasser aufbereitet werden kann. Hinzu kommen viele Partnerschaften mit Kunden, die wir mit unseren Messgeräten bei der Entwicklung neuer Prozesse oder Anlagen unterstützen.

Was sind Ihrer Meinung nach die grössten technologischen Innovationsfelder für Endress+Hauser in den nächsten Jahren?

M. Staudinger: Wir kommen aus der Messung physikalischer Grössen und der chemischen Analyse. Die neuesten Innovationsfelder werden das Gebiet biologischer Messungen betreffen. Ziel ist es, bestimmte Parameter Online in kurzer Zeit und ohne in den Prozess einzugreifen zu ermitteln. Klassischerweise wird bei biologischen Messungen die Substanz entnommen und es dauert mehrere Tage, bis das Messergebnis feststeht. Und natürlich die Digitalisierung mit allem, was dazugehört.

Wie wird sich die Prozessindustrie in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Rolle wird Endress+Hauser dabei spielen?

M. Staudinger: Ich sehe drei grosse Trends speziell für den Schweizer Markt. Einerseits ist es die Digitalisierung. Auf diesem Gebiet ist technisch heute schon viel mehr möglich als in der Realität eingesetzt wird. Ein riesiges Potential besteht in der Digitalisierung von bestehenden Anlagen. Das zweite Thema ist die Nachhaltigkeit. Dabei geht es nicht nur um den Umweltschutz, sondern auch um Kosten, die mit entsprechender Ressourceneinsparung teilweise im grossen Massstab verringert werden können. Der dritte sehr wichtige Trend ist das Thema Fach- und Arbeitskräftemangel, bei dem wir unsere Kunden mit unseren Dienstleistungen unterstützen wollen.

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