Die Trennung von IT und OT wird zunehmend zum Geschäftsrisiko: Sie erhöht die Angriffsfläche, begünstigt ineffiziente Betriebsmodelle und bremst datengetriebene Innovation. Wer IT/OT-Konvergenz nicht aktiv führt, riskiert Betriebsausfälle, steigende Kosten und einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
Michael M. Nussbaumer, M8 GmbH.
(Bild: M8 GmbH)
Die Annäherung der traditionell getrennten Bereiche IT und OT schreitet im Zeitalter der digitalen Transformation voran und zieht unterschiedliche Konsequenzen und Bedürfnisse nach sich. Das Thema der Konvergenz, das auf technischer Ebene zunehmend diskutiert und analysiert wird, wird indes aus der strategischen Perspektive der Unternehmensführung noch oft – mehr oder weniger gänzlich – vernachlässigt.
Historisch gesehen lassen sich die Gebiete IT und OT klar abgrenzen und haben jeweils eigene Anforderungen. Lebenserhaltende Maschinen im Gesundheitsbereich oder Fertigungsanlagen eines Unternehmens in einem wirtschaftlich umkämpften Umfeld müssen effizient und zuverlässig operieren. Ein Ausfall wäre fatal. Dagegen ist man in der IT auf Lösungen angewiesen, die sich anpassen und eine Antwort auf den digitalen und sicherheitstechnischen Wandel liefern. Stillstand wäre fatal.
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In der heutigen Welt kristallisieren sich aber immer mehr Vorteile einer Annäherung von IT und OT heraus. Konvergenz – vom lateinischen convergere, «sich hinneigen» – schafft neue Möglichkeiten. Man profitiert beispielsweise von Maschinen, die in der Lage sind, ihren Zustand selbstständig zu überwachen und potenzielle Ausfälle vorherzusehen, etwa im Bereich Predictive Maintenance. Auch die Möglichkeit, operative Maschinen per Fernwartung zu steuern, bietet einen – je nach Betrieb unterschiedlich starken – Mehrwert. Auf der anderen Seite benötigt die IT die in der OT gesammelten Daten, um aussagekräftigere Leistungskennzahlen, sogenannte KPIs, zu generieren und Prozesse übergreifend zu steuern.
CIO für Expertise im Bereich der IT/OT-Konvergenz benötigt
Gerade wenn man sich vor Augen hält, dass in Zukunft noch mehr Potenziale und Vorteile zu erwarten sind – unter anderem im Zusammenhang mit KI –, wird eine Art Kulturpessimismus im Sinne einer Ignoranz gegenüber der fortschreitenden und zukunftsweisenden Konvergenz zunehmend unverantwortlich. Genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Es muss eine Unternehmenskultur geschaffen werden, in der man sich der Konvergenz und ihrer Implikationen bewusst ist. Dies muss zwingend auf oberster Organisationsebene verankert sein und erfordert eine Führung, die den kulturellen Wandel aktiv gestaltet. Im ersten Schritt braucht es dafür ein fundiertes Verständnis der Ausgangslage; im zweiten Schritt ist fachliche Expertise im Bereich der IT/OT-Konvergenz erforderlich – und genau hierfür braucht es einen CIO.
Die Abbildung zu diesem Beitrag trägt den Titel «IT-Canvas im OT-Umfeld» und soll als visuelle Strukturierungshilfe das Ausmass und die Komplexität der Konvergenz für ein Unternehmen im Bereich IT/OT darstellen. Die Abbildung zeigt neben den operativen und strategischen Aufgaben einer Unternehmens-IT beispielsweise auch die Abhängigkeit von Regulatorien, etwa dem Datenschutzgesetz oder dem EU Cyber Resilience Act, sowie strategische Umfeldveränderungen, etwa die Überalterung der Mitarbeitenden oder den human-centred Workplace. Neben der bereits erwähnten Führungskultur und strategischen Ausrichtung sind hier auch die Kunden aufgelistet. Deren Bedürfnisse und Herausforderungen müssen verstanden werden, um sie für das Thema begeistern zu können, indem sie wiederum einen Überblick und ein Verständnis der Gesamtsituation erhalten.
IT sollte nicht als reiner Kostenpunkt, sondern vielmehr als Investition in die Zukunft im Sinne digitaler Wettbewerbsvorteile und der Risikoverminderung verstanden werden. Gleichzeitig braucht es ein Verständnis dafür, dass der Umfang und die Möglichkeiten der Lösungen für Kunden immer komplexer werden und weiter reichen, der Preis dabei aber nicht linear mitsteigt. Tendenziell erhält man also immer mehr Leistung zu einem niedrigeren Preis.
Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, ob IT/OT-Konvergenz gestaltet werden muss, sondern auch, woher die dafür notwendige Führungskompetenz kommt. Wissen, Erfahrung und Change Management können überdies auf mehrere Arten ins Unternehmen einfliessen. Neben der klassischen Besetzung oder Schaffung einer Stelle innerhalb der Organisation könnte beispielsweise auch auf externe Ressourcen zugegriffen und ein CIO – Chief Information Officer – auf Mandatsbasis, ein CIO as a Service, engagiert werden. Ein solcher Ansatz eignet sich insbesondere für Aufbauphasen, Reorganisationen sowie Krisen- und Change-Situ- ationen. Ein CIO auf Mandatsbasis kann in solchen Phasen Orientierung schaffen, Prioritäten setzen und das Unternehmen durch anspruchsvolle Übergänge führen. Gerade die externe Perspektive ist dabei ein Vorteil: Sie ermöglicht einen unabhängigen Blick auf Strukturen, Entscheidungswege und Zielkonflikte, ohne in bestehende interne Dynamiken eingebunden zu sein.
Stand: 08.12.2025
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Dem angesprochenen Canvas liegen weitere, teils sehr unterschiedliche Überlegungen zugrunde. Er ist nicht als abgeschlossenes Modell zu verstehen, sondern als Ansatz, Erfahrungen und Handlungsfelder in einem Umfeld abzubilden, das einem starken Wandel unterliegt. Die Konvergenz von IT und OT zeigt dabei besonders deutlich, weshalb Reflexion, Sensibilisierung und ein gemeinsames Verständnis auf Führungsebene notwendig sind.