Interview zur all about automation 2026 in Zürich Zukunft der Automation: Lösungen und konkrete Anwendungen

Von Anne Richter 8 min Lesedauer

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Am 26.+27. August 2026 wird die all about automation in Zürich bereits zum dritten Mal stattfinden. Chefredaktorin Anne Richter hat Tanja Waglöhner, Messeleiterin der all about automation und COO bei Easyfairs in der DACH-Region und René Brugger, Präsident SwissT.net, interviewt und über die Positionierung der Messe gesprochen.

René Brugger, Präsident SwissT.net: «. Unternehmen suchen nicht einfach nach 'mehr Technik', sondern nach Lösungen, die Kosten senken, Prozesse stabilisieren, Qualität sichern und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Automation ist dabei kein Luxus, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.»(Bild:  SwissT.net)
René Brugger, Präsident SwissT.net: «. Unternehmen suchen nicht einfach nach 'mehr Technik', sondern nach Lösungen, die Kosten senken, Prozesse stabilisieren, Qualität sichern und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Automation ist dabei kein Luxus, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.»
(Bild: SwissT.net)

at - aktuelle technik: Die all about automation Zürich 2026 geht bereits in die dritte Runde. Wie hat sich die Messe seit der Premiere entwickelt?

Tanja Waglöhner: Die Entwicklung ist sehr dynamisch. Wir sind 2022 mit 97 Ausstellern gestartet, 2024 waren es bereits 186 – und für 2026 erwarten wir rund 230 Aussteller. Gemeinsam mit der parallel stattfindenden maintenance liegen wir damit bei gut 280 Ausstellern. Die Messe wird als kompakte, effiziente Plattform wahrgenommen, auf der man schnell ins Gespräch kommt und konkrete Lösungen diskutieren kann. Genau dieser Fokus auf Austausch und Praxisnähe wird von Ausstellern und Besuchern sehr geschätzt.

Wie gelang es, diese zusätzlichen Aussteller zu gewinnen und welche neuen Branchen bzw. Unternehmen werden vertreten sein?

T. Waglöhner: Das all about automation Team arbeitet kontinuierlich mit und für die Automatisierungsbranche. Dadurch sind wir nah an den Themen der Aussteller, verstehen ihre Anforderungen sehr gut und können die Messe gezielt weiterentwickeln. Die Aussteller treffen hier auf ein sehr passendes Fachpublikum und führen in kurzer Zeit viele relevante Gespräche. Inhaltlich wachsen wir auf der gesamten Breite: von Komponentenherstellern über Systemintegratoren bis hin zu Engineering-Dienstleistern. Besonders stark wächst aktuell der Bereich rund um Robotik, industrielle Software und digitale Lösungen im Automationsumfeld. Einige grosse Namen sind erstmals in Zürich mit dabei: Bosch Rexroth, Beckhoff, Endress + Hausser, Festo, Hiwin, Lenze und Mitsubishi Electric beispielsweise.

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Welche Themen und Inhalte werden in diesem Jahr im Zentrum stehen?

T. Waglöhner: Auf der all about automation geht es darum, die Zukunft der Automation zu gestalten – aber immer auf Basis von Lösungen, die heute bereits verfügbar und einsetzbar sind. Die Messe zeigt sehr konkret, wie Unternehmen Automatisierung, Robotik und Digitalisierung in ihren Maschinen und Anlagen umsetzen – mit klarem Fokus auf Anwendungen, Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit.

René Brugger: Künstliche Intelligenz in der Automatisierung wird zweifellos ein zentrales Thema sein. Dabei geht es nicht um KI als Schlagwort, sondern um konkrete Anwendungen: domänenspezifische KI, Machine-Learning-nahe Ansätze, intelligente Sensor-Aktor-Kombinationen und nachvollziehbare Use Cases aus der industriellen Praxis. Ein weiterer Punkt ist die Erstellung von Programmcode. Auch das zieht Schritt für Schritt in die Automatisierungsbranche ein. Nicht als Ersatz für Engineering-Kompetenz, sondern als zusätzliches Werkzeug, das Geschwindigkeit, Qualität und Variantenfähigkeit verbessern kann. Daneben werden Themen wie die Virtualisierung von Steuerungen, Edge- und Cloud-Architekturen sowie die Verlagerung einzelner Funktionalitäten in Cloud-Umgebungen wichtiger. Entscheidend bleibt aber: Die Branche interessiert sich nicht für schöne Zukunftsfolien, sondern für Lösungen, die technisch belastbar, wirtschaftlich sinnvoll und im industriellen Umfeld einsetzbar sind.

Der Fachkräftemangel ist eine der grössten Herausforderungen für die Industriebranche. Inwieweit adressiert die all about automation dieses Thema?

R. Brugger: Beim Fachkräftemangel gibt es aktuell zwei Sichten. Erstens zeigt die all about automation dem Nachwuchs und auch Quereinsteigern, wie spannend unsere Branchen tatsächlich sind. Automation, Robotik, industrielle Kommunikation und Digitalisierung sind technologisch anspruchsvoll, sehr konkret und gesellschaftlich relevant. Zum Glück spüren wir langsam eine Trendwende: Die Berufsbilder der Industrie erhalten wieder mehr Aufmerksamkeit. Das hat auch mit aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen zu tun. Zweitens stehen viele Unternehmen derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Der Fachkräftemangel steht deshalb nicht durchgehend an erster Stelle der Sorgenliste. Aber genau hier setzt die all about automation an: Sie zeigt umsetzbare Innovationen, mit denen Unternehmen dem Wettbewerbsdruck begegnen können. Nicht mit theoretischen Konzepten, sondern mit typisch schweizerischer, pragmatischer Innovation, die Wirkung im Betrieb entfalten kann.

Die Schweiz gilt als Hochlohnland mit besonders starken Innovationsdruck. Wie zeigt sich das auf der all about automation?

R. Brugger: Die hohen Löhne in der Schweiz gehen einher mit einer hohen Qualität, die auf den Weltmärkten nach wie vor geschätzt wird. Das ist ein bekanntes, manchmal etwas unbequemes Standardthema. Begegnen können wir diesem Druck nur mit Produktivitätssteigerungen, hoher Spezialisierung und klaren Nischenvorteilen. Aktuell kommen jedoch weitere Faktoren hinzu, die vielen Unternehmen mehr Sorgen bereiten: ein starker Franken, der sich deutlich von der Kaufkraftparität entfernt zu haben scheint, globale Krisen, instabile Lieferketten und ungeklärte oder erschwerte Rahmenbedingungen mit wichtigen Absatzmärkten. Auf der all about automation zeigt sich dieser Innovationsdruck sehr konkret. Unternehmen suchen nicht einfach nach «mehr Technik», sondern nach Lösungen, die Kosten senken, Prozesse stabilisieren, Qualität sichern und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Automation ist dabei kein Luxus, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Die all about automation zeichnet sich durch ein starkes Vortragsprogramm aus. Was ist in diesem Jahr geplant?

T. Waglöhner: Das Vortragsprogramm bauen wir in diesem Jahr nochmals deutlich aus. Wir haben zwei Votragsflächen – die Talk Lounges – auf der all about automation und eine Bühne auf der maintenance. Ein Teil der Vorträge kommt direkt von den Ausstellern und zeigt konkrete Anwendungen und Lösungen aus der Praxis. Ergänzt wird das durch ein kuratiertes Programm von SwissT.net mit neutralen Überblicksvorträgen und Einordnungen zu zentralen Technologiethemen. Inhaltlich decken wir die relevanten Themen der Branche ab – von Robotik über industrielle Kommunikation bis hin zu KI, IIoT und Retrofit. Wichtig ist uns dabei immer der Praxisbezug.

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Messen entwickeln sich ständig weiter. Was wird in diesem Jahr neu für die Besucher sein?

T. Waglöhner: Wir entwickeln die Messe kontinuierlich weiter, ohne das Grundprinzip zu verändern. Die Stärke der all about automation liegt genau in ihrer Klarheit und Einfachheit. Neu ist vor allem der weitere Ausbau der Inhalte – insbesondere durch das erweiterte Vortragsprogramm und die stärkere inhaltliche Einbindung von SwissT.net. Für Besucher bedeutet das noch mehr Orientierung und noch mehr konkrete Anwendungsbeispiele. Ein wichtiger Bestandteil ist zudem die Messe-App, die wir 2024 eingeführt haben und die sich inzwischen zu einem zentralen Begleiter für den Messebesuch entwickelt hat. Sie ermöglicht bereits im Vorfeld ein gezieltes Matchmaking sowie die Vereinbarung von Terminen – sowohl zwischen Besuchern und Ausstellern als auch unter den Besuchern selbst. Damit wird die Messe nicht nur vor Ort effizienter, sondern beginnt für viele Teilnehmer bereits deutlich vor dem eigentlichen Veranstaltungstermin.

Welche Rolle spielen Kooperationen mit Verbänden, speziell mit SwissT.net dem Schweizer Technologie-Netzwerk?

T. Waglöhner: Kooperationen sind ein zentraler Bestandteil unseres Messekonzepts. Mit SwissT.net haben wir einen starken Kompetenzpartner, der die Branche perfekt kennt und gestaltet. Das bringt zusätzliche fachliche Tiefe in die Messe – sowohl in der Ausstellung als auch im Vortragsprogramm.

R. Brugger: Aus Sicht von SwissT.net ist die Zusammenarbeit mit der Organisatorin der all about automation echt stark. Danke an das AAA-Team! Gemeinsam schaffen wir eine Veranstaltung, die den Bedürfnissen des Marktes entspricht und nicht an der Branche vorbeiplant. Besonders positiv ist, wie gut der gegenseitige Einbezug funktioniert. Easyfairs bringt die Messekompetenz, SwissT.net bringt die Nähe zur Technologiebranche, zu den Unternehmen und zu den relevanten Fachthemen. Diese Kombination macht die Veranstaltung fachlich stärker und für Besucher wie Aussteller relevanter. Oder etwas direkter gesagt: Exzellenz entsteht nicht im Alleingang. Sie entsteht dort, wo die richtigen Partner vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Wohin entwickelt sich die Automatisierungs-Branche in der Schweiz? Wie entwickelt sich der Markt?

R. Brugger: Der Markt wird weiter globaler. Nicht nur, weil Virtualisierung und Cloud-Dienste – von einem noch eher tiefen Niveau aus – langsam klassische Vor-Ort-Infrastrukturen ergänzen oder teilweise ablösen. Sondern auch, weil immer mehr generische Automatisierungslösungen eingesetzt werden können. Gleichzeitig verändert sich die klassische Automatisierungspyramide. Sie wird niedriger, weil Geräte auf der unteren Ebene intelligenter werden und zunehmend Funktionen übernehmen, die früher höheren Systemebenen vorbehalten waren. Sensoren, Aktoren, Steuerungen und Software wachsen funktional stärker zusammen. Die Hardware verliert nicht ihre Bedeutung, aber sie wird stärker durch Software, Daten und Konnektivität ergänzt. Für die Schweiz heisst das: Chancen entstehen dort, wo Unternehmen ihre Engineering-Kompetenz mit hoher Qualität, Spezialisierung und international anschlussfähigen Lösungen verbinden. Der Markt wird anspruchsvoller, aber für gute Anbieter keineswegs uninteressanter.

Welche Rolle spielen dabei Messen und Live-Events?

T. Waglöhner: Auch in einer zunehmend digitalen Welt behalten persönliche Begegnungen ihre Bedeutung. Messen bieten die Möglichkeit, Produkte direkt zu sehen, Lösungsansätze zu vergleichen und im Gespräch zu bewerten. Genau das ist in der Automatisierung entscheidend, weil es oft um komplexe Anwendungen und konkrete Projekte geht. Ein Messebesuch ist planbar – und gleichzeitig voller unerwarteter Impulse. Man kommt gezielt, um Lösungen zu finden, und entdeckt oft genau die Ansätze und Kontakte, die man vorher nicht auf dem Radar hatte. Genau das macht den besonderen Wert von Live-Events aus.

R. Brugger: Seit der Coronakrise erholt sich die Messebranche in unseren Bereichen eher langsam auch weil wir seither auf einem Pfad von globalen Herausforderungen geblieben sind. In der Diskussion wird die klassische Messe deshalb oft grundsätzlich infrage gestellt, was vor diesem Hintergrund falsch ist. Würden wir alle Messen abschaffen, würden sie ziemlich schnell wieder erfunden. Der persönliche Austausch, das direkte Erleben von Lösungen und das ungeplante Gespräch immens wichtig. Es geht hier oft um komplexe Anwendungen, technische Details und ganz wichtig: um das Vertrauen zwischen Menschen. Da braucht es das Gespräch von Angesicht zu Angesicht und davon gleich viele, wie eben an der AAA. Gleichzeitig dürfen sich Messen gerne Schritt um Schritt neu erfinden. Es braucht neue Formate, digitale Ergänzungen und Kommunikationsformen, die auch für den Nachwuchs attraktiv sind. Darum ist es eine Daueraufgabe, dranzubleiben, zu erneuern und manchmal auch etwas frecher zu sein als bisher.

Parallel zur all about automation findet erneut die maintenance Schweiz statt, Leitmesse für industrielle Instandhaltung. Welche Synergien entstehen durch die Parallelveranstaltung beider Messen?

T. Waglöhner: Die beiden Messen ergänzen sich sehr gut, weil sie unterschiedliche Perspektiven auf industrielle Prozesse abdecken. Die all about automation zeigt Lösungen für Automation, Robotik und Digitalisierung, während die maintenance den Fokus auf Instandhaltung legt. Die Verbindung entsteht dort, wo Daten aus der Automatisierung genutzt werden, um Anlagen effizient zu betreiben und zu warten – beispielsweise bei Themen wie Predictive Maintenance.

Wie profitieren Aussteller und Besucher konkret davon?

T. Waglöhner: Besucher erhalten einen deutlich breiteren Überblick, ohne zusätzliche Wege oder Zeitaufwand. Aussteller profitieren davon, dass angrenzende Zielgruppen vor Ort sind – das führt oft zu zusätzlichen Kontakten und neuen Projekten.

Können Sie zum Abschluss noch einmal zusammenfassen, warum Besucher die all about automation und die maintenance auf keinen Fall verpassen sollten?

T. Waglöhner: Weil Ende August in Zürich die ausstellerstärkste Plattform für Automatisierung in der Schweiz stattfindet – ergänzt um die Instandhaltungsthemen der maintenance. Automatisierung und Robotik sind zentrale Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, und Besucher erhalten hier in kurzer Zeit einen kompakten Überblick, konkrete Lösungen für ihre Anwendungen und die richtigen Ansprechpartner für ihre Projekte – in einer angenehmen Messeatmosphäre mit kurzen Wegen und viel Raum für persönlichen Austausch.

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