Roboeatz revolutioniert die Gastronomie Autonomous Robotic Kitchen: In dieser Küche kocht ein Roboter

Von Silvano Böni

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Das kanadische Start-up-Unternehmen Roboeatz hat eine Küche entwickelt, in der einzig und allein der Roboter kocht – ganz unterschiedliche Gerichte, aus frischen Zutaten, in sehr kurzer Zeit. Bei der Entwicklung und beim «Scale-up» in die Serienproduktion machen die Entwickler umfassenden Gebrauch von schmier- und wartungsfreien Igus-­Komponenten.

Hier werkt der Roboter: Bei Roboeatz übernimmt ein Roboter die Kochaufgaben.
Hier werkt der Roboter: Bei Roboeatz übernimmt ein Roboter die Kochaufgaben.
(Bild: Igus )

Können Roboter eine Mahlzeit zubereiten? Spontan sind Zweifel angebracht. Schliesslich sind viele sehr unterschiedliche Einzelschritte wie Schneiden, Garen, Abwiegen, Mischen, Braten und Erhitzen erforderlich, um zum Beispiel ein einfaches Nudelgericht herzustellen. Die Gründer des Start-ups Roboeatz hat das nicht abgeschreckt. Im Jahr 2019 haben sie sich an die Arbeit gemacht und die «Autonomous Robotic Kitchen» (ARK) entwickelt. Die ARK kann nicht nur eine, sondern ganz viele verschiedene kalte und warme Mahlzeiten zubereiten, innerhalb kürzester Zeit und in stets gleichbleibender Qualität. Konstantins Korchomkins und Janis Poruks wussten, was sie taten, denn sie
leiteten gemeinsam zehn Jahre lang eine Restaurant­kette in Lettland. Poruks hat zudem einen technischen Background, und Korchom­kins leitete parallel ein Unternehmen, das Engineeringdienstleistungen für die Luftfahrt erbringt. Sie wussten auch, warum sie es taten. Janis Poruks: «Man findet einfach kein Personal, das in der Gastronomie arbeiten möchte. Und die Qualität der zubereiteten Speisen ist oft uneinheitlich. Das ist unter anderem in der Systemgastronomie nicht akzeptabel. Ausserdem wollten wir sicherstellen, dass grundsätzlich frische Produkte verwendet werden.»

Künstliche Intelligenz gepaart mit menschlicher Expertise

Wie funktioniert die Roboterküche? Mitten in der «Küchenzelle» steht ein Industrieroboter. An zwei Innenwänden sind 50 Behälter für feste und 30 für flüssige Kochzutaten installiert. An der dritten Wand befinden sich die Arbeitsgeräte wie Kochtöpfe und Mixer. Wenn der Roboter kocht, greift er zunächst einen der Behälter und füllt durch Kippen eine abgewogene Menge in das Arbeitsgerät. Das kann er beliebig wiederholen und dabei jede Zutat frisch und individuell vorbereiten – ohne die Zutaten zu berühren, weil der Greifer nur die Behälter handhabt. Am Ende werden die zubereiteten Ingredienzen zusammengefügt, bereitgestellt und bei Bedarf noch manuell garniert. Diese Idee, inzwischen durch Prototypen erprobt, trifft offenbar den Nerv der Zeit und die Bedürfnisse des Marktes. Als Zielmärkte sehen die Gründer weniger das Restaurant um die Ecke als vielmehr die Systemgastronomie, Kantinen in Betrieben und Krankenhäusern sowie innovative Gastrobetriebe an öffentlichen Plätzen wie Flughäfen. Und auch wenn die Roboterzelle künstliche Intelligenz nutzt, bauen die Entwickler bei den Rezepten auf menschliche Expertise. Konstantins Korchomkins: «Bei den Rezepten hat der Gastronom freie Hand. Wir liefern die Bedienoberfläche, auf der er per Drag and Drop die Rezeptur und Zubereitungsdaten wie Kochzeit und -temperatur festlegt.» Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, das Spektrum reicht von Salaten, Suppen und Pasta bis zu vegetarischen und fleischhaltigen Gerichten. Pro Stunde kann die Zelle bis zu 70 Essen fertigstellen, sich selbsttätig reinigen und die Inhalte der Behälter mit den Zutaten nachfüllen.

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Vom Prototyp in die Serie – mit dem Igus-Konstruktionsbaukasten

Für den ersten Prototyp liess Janis Poruks viele der von ihm konstruierten Bauteile als Einzelteil im 3D-Druck anfertigen. Zur Vorbereitung der Serienproduktion wählte er aber parallel dazu schon ein Bauteil aus dem Igus-Konstruktionsbaukasten aus. Dabei konnten die Entwickler auf die langjährige Robotik- und Automatisierungsexpertise von Igus zurückgreifen. So betreibt der Motion-­Plastics-Spezialist in Köln unter anderem eine eigene Low-cost-Automation-Abteilung, die sich auf diese Projekte konzentriert und sie umsetzt. Kunden können dabei je nach Wunsch fertige Systeme oder einzelne Robotikkomponenten erhalten. Da sich in der Roboterzelle vieles bewegt und vieles gelagert wird, kommt bei Roboeatz eine hohe Anzahl dieser Motion Plastics zum Einsatz: «Wir bedienen uns aus vielen Igus-Produktbereichen: Gleitlager, Lineartechnik, Drehgelenke und Energieketten.» Der Kunde hat die Wahl, einzelne Komponenten oder fertige Systeme direkt aus einer Hand zu beziehen. So sorgt bei einem Drehwinkel von 360° in der ersten Achse des Roboters eine RBR-Energieführung für die Energie- und Signalversorgung. Schmier- und wartungsfreie Igubal-Flansch­lager und Gelenkköpfe sind für die Schwenkbewegung des Woks und der Zutatenboxen zuständig und ermöglichen dabei einen Fluchtungsausgleich. Iglidur-MCM-Clipslager dienen zudem als Wellenführung in Blechverbindungen. Die Linearbewegungen der einzelnen Achsen, beispielsweise an den Behältern, werden mit Drylin-Lineartechnik ausgeführt. Beim Greifer – einer hoch beanspruchten Komponente – gewährleisten Drylin-SLW-Linearmodule ein sicheres Funktionieren. Mittels gegenläufiger Spindel fährt der Greifarm auf und zu. Und am Roboterarm ist schliesslich eine dreidimensional bewegliche Triflex-Energiekette mit Rückzugssystem montiert.

Gute Gründe für die Zusammenarbeit

Warum Janis Poruks auf Igus setzt, hat nicht nur einen Grund: «Die Lager- und Antriebskomponenten sind schmiermittelfrei – das ist ein zentrales Kriterium in der Lebensmittelverarbeitung. Sie sind sehr haltbar, und ihre Lebensdauer kann man online be­rechnen. Wichtig ist uns auch, mit einem weltweit präsenten Zulieferer zusammenzuar­beiten. Schliesslich sollen unsere Roboter­küchen international eingesetzt werden.» Auch die Kostenersparnis ist ein Thema: «Unser Markt ist nicht die Industrie, sondern die Gastronomie, und die ist preissensibel.» Ein weiteres Kriterium ist die Skalierbarkeit: «Wenn wir – was wir hoffen – demnächst 1000 oder 10 000 Roboter pro Jahr verkaufen, können wir das mit Igus-Serienteilen gut abdecken.» Ausserdem verfolgen die Robo­eatz-­Gründer die Strategie, die Anzahl der Zulieferer möglichst gering zu halten, und sie haben Igus sowie den lettischen Igus-Partner Techvitas als verlässlich und sehr kompetent erlebt. Und bei einem Start-up zählt immer auch die Dynamik: «Die Lieferzeiten sind kurz – so soll es sein. Auch Musterteile bekommen wir schnell und unkompliziert.» Nach dem Bau mehrerer Prototypen, zweijähriger Erprobung, kontinuierlicher Verbesserung und ersten Testläufen in Restaurants wurde bereits die erste «Roboterküche» in Betrieb genommen. Ziel ist der Anlauf der Serienproduktion im zweiten Quartal 2022. Letzten Endes wird auch der «Return on invest» über den Markterfolg entscheiden. Janis Poruks: «Ganz klar: Das System muss sich für den Gastronomen rechnen. Wir kalkulieren mit einem Amortisationszeitraum von zwei bis drei Jahren.» Das Interesse aus der Gastronomie ist jedenfalls schon jetzt gross. Konstantins Korchomkins: «Wir sind überzeugt: Das ist die Zukunft der Gastronomie.» Und Igus ist ein Teil davon; oder besser gesagt: viele Teile.

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