Expertenmeinung /Teil 1 Was eigentlich ist der Kern der Automatisierung?

Klar gibt‘s eine DIN-Norm, trotzdem scheint industrielle Automatisierung nicht wirklich per Definition greifbar. Oder doch? Wir haben 22 erklärte Automatisierer nach dem Kern, dem Wesen der Automatisierung gefragt – und weit mehr Perspektiven gewonnen.

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Nicht nur eine Frage der Komponenten: Auf ein fein abgestimmtes Zusammenspiel kommt es an.
Nicht nur eine Frage der Komponenten: Auf ein fein abgestimmtes Zusammenspiel kommt es an.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Omron, Lenze und Sick sind es, Google, IBM und Accenture zum Beispiel aber auch: Was macht eigentlich Unternehmen, die aus so sehr verschiedenen Domänen kommen, heute alle zu Automatisierungsspezialisten für die Industrie? Das hätten sich etliche von uns vor ein paar Jahren vermutlich noch nicht gefragt. Da haben wir allerdings auch eher noch in Sparten gedacht und das Thema liess sich inhaltlich etwa über die Automatisierungspyramide ganz gut organisieren. Auch für uns in der Redaktion.

Inzwischen haben sich Konzepte und Technologien zu immer komplexeren Systemen angereichert, mit höchst flexiblen Strukturen und Synapsen für Zukunftsthemen. Da könnten Antriebs- und Steuerungstechnik samt Software mehr sein als die eigenständige, rechte Hand des Menschen. Eine Querschnittsaufgabe, die Energie- und Lieferkettenprobleme lösen hilft? Mehr und mehr Produktivität? Ein Weg, um Silos aufzubrechen und Technologien zu demokratisieren? Was aber ist dann der Kern, das Wesen der Automatisierung? Das haben wir zusammen mit unserem Schwestertitel Elektrotechnik Automatisierung Experten aus verschiedenen Domänen gefragt. Aber lesen Sie selbst!

Accenture

Jan Daske ist Automatisierungsexperte im Bereich Industry X bei Accenture.
Jan Daske ist Automatisierungsexperte im Bereich Industry X bei Accenture.
(Bild: Accenture)

Industrielle Automatisierung ist für mich in erster Linie die Gestaltung von effizienten Prozessen und dann erst – und nicht notwendigerweise – die sinnvolle Integration von Robotik und Automatik in den Prozessablauf. Das fängt bei der Lagerung mit der Einführung von Warehouse-Managementsystemen an und geht über die Automatisierung und Digitalisierung in der Produktentwicklung bis zur KI-gestützten Modellierung einer Supply Chain.

Die Einführung von Automatisierung muss also nicht gleichbedeutend mit der Einführung von Robotik oder sonstiger autonomer oder teilautonomer Technologie sein. Entscheidend ist, welcher Grad der Automatisierung in den IT-Systemen abgebildet werden soll und welche Systeme dazu benötigt werden. So schafft beispielsweise die Anschaffung eines automatischen Kleinteile-Lagers allein noch keine Effektivität, sondern in einem ersten Schritt Kosten. Für den gewünschten Effekt von Effizienz- und Geschwindigkeitssteigerung muss das System erst prozessual und funktional eingebunden sein.

Aus meiner Perspektive liegt vor Automatisierung erst einmal Digitalisierung. Das schafft die Basis für eine sinnvolle Integration von technisch-maschinellen Automatik-Komponenten.

Baumüller

Markus Jaksch ist Leiter technischer Vertrieb bei Baumüller.
Markus Jaksch ist Leiter technischer Vertrieb bei Baumüller.
(Bild: Baumüller)

Automatisierung bedeutet routinemässige Aufgaben zu erledigen. Nach Definition auch selbständiges Handeln eines Systems zur Erreichung festgesetzter Ziele. Stellen Sie sich die Abfüllung von Gummibärchen in Tüten vor. Eine Maschine sorgt für die korrekte Füllmenge, das Verschweissen der Tüten und den Schnitt an der richtigen Stelle. Und dies alles bei hoher Produktivität und Wirtschaftlichkeit bei konstanter Produktqualität, prozesssicher und prozessgenau.

Für den Fertigungsprozess werden typischerweise Steuerungen und Aktoren zur Bewegungsführung benötigt. Die Intelligenz liegt im Steuerungsprogramm, welches auf die richtige Füllmenge achtet, die Tüte exakt positioniert, an der richtigen Stelle verschweisst und den Schnitt positionsgenau platziert und das kontinuierlich.

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