HSLU testet AR Augmented Reality in der Stadtplanung

Von Andreas Leu

Die Hochschule Luzern (HSLU) testet zusammen mit der Stadt Luzern das Potenzial von Augmented Reality (AR) in der Stadtplanung. Als Anschauungsbeispiel dient die Visualisierung der Neugestaltung der Bahnhofstrasse und des Theaterplatzes in Luzern.

Firma zum Thema

Hier kann virtuell bereits in der geplanten zweiten Baumreihe an der Bahnhofstrasse flaniert werden.
Hier kann virtuell bereits in der geplanten zweiten Baumreihe an der Bahnhofstrasse flaniert werden.
(Bild: Hochschule Luzern)

Mit dem Tablet können die geplanten baulichen Interventionen dreidimensional und räumlich betrachtet werden: Auf dem Display der Augmented-Reality-Anwendung erscheint die reale Umgebung mit darüber projizierten virtuellen Objekten. Die projektierte zweite Baumreihe, die neue Velostation und die mobilen Sitzgelegenheiten mit Bepflanzung werden so visuell erfahrbar.

«Nutzerinnen und Nutzer erleben somit vor Ort, wie die Bahnhofstrasse künftig gestaltet und genutzt werden könnte, ohne dass dazu bereits reale bauliche oder sonstige Eingriffe nötig wären», sagt Projektleiter Tobias Matter von der Hochschule Luzern. Die Visualisierung erfolgt auf Tablets, da diese Geräte weitverbreitet sind und sie die gleichzeitige Nutzung grösserer Teilnehmergruppen bei Informations- und Beteiligungsprozessen ermöglichen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Mit Augmented Reality die Stadtplanung revolutionieren

Bei öffentlichen Bauvorhaben ist ein breites Spektrum von Stakeholdern aus unterschiedlichen Bereichen (Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) beteiligt. Um zu breit abgestützten Lösungen zu kommen, müssen alle Beteiligten die Möglichkeit erhalten, sich aktiv an einer solchen Planung zu beteiligen und den Prozess damit so demokratisch wie möglich zu gestalten.

Dies geschieht derzeit vor allem mit Plänen, Modellen und Texten, die für Laien oft nur schwer zu verstehen und nachzuvollziehen sind. Diese Hürden erschweren laut Tobias Matter eine Kommunikation und Informationsvermittlung auf Augenhöhe.

Die Kombination von Augmented Reality mit mobilen Ausgabegeräten wie Tablets eröffnet vielversprechende neue Gestaltungs- und Anwendungsmöglichkeiten in der Stadtplanung und -entwicklung: AR-Visualisierungen haben einerseits das Potenzial, die Abstraktionslücke zwischen der Planung (Pläne, Visualisierungen, Diagramme) und der Realisierung (Raum, Material, Funktion) anschaulich zu schliessen. Andererseits kann die anschauliche Präsentation komplexer Planungs- und Partizipationsprozesse insbesondere jüngere Menschen zu einer aktiven Beteiligung anregen.

Hintergrund: neue technische Möglichkeiten, neue Formen der Kollaboration

In den vergangenen 15 Jahren wurden digitale Technologien und neue Methoden zunehmend in öffentliche Planungs- und Beteiligungsprozesse aufgenommen. Webbasierte Medien haben die Kommunikation in der Stadtentwicklung zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern, den zivilgesellschaftlichen Akteuren, der Politik und den Verwaltungen verändert. Websites, Apps, Social-Media-Plattformen oder internetbasierte Kollaborationsplattformen werden inzwischen vielfach genutzt, wenn über städtische Themen oder Projekte informiert und diskutiert wird.

Mit den veränderten technischen Möglichkeiten haben sich auch neue Formen der digitalen Teilhabe etabliert, die sowohl «top-down» von den Akteuren aus der städtischen Verwaltung und Politik als auch «bottom-up» von Akteuren aus der Zivilgesellschaft initiiert werden. Stadtbewohnerinnen und -bewohner erhalten so im besten Fall neue Möglichkeiten, an der Gestaltung ihrer Städte teilzunehmen und staatliches Handeln zu beeinflussen.

Insbesondere Augmented Reality (AR) bietet grosses Potenzial, sich zu einer sinnvollen Methodenerweiterung von Visualisierungstechniken in öffentlichen und partizipativen Planungsprozessen zu entwickeln: Die Hochschule Luzern forscht innovativ departementsübergreifend zusammen mit Partnern aus der Praxis, Wissenschaft, Bevölkerung, Stadt und Gemeinden in diesem Bereich.

Zwei Forschungsgruppen der Hochschule Luzern beteiligt

Die Visualisierung der Neugestaltung der Bahnhofstrasse in Augmented Reality ist ein Gemeinschaftsprojekt des Tiefbauamts der Stadt Luzern sowie der Forschungsgruppen Visual Narrative (Departement Design & Kunst) und Immersive Realities Research Lab (Departement Informatik) der Hochschule Luzern.

Die beiden Teams erforschen und entwickeln die Möglichkeiten von Augmented und Virtual Reality, sei es in der Kultur, der Bildung oder in der Stadtentwicklung – dies unter anderem mit den Projekten «Augmented Revolution Experience» und «Holodeck».

(ID:47715264)