at-Technologietag Automation an der ZHAW Winterthur KI, Robotik und Regulierung: Industrieautomation im Praxistest

Von Anne Richter 6 min Lesedauer

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Die Zukunft der industriellen Automation erleben: unter diesem Motto stand der at-Technologietag Automation – mit spannenden Vorträgen, interessanten Ausstellern und jeder Menge Praxiseinblicke. KI und Robotik waren die zentralen Themen. Rund 100 Teilnehmer informierten sich vor Ort über aktuelle Trends Branche.

Begleitende Tischausstellung: Unternehmen haben hre Neuheiten, Innovationen und praxisnahe Lösungen für die Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung in der Industrie präsentiert. (Bild:  Thomas Entzeroth)
Begleitende Tischausstellung: Unternehmen haben hre Neuheiten, Innovationen und praxisnahe Lösungen für die Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung in der Industrie präsentiert.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Am 20. Oktober 2026 trafen sich Fachleute der Automatisierungsbranche zum at-Technologietag Automation. Rund 100 Teilnehmer kamen an die ZHAW School of Engineering nach Winterthur, um sich über die Zukunft der industriellen Automation zu informieren. In acht Fachvorträgen und einer Tischausstellung der Partnerfirmen konnten sich die Besucher sowohl über technologische Neuheiten und Innovationen der Branche informieren, sondern auch über Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung in der

Industrie informieren. Im Mittelpunkt standen künstliche Intelligenz, Robotik, Edge Computing und neue regulatorische Vorgaben. Die Referate drehten sich um eine gemeinsame Frage: Welchen Mehrwert bringt eine Technologie im Betrieb tatsächlich? Zusätzlich gab es viel Raum zum Networking. Nach der Begrüssung der Gäste durch Anne Richter, Chefredaktorin der at – aktuelle technik, übernahm der Automationsinsider und Branchenkenner René Brugger, Geschäftsführer von swissT.net, die Moderation der Veranstaltung.

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KI nur dort, wo sie sich lohnt

Prof. Dr. Nikola Pascher, Leiterin des Instituts für Data Science an der ZHAW, eröffnete das Programm. Sie zeigte, wie Unternehmen aus Daten einen Mehrwert für Maschinen, Prozesse und Services gewinnen können und wie KI neue Potentiale dafür erschliesst. Data Scientists haben dafür einen grossen Werkzeugkasten zur Verfügung, doch KI ist nicht immer die beste Methode. Wichtig dabei ist, die Kosten von Anfang an in die Entscheidung mit einfliessen lassen.

Als Beispiel nannte sie das Thema Machine Health Intelligence: Wartungen sollen stattfinden, bevor ein Problem entsteht. Besonders bei älteren Maschinen, grossen Datenmengen und knappem Fachpersonal kann KI sehr hilfreich sein. Voraussetzungen dafür sind aber relevante Daten und eine gute Dokumentation. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit müssen die Kosten für die menschliche Arbeit den Kosten für KI-Fehler gegenübergestellt werden. Demnach ist der Einsatz von KI mit «Human in the Loop» also mit dem Menschen an zentralen Stellen wirtschaftlich am sinnvollsten.

Cyber Resilience Act: Pflichten für Hersteller

Ein trockenes Thema – anschaulich dargestellt: Dr. Adam Gontarz von Swissmem erklärte, was der Cyber Resilience Act (CRA) für die Industrie bedeutet und wie die Sicherheit der Unternehmen gestärkt werden kann ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Denn die Regulierung betrifft nicht nur Konsumprodukte, sondern auch Maschinen und Anlagen. An einem Praxisbeispiel zeigte er, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen können, je nachdem aus welcher Perspektive sie betrachtet wird. Die Frage lautete, ob eine Steuerung mit ungesichertem Feldbus-Protokoll ab Dezember 2027 noch geliefert werden darf. Seine Folgerung ist pragmatisch: eine angemessene Lösung muss technisch wirksam und nachvollziehbar belegt sein – auch bei ungesichertem Feldbus-Protokoll.

Kognitive Roboter: vom Hype zum Mehrwert

Keynote-Speakerin Prof. Dr. Yulia Sandamirskaya, Mitgründerin von Auroniq-Robotics und YuRo, ordnete den Stand der Robotik ein, was nur Hype und Hoffnungen sind und wo Unternehmen wirklich Mehrwert erzielen können. Sie fragte, was Roboter intelligent und was sie nützlich macht. Intelligent sind sie mit Anpassungs- und Lernfähigkeit und durch die Fähigkeit, sicher mit Menschen zu interagieren. Nützlich sind sie durch Präzision, Geschwindigkeit, Stärke und Ausdauer. Sie beschrieb die Entwicklung vom klassischen Industrieroboter hinter Gittern über den Cobot, der bei Kontakt stoppt, bis zum kognitiven Roboter, der zusätzlich sehen kann. Sie hat verschiedene Steuerungs- und Lernmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen diskutiert. Aktuell benötigen KI-Systeme sehr viele Trainingsdaten und lernen im Einsatz nicht hinzu. Doch mit moderner KI-Technologie kann die Lücke zunehmend geschlossen werden.

KI bewusst einsetzen – und bewusst weglassen

Raphael Scheibler, Head of Machine Vision bei Fabrimex Systems, plädierte für einen nüchternen Umgang mit KI in der Bildverarbeitung. «Technik braucht keine Buzzwords, sie braucht gute Anforderungen», forderte er. Zuerst müsse klar sein, was geprüft wird, mit welcher Toleranz und wie oft Fehler auftreten und wie der Entscheid nachgewiesen wird. Es ging ihm darum, KI richtig einzuordnen und nicht ums sie komplett zu entzaubern. Ausserdem ist wichtig, Begriffe sauber zu trennen wie Deep Learning, Machine Learning und KI-Systeme, die Aufgaben lernen für die sonst menschliche Intelligenz notwendig ist.

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KI kann ihre Stärken ausspielen, wenn zwischen natürlichen Varianten und Fehler unterschiedenen werden muss, wenn kein Gutteil dem anderen gleicht und wenn unbekannte Fehlerbilder auftreten können. Typisches dafür sind Strukturen auf Oberflächen, z.B. Holzmaserungen, Lederstrukturen oder Glanzoberflächen. Klassische Verfahren sind dagegen überlegen, wenn sich die Regel formulieren lässt, etwa bei Längen- und Durchmessermessungen oder beim geometrischen Matching. Sein Fazit: Jedes Verfahren soll dort eingesetzt werden, wo es seine Stärken hat.

Digitaler Produktpass: strategische Chance

Prof. Dr.-Ing. Hans Wernher van de Venn, Präsident und Scientific Director von EIRAS, zeigte, wie der Digitale Produktpass (DPP) im Engineering und im Service nützen kann. Der Digitale Produktpass (DPP) ist mehr als eine EU-Regulierungspflicht: Er verknüpft Produktinformationen von der Entwicklung bis zum Recycling. Denn steht eine Maschine still, bleiben oft Fragen offen: Welche Variante ist verbaut? Welches Ersatzteil passt? Welche Dokumentation ist aktuell? Die Informationen sind zwar meistens vorhanden, aber in der Regel nicht dort, wo man sie braucht. Die grösste Herausforderung bei der Umsetzung ist demnach nicht die Software, sondern die Durchgängigkeit und die Qualität der Daten. Wer den DPP nur als Pflicht sehe, erfüllt auch nur diese Pflicht. Für Schweizer Maschinenbauer schafft er Transparenz, erleichtert Rückverfolgbarkeit und Wartung, reduziert Stillstände und stärkt den Service. Der DPP ersetzt bestehende Systeme nicht, sondern macht deren Daten produktbezogen und standardisiert nutzbar. Als Grundlage für digitale Zwillinge und KI eröffnet er neue Geschäftsmodelle.

Intelligente Fügesysteme

Patrick Dudler von Kistler Instrumente stellte Smart Joining vor und wie intelligente Fügesysteme die Montageprozesse der Zukunft ermöglichen. Die Anforderungen an Fügeprozesse steigen rasant, vor allem im Bezug auf Flexibilität, Rückverfolgbarkeit und Effizienz in den Branchen Medizintechnik, Elektronikfertigung und auch bei Automotive. Ein einziger Fehler kann teure Nacharbeit oder Feldausfälle verursachen. P. dudler hat aufgezeigt, wie moderne elektromechanische Fügesysteme durch integrierte Sensorik sowie Kraft-Weg- und Beschleunigungsüberwachungeine lückenlose Prozessüberwachung ermöglichen und liefern Daten für Predictive Quality.

Edge-KI und Industrieapplikationen

Andi Purnomo von Novitronic hat in seinem Vortrag die Bedeutung für Edge AI vor allem in der Robotik und der smart Automation herausgestrichen. In der Robotik wird KI benötigt, die immer funktioniert: auch ohne Internetverbindung, für schnelle Antworten in Millisekunden, für Datensouveränität und aus Kostengründen. Dafür zeigte er die Hardwareentwicklung von CPUs/GPUs zu NPUs und lieferte Entscheidungshilfen. Im Dauerbetrieb ist Edge AI zudem meist günstiger als eine Cloud-Lösung. Als Entscheidungshilfe stellte er Cloud und Edge-Geräte nach Latenz, Ausfallsicherheit, Datensouveränität und Kosten gegenüber.

Unterwasserrobotik: skalierbare Inspektionsprozesse statt riskante Taucheinsätze

Zum Abschluss des Programms präsentierte Jonas Wüst, CEO und Co-Founder von Tethys Robotics, autonome Unterwasserroboter, die riskante und teure Taucheinsätze ersetzen sollen und können. Die kompakten Tethys-Unterwasserroboter arbeiten autonom, auch bei schlechter Sicht, bei starker Strömung und ohne GPS. J. Wüst erzählte, wie sich das Start-Up und die Unterwasserroboter von den Anfängen bis heute entwickelt haben und welche Rolle die Schweizer Armee gespielt hat.

In den Pausen und beim Apéro nutzten die Teilnehmer die Zeit zum Networking, besuchten die Tischausstellung der Partner, um Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen. Zu den Partnern zählten unter anderem Beckhoff, Conrad, IDEC, Kistler, Schunk, Sigmatek und Testo. Der Tag zeigte, wie die Industrie mit KI und Robotik einen Mehrwert erzielen kann und welche Voraussetzungen notwendig sind. Wirtschaftlichkeit, Datenqualität und regulatorische Anforderungen entscheiden schlussendlich über den Erfolg. Die Fachttagung at-Technologietag wird von at – aktuelle technik und der Vogel Communications Group organisiert und durchgeführt. In diesem Jahr war die ZHAW School of Engineering Gastgeber des Technologieevents. Im nächsten Jahr findet der at-Technologietag bei Endress+Hauser in Reinach statt.

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