Ob Künstliche Intelligenz, Photonik, Sensorik oder Robotik: Die innovativen Technologien, die derzeit Wirtschaft und Gesellschaft verändern, entstehen nicht im Alleingang. Am Technologietag 2026 der OST – Ostschweizer Fachhochschule in Buchs standen deshalb Kooperationen zwischen Industrie und Forschung im Zentrum.
Am Technologietag 2026 der OST – Ostschweizer Fachhochschule in Buchs standen Kooperationen zwischen Industrie und Forschung im Zentrum.
(Bild: OST)
«Wer nicht kooperiert, verliert den Zugang zu Wissen, Märkten und Talenten», betonte Michael Auer, Präsident des Hochschulrats der OST – Ostschweizer Fachhochschule, am Technologietag 2026, der am 9. Juni in Buchs stattfand. Die spannendsten Innovationen entstehen laut Auer an den Schnittstellen, wo Disziplinen, Branchen und Technologien aufeinandertreffen. Der diesjährige Technologietag in Buchs stand daher unter dem Motto «Kooperation als Motor für Innovation». Organisiert wurde der Anlass von der OST in Zusammenarbeit mit Rhysearch, dem Switzerland Innovation Park Ost und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW.
Liechtenstein gehört zu den innovativsten Wirtschaftsstandorten Europas. Für Hubert Büchel, Regierungsrat des Fürstentums Liechtenstein, zeigt das: «Innovation entsteht nicht allein durch Grösse, sondern durch Spezialisierung, Qualität und unternehmerische Weitsicht.» Gleichzeitig sei Innovation kein Selbstläufer. Ein kleiner Wirtschaftsraum wie Liechtenstein verfüge naturgemäss nicht über alle Infrastrukturen und Kapazitäten, die für Forschung und Entwicklung nötig seien. Kooperation sei deshalb eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Innovationsfähigkeit. «Erfolgreiche Innovation entsteht dort, wo Wissen schnell geteilt, Kompetenzen gebündelt und Partnerschaften aktiv gelebt werden», sagte Büchel. Als wichtige Partner nannte er die Universität Liechtenstein, die OST, Rhysearch, den Switzerland Innovation Park Ost und den neuen Sensor Innovation Hub. «Sie alle leisten in der Region einen wichtigen Beitrag, indem sie Forschung und Praxis verbinden und Räume für Entwicklung schaffen.»
Auch die Schweiz belegt in verschiedenen Innovationsrankings seit Jahren Spitzenplätze. Und das nicht ohne Grund: «Die Hochschulen sind exzellent, die Schweiz investiert viel in öffentliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und das Innovationsfördersystem in der Schweiz hat positive Effekte», erklärte Prof. Dr. Martin Wörter, Bereichsleiter Innovationsökonomie der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Doch der Innovationswettbewerb hat sich intensiviert. Dänemark, Schweden und Finnland schliessen immer enger an die Schweiz auf. Wörter zeigte auf, wie geopolitische Verschiebungen und umfangreiche staatliche Subventionen in anderen Ländern den Technologiewettbewerb intensivieren. Hinzu kommen nationale Herausforderungen wie kostspielige Regulierungen, hohe Kosten, fehlende Fachkräfte und mangelnde Eigenmittel im Innovationsbereich. Dennoch gelingt es Schweizer Unternehmen laut Wörter, 30 bis 35 Prozent ihres Umsatzes mit innovativen Produkten zu erzielen.
Weniger Firmen betreiben Forschung und Entwicklung
Analysen der KOF zeigen, dass sich Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Schweiz zunehmend konzentrieren. Die Innovationsbreite sinkt: Immer weniger Unternehmen betreiben Forschung und Entwicklung. Dies bestätigt auch die Innovationskraftanalyse der SATW, eine vertiefte Untersuchung der produzierenden Industrie in der Schweiz. «Die Schweiz ist zwar Innovationsweltmeisterin, doch die Entwicklung ist nicht in allen Wirtschaftsklassen so rosig», sagte Dr. Claudia Schärer, Leiterin Foresight der SATW. Die SATW hat deshalb Handlungsempfehlungen ausgearbeitet: Die Innovationskultur muss in Firmen verankert und gelebt werden, es braucht professionelles Matchmaking, um Kollaborationspartner zu finden, und Stellen für Technologietransfer an Hochschulen müssen gefördert werden.
Der Technology Outlook der SATW analysiert und bewertet Technologiefelder, die in den nächsten drei bis fünf Jahren für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft relevant werden. Stefan Scheidegger, Projektleiter Früherkennung der SATW, nannte dazu verschiedene Beispiele – darunter Verfahren, mit denen Gold ohne hochgiftige Säuren und Sondermüll aus Elektroschrott gewonnen werden soll. Generell zeige der Technology Outlook, dass Innovationsökosysteme immer wichtiger werden: Orte, an denen sich Menschen begegnen, Vertrauen entsteht und Kollaboration möglich wird.
Ein wichtiger Treiber des Innovationsdrucks ist derzeit die Künstliche Intelligenz. Ihr Aufstieg erhöht die Nachfrage nach schnelleren und energieeffizienteren Systemen. «Der Energieverbrauch globaler Rechenzentren wird sich in den nächsten fünf Jahren aufgrund von KI-Anwendungen verdoppeln», sagte Prof. Dr. Kirsten Moselund, Leiterin des Laboratory for Nano and Quantum Technologies am Paul Scherrer Institut PSI. Das sei eine echte Bedrohung für die Netto-Null-Ziele. Eine vielversprechende Lösung ist die Photonik, also die Nutzung von Licht statt elektrischer Signale zur Datenübertragung und -verarbeitung. «Wir brauchen künftig viel mehr Ingenieurinnen und Ingenieure, um diese Herausforderungen anzugehen», betonte Moselund. Auch der Bedarf an Forschungsreinräumen für Kooperationen – wie der Sensor Innovation Hub in Buchs – wird laut Moselund steigen.
Praxis trifft Forschung
Der Sensor Innovation Hub ist ein zentrales Zentrum für Technologietransfer für miniaturisierte Produkte wie Industriesensoren und Gesundheitstechnik. Die Lancierung dieser Initiative wurde am Morgen des Technologietags gemeinsam mit der OST, dem Switzerland Innovation Park Ost und Rhysearch gefeiert.
Stand: 08.12.2025
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Neben den Plenarvorträgen boten vier parallele Technologie-Blöcke vertiefte Einblicke in aktuelle Forschungs- und Praxisfelder: Precision Photonics, Prozessinnovation für moderne Sensortechnologien, Sensorik und KI für die Medizintechnik sowie Robotics. «Der Tag hat gezeigt: Kooperationen sind Innovationstreiber und ‹überlebenswichtig›. Das gilt für KMU ebenso wie für Konzerne und explizit für uns als Hochschule, wo der Dialog und die Zusammenarbeit mit Industrie und Politik zentral sind. Wissen multipliziert sich durch Austausch», fasste Prof. Dr. Knut Siercks, Leiter des Departements Technik der OST, am Ende des Technologietages zusammen. «Ideen sind die Basis, aber bis zur Innovation braucht es noch viel mehr. Wie der Titel der Veranstaltung sagt, ist Vernetzung der Motor für Innovation.»