KI-Agenten Wie Agent-First-Architekturen Fertigungslinien flexibler machen

Von Christoph Schnidrig, AWS 3 min Lesedauer

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Agent-First-Architekturen machen Produktionslinien flexibel: Statt zentraler Steuerung koordinieren KI-Agenten Aufträge, Wartung und Qualität autonom. Voraussetzung ist ein solides Datenfundament. Der Einstieg gelingt oft mit einem Predictive-Maintenance-Agenten.

Der Autor Christoph Schnidrig ist Head of Technology Switzerland bei AWS.(Bild:  AWS)
Der Autor Christoph Schnidrig ist Head of Technology Switzerland bei AWS.
(Bild: AWS)

Wer Maschinen für die Verpackungs- oder Füllindustrie baut, kennt die Situation: Die Anlagen sind für definierte Prozesse ausgelegt, das Produktionsprogramm der Kunden ändert sich schneller als die Systeme dahinter. Der Markt verlangt kleinere Chargen, mehr Varianten, kürzere Lieferzeiten. Klassisch programmierte Linien stossen dabei an ihre Grenzen. Flexibilität ist in ihrer Architektur schlicht nicht vorgesehen.

Agent-First-Architekturen gehen dieses Problem grundlegend anders an. Statt einer zentralen Steuerungslogik, die jeden Produktionsschritt vorgibt, erhält jede Station einen eigenen spezialisierten KI-Agenten. Diese Agenten kommunizieren untereinander und werden von übergeordneten Orchestrierungsagenten koordiniert – ein in der Industrie 4.0 als Multi-Agent-System (MAS) etabliertes Prinzip. Die echtzeitkritische Steuerung bleibt dabei deterministisch in der SPS; Agenten entscheiden nur, welcher Ablauf wann gefahren wird. Jeder Agent kennt seinen aktuellen Auslastungsstand und die verfügbaren Aufträge. Ist eine Station frei, fordert sie eigenständig einen Auftrag an, der zu ihrem Profil passt.

Agent-First-Architekturen: Anwendungsfälle aus der Praxis

In der Verpackungs- und Abfüllindustrie etwa müssen Linien heute im Wochentakt zwischen Formaten, Gebindegrössen und Etikettierungen wechseln. Klassisch erfordert jeder Wechsel manuelles Umrüsten und Neuplanung. Ein Auftrags-Agent hingegen sucht sich zur Laufzeit die passende Ressource – Abfüller, Etikettierer, Palettierer – basierend auf aktuellem Rüstzustand und Auslastung. In der Praxis zeigen solche Systeme eine Steigerung der Gesamtanlageneffektivität (OEE) um 5–12 Prozent.

Ähnliche Vorteile zeigen sich in der Instandhaltung. Agenten überwachen kontinuierlich Sensordaten und priorisieren Wartungsaufträge, bevor ein Ausfall eintritt – mit Potenzial für 30–50 Prozent weniger ungeplante Stillstände. Was bisher Erfahrungswissen und manuelle Auswertung erforderte, wird zu einem systematischen, datengetriebenen Prozess. Auch in der Qualitätssicherung lassen sich Produktionsdaten, Maschinenwerte und Prüfergebnisse durch Agenten zusammenführen. Grundursachenanalysen, die mit manuellen Methoden zu aufwendig wären, werden damit zur Routine.

Voraussetzungen für den Einstieg in Agent-First-Architekturen

Ein belastbares Datenfundament ist die wichtigste Voraussetzung. Agenten können nur dann gute Entscheidungen treffen, wenn sie mit kontextualisierten Informationen versorgt werden. Hier liegt in vielen Betrieben eine unterschätzte Lücke: Roboterdaten, die täglich in der Produktion entstehen, werden häufig gar nicht gespeichert. Ein strukturierter Data Lake mit entsprechender Datenbankarchitektur schafft die Grundlage, auf der Agenten arbeiten können.

Dazu kommt idealerweise eine zuverlässige und sichere Cloud-Infrastruktur. Dabei laufen die KI-Agenten auf managed Cloud-Diensten, die Foundation Models als API bereitstellen. Unternehmen müssen nicht in eigene Hardware-Cluster investieren. Rechenkapazität lässt sich somit bedarfsgerecht skalieren, was besonders bei rechenintensiven Aufgaben wie Anomalieerkennung oder Sequenzoptimierung ein erheblicher Vorteil ist. Eine vollständige Transformation ist für den Einstieg nicht nötig. Ein sinnvoller erster Schritt ist ein Predictive-Maintenance-Agent, der bei Anomalien Handlungsoptionen vorschlägt – ein Quick Win mit hohem Impact bei geringer Komplexität.

Von der Pilotidee zur laufenden Produktion

KI-Agenten in der Industrie einzuführen ist kein reines Softwareprojekt. Es geht um die Anbindung an physische Infrastruktur, um Sicherheitsanforderungen auf dem Shopfloor und um eine Datenarchitektur, die im Betrieb trägt. AWS bringt dafür die passenden Bausteine mit: von der sicheren Shopfloor-Anbindung über managed KI-Dienste bis zur Cloud-Region im Grossraum Zürich, die Datenresidenz in der Schweiz sicherstellt.

Unternehmen müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Die Experten von AWS helfen dabei, den richtigen Einstiegspunkt zu finden, bestehende Systeme anzubinden und Lösungen auf den jeweiligen Kontext anzupassen. Wer einen konkreten Anwendungsfall im Blick hat, kann direkt auf sie zugehen.

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