Forschende der ETH Zürich haben ein Verfahren entwickelt, das elektromagnetische Felder über einer Oberfläche mithilfe eines einzelnen Ions erkennt und davon eine dreidimensionale Karte erstellt. Damit können in Zukunft Chips für Quantencomputer und Quantensensoren verbessert werden.
Apparatur für die Experimente: In der goldfarbenen Halterung liegt der Fallenchip, auf dem ein einzelnes gefangenes Ion die Störfelder messen und davon eine dreidimensionale Karte erstellen kann.
(Bild: Edgar Brucke / ETH Zürich)
Einzelne elektrisch geladene Atome – Ionen – werden seit einiger Zeit erfolgreich als Quanten-Bits in Quantencomputern und Quantensensoren benutzt. Im Gegensatz zu den klobigen Ionenfallen der frühen Jahre gibt es mittlerweile miniaturisierte Chips, in denen die Ionen nur eine Haaresbreite von der Chipoberfläche entfernt gefangen und manipuliert werden können. Das hat viele Vorteile, doch auch einen entscheidenden Nachteil: Elektromagnetische Störfelder, die vom Chip selbst ausgehen, können die empfindlichen Quantenzustände der Ionen und damit die Leistungsfähigkeit des Computers oder Sensors stark beeinträchtigen.
In Kürze
Einzelne in miniaturisierten Chip-Fallen gefangene Ionen können für Quantencomputer und Quantensensoren genutzt werden. Bisher haben jedoch elektromagnetische Störfelder des Chips eine verlässliche Anwendung erschwert.
Forschende haben nun eine Technik entwickelt, mit der ein einzelnes Ion beliebig über dem Chip positioniert werden und an jeder Stelle diese Felder sehr genau messen kann.
In Zukunft können so Oberflächenmaterialien für Chips besser charakterisiert und Herstellungsverfahren optimiert werden.
Bildergalerie
Forschende um Jonathan Home, Professor am Institut für Quantenelektronik der ETH Zürich, haben nun eine Technik entwickelt, mit der sie eine sehr genaue dreidimensionale Karte elektrischer und magnetischer Felder knapp über der Oberfläche des Chips erstellen können. Damit können in Zukunft Materialien für die Herstellung von Chips besser optimiert auf ihre Eignung für Quanten-Anwendungen geprüft.
Beliebige Bewegung in drei Dimensionen
«Um ein Ion beliebig in drei Dimensionen zu bewegen, haben wir vor zwei Jahren eine neuartige Chip-Falle entwickelt», erklärt Doktorand Tobias Sägesser. Während herkömmliche Fallen die geladenen Atome mit oszillierenden – sprich schwingenden – elektrischen Feldern im Radiofrequenzbereich einfangen, benutzen die ETH-Forschenden eine so genannte Penning-Falle, die auf einer Kombination aus statischen elektrischen und magnetischen Feldern beruht.
«Das hat gleich zwei bedeutende Vorteile», sagt Shreyans Jain, ebenfalls Doktorand in Homes Arbeitsgruppe: «Zum einen erlaubt es, die Ionen in drei Dimensionen zu positionieren, was mit den Radiofrequenz-Fallen nicht möglich ist. Zum anderen macht die Abwesenheit schwingender Felder in der Falle es einfacher, winzige oszillierende Felder auf dem Chip nachzuweisen.»
Die Messung kleinster oszillierender elektrischer Felder funktioniert so: Zunächst kühlen die Forschenden ein gefangenes Beryllium-Ion mit Hilfe von Laserstrahlen soweit ab, dass es den niedrigsten quantenmechanischen Schwingungszustand in der Falle einnimmt, also praktisch stillsteht. Dann verändern sie die elektrischen Spannungen an den Elektroden der Falle so, dass das Ion an die gewünschte Stelle über dem Chip wandert. «Dabei können wir die Höhe über dem Chip von 50 Mikrometern bis zu 450 Mikrometern variieren und eine Oberfläche von 200 mal 200 Mikrometern abscannen», sagt Sägesser.
Genaue Feldmessung durch Ionen-Schwingungen
Einmal am Zielort angekommen, heisst es: warten. Die oszillierenden elektrischen Felder auf dem Chip rütteln nun fortwährend am Ion, so dass es anfängt, immer stärker in der Falle hin- und herzuschwingen. Das bedeutet, dass sich sein quantenmechanischer Schwingungszustand ändert, was die Forschenden nach einer Wartezeit mit weiteren Laserpulsen messen können. Aus dieser Änderung können sie dann die Stärke des elektrischen Feldes berechnen.
«Damit haben wir einen neuen Rekord für die empfindlichste Messung eines oszillierenden elektrischen Feldes aufgestellt», sagt Sägesser. Innerhalb einer Sekunde Messzeit konnten er und seine Kollegen ein oszillierendes Feld mit einer Amplitude von nur 10 Nanovolt pro Meter nachweisen. Zum Vergleich: Selbst in einer Entfernung von mehreren Kilometern ist das elektromagnetische Feld eines Mobiltelefons noch zehntausend al stärker.
Auch statische elektrische Felder können die Forschenden messen, indem sie mit einem Mikroskop die Ablenkung des Ions aus seiner Ruheposition durch die Einwirkung des Feldes sichtbar machen. Magnetische Felder wiederum messen sie über die Änderung der Energiezustände des Ions.
Neues Werkzeug zum Bestimmen von Materialeigenschaften
«Seit über dreissig Jahren versucht man herauszufinden, woher die Störfelder in der Nähe eines Chips kommen», sagt Home. Seine neue Methode macht es nun möglich, diese Felder sehr genau und dreidimensional räumlich aufgelöst zu messen und die Ergebnisse mit Modellrechnungen zu vergleichen. So kann man dann zwischen verschiedenen möglichen Störquellen unterscheiden. Zudem kann die Penning-Falle vorübergehend komplett von allen äusseren Spannungsquellen abgekoppelt werden, sodass störende Einflüsse von ausserhalb ausgeschlossen werden können. «Bisher musste man zu diesen Einflüssen bestimmte Annahmen machen, ohne zu wissen, ob sie stimmten», erklärt Home.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Für die Zukunft sieht Home die neue Methode als zusätzliches Werkzeug für die Materialcharakterisierung. So können zum Beispiel mit den Ionen verschiedene Bereiche einer Chip-Falle mit unterschiedlichen Oberflächenmaterialien abgescannt werden, um herauszufinden, welches Material die geringsten Störfelder erzeugt. Auch die Herstellungsverfahren für die Chips könnten so optimiert werden.