Die Brienz Rothornbahn elektrifiziert seine historische Dampf-Zahnradbahn. Suncar liefert dafür das elektrische Traktions- und Energiesystem, mit dem die Zahnradloks künftig batterieelektrisch fahren. Den Anfang macht die Lok 11, ab der Saison 2028 soll sie leise und ohne Abgase aufs Brienzer Rothorn fahren.
Lok Nr. 10 auf der Fahrt Richtung Rothorn Kulm, hinter dem Dirrengrind.
(Bild: Brienzer Rothornbahn)
Die Brienz Rothorn Bahn rüstet ihre drei historischen Dieselloks auf einen batterieelektrischen Antrieb um. Die Suncar AG trägt mit ihrem Hochvoltsystem zur Elektrifizierung der dieselhydraulischen Zahnradlokomotiven der Brienz Rothorn Bahn aus den Jahren 1975 und 1987 bei. Der neue Antrieb muss einer geschichtsträchtigen Lok gerecht werden, die neben dem Personentransport auch Schnee räumt. Den Anfang macht die Lok Nr. 11, deren Umbau Ende Oktober 2026 begonnen hat. Zur Saison 2028 soll sie ihren Betrieb wieder aufnehmen. Ist die Remotorisierung erfolgreich, werden auch die beiden anderen Loks umgerüstet. Der Effekt: Pro Lok sollen jährlich rund 30 000 Liter Diesel und etwa 80 Tonnen CO2 entfallen. Gelingt das Projekt, zählt die BRB zu den ersten Zahnradbahnen weltweit, die bestehende Diesellokomotiven für den batterieelektrischen Betrieb umrüsten.
Neuer Antrieb, bewährte Mechanik
Das Fahrwerk, die Radsatzgetriebe und die Bremssysteme bleiben erhalten. Der Dieselmotor, das Verteilgetriebe und der hydrostatische Antrieb weichen einem Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP) mit voraussichtlich rund 300 kWh, zwei Frequenzumrichtern für die beiden Elektromotoren an den Achsen und einer neuen Fahrzeugsteuerung. Die komplette Hochvoltverteilung und die DC-Ladeschnittstelle stammen aus der eigenen Herstellung von Suncar. Das Unternehmen wirkt zudem bei der Systementwicklung des Antriebsstrangs mit und entwickelt die komplette Steuersoftware. Das elektrische System nutzt die Topografie der Strecke: Auf der Talfahrt werden die Motoren beim Bremsen zu Generatoren und speisen bis zu 50 Prozent der Bremsenergie in die Akkumulatoren zurück. Diese werden während der Standzeiten in Brienz in rund 20 bis 25 Minuten nachgeladen, wenn immer möglich mit Strom aus den Photovoltaikanlagen der BRB. Im Betrieb entfallen nicht nur die Dieselabgase, auch der Lärm und Geruch sollen dadurch gerade in Tunneln deutlich reduziert werden. «Eine batterieelektrische Antriebsformel passt sehr gut zur Zahnradbahn. Was die Lokomotive bergwärts an Energie benötigt, holt sie sich dank Rekuperation talwärts zu einem guten Teil zurück. Auf Basis der vorliegenden Strecke und Infrastruktur lässt sich die Speicherkapazität zudem optimal für den Einsatzbereich und die Lebensdauer auslegen», so Stefan Schneider, Geschäftsführer der Suncar AG.
Für den Umbau der Lok Nr. 11 hat die BRB 5,89 Millionen Franken gesprochen, finanziert aus Eigenmitteln und Rückstellungen. Laut Vorstudie kostet die Umrüstung aller drei Loks deutlich weniger als eine Neubeschaffung. Die Fahrzeuge sollen so 20 bis 30 Jahre länger im Einsatz bleiben. Suncar konzipiert solche Umrüstungen seit 2020 im Schweizer Schienenverkehr, bisher vor allem bei Rangierloks und Schienenspezialfahrzeugen. Jetzt soll das elektrische System vermehrt auch am Berg eingesetzt werden. «Viele Bergbahnen fahren mit Dieselloks, deren Mechanik noch Jahrzehnte überdauert. Die Transformation der Rothornlok soll aufzeigen, dass sich die Elektrifizierung lohnt – unter anderem, weil sonst gängige Investitionen etwa in Ober- oder Unterleitungen entfallen», zeigt sich Stefan Schneider überzeugt.
Schweizer Partnerschaft
Beim BRB-Projekt greifen operativ verschiedene Zahnräder ineinander: Während Suncar seine innovativen Hochvoltkomponenten wie auch Kompetenzen in System- und Softwareentwicklung beisteuert, fungiert die Zaugg AG (Eggiwil BE) als Generalunternehmerin für den Umbau und trägt damit die Herstellerverantwortung für die neue Lok. Die Ferdinand Steck Maschinenfabrik AG (Bowil BE) bringt ihr Fahrzeug-Know-how ein und bereitet die Lokomotiven auf. Die PROSE AG wiederum ist für Engineering, Zulassung und Bauherrenvertretung verantwortlich und die Solar21 AG für das Energiekonzept.
Suncar AG mit Sitz in Oberbüren (SG) ist ein Schweizer Technologie- und Entwicklungsunternehmen für die Elektrifizierung von Nutz-, Kommunal-, Off-Highway- und Schienenfahrzeugen. Die Firma ist aus einem ETH-Fokusprojekt entstanden und wurde 2015 als Tochterfirma der Huppenkothen Baumaschinen AG gegründet. Suncar verfügt über ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie eine Produktionsstätte in Schlieren. Auf Suncar geht etwa der weltweit erste batteriebetriebene Elektrobagger im Jahr 2014 zurück. Bis heute arbeitet das Unternehmen an Innovationen, die die Dekarbonisierung vorantreiben und die Energiewende beschleunigen. Dafür beschäftigt das Unternehmen 50 Mitarbeitende in den Bereichen Elektronik-, Software- und Mechanik-Entwicklung sowie in der eigenen Produktsparte. Das Portfolio umfasst Hochvoltverteilsysteme, DC-Schnellladeschnittstellen sowie Assistenz- und Monitoringsysteme. Als Auftragsentwickler hat Suncar zudem zahlreiche Nutz- und Kommunalfahrzeuge für seine Kunden entwickelt.
Stand: 08.12.2025
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